Jetzt heißt es Media Verlag Online - Teil 5 zu Oertlicher Telefonbuchverlag s.l.u

11.11.2014 mit Update vom 08.06.2015 – Schon wieder gibt es aus dem Dunstkreis der pseudo-spanischen Firma Oertlicher Telefonbuchverlag s.l.u. einen neuen Namen. Jetzt heißt es Media Verlag Online. Die mit der Doppel-Anruf-Masche aus Gran Canaria ergatterten Einträge sollen auf der Internetseite Firmen-Verzeichnis.info veröffentlicht werden.

Wohl aufgrund des neuen Namens hat man es tatsächlich wieder geschafft, ein Konto bei der Deutschen Bank zu bekommen.

Immer noch wird der Trick mit den zwei Anrufen aus San Agustin auf Gran Canaria/Spanien angewandt. Dabei erhalten unter einer Legende Gewerbetreibende und Freiberufler, selbst Kirchengemeinden, in Deutschland, Österreich und der Schweiz einen unangekündigten Anruf, also einen Cold-Call oder Spam-Anruf. Zwei Varianten des Anrufes gibt es: es ginge um die Verlängerung eines bislang kostenlosen Eintrages. Der sei nicht rechtzeitig gekündigt worden und koste jetzt Geld ist die eine, man sei von einem der offiziellen deutschen Telefonbücher und wolle über eine Verlängerung des bestehenden Eintrages reden, die andere. Wer sich dann mit einem kostenpflichtigen Eintrag oder dessen Verlängerung einverstanden erklärte, bekommt einen zweiten Anruf. Dieser wird aufgezeichnet. Dabei werden die Daten so abgefragt, dass die Antworten nicht mehr als „Ja“ lauten müssen. Der Inhalt des ersten Telefongesprächs mit seiner Lüge geht daraus nicht hervor.

Weiterhin wird die Höhe der Forderung gegen die Betroffenen in den Telefonaten nach Gefühl bestimmt. Wenn einer der Angerufenen zögert, wird versucht, ihn mit einem Nachlass zu ködern. In diesem November werden auch schon mal 17% Kundenrabatt eingeräumt. Dann verlangt der Media Verlag Online „nur“ 353,04 EUR von Betroffenen.

[Beispiel einer Rechnung der Media Verlag Online aus Gran Canaria]

Nochmal 5% Skonto kann man bei sofortiger Zahlung in Abzug bringen, heißt es auf der Rechnung.

Die Internetseite Firmen-Verzeichnis.info des Media Verlag Online entspricht dem, was man von Produkten der Abzocker-Szene üblicherweise erwartet. Nur wenige Firmennamen finden sich darin. Es kann auch nicht erkannt werden, dass sie überhaupt beworben wird. Zusammengefasst: keiner kennt dieses Verzeichnis, niemand braucht es. Domaininhaber ist Harald Dittus; wir hatten in einem Blog-Beitrag am 11.07.2014 berichtet, dass er nur eine Strohpuppe ist und seiner Herrin vor Ort, Tanja Ziesche, dient.


Gegenwehr ist möglich

Ist man einmal auf ein Geschäftsmodell dieser oder ähnlicher Art herein gefallen, kommen bald die nächsten Anrufe. Wieder mit gleicher Machart, allenfalls wird ein anderer Firmenname genannt – so etwas ist nun einmal kein Problem, wenn die Hintermänner solcher Firmen dieselben sind. Oder es wird erklärt, beim letzten Mal sei das Telefonat fehlerhaft aufgenommen worden. Bei der Wiederholung wird dann ein anderer Firmenname untergeschoben. Da sich diese ähneln, fällt das erst einmal nicht weiter auf.

Viel zu viele zahlen. In den Abzockerkreisen ist von bis zu 70% der Betroffenen die Rede. Manche machen das, weil sie ihre Ruhe haben wollen, andere, weil sie sich schämen herein gelegt worden zu sein. Doch bei richtiger Abwehrstrategie muss sich vor einer Forderung des Media Verlag Online aus Gran Canaria niemand fürchten. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.


Update vom 08.06.2015:

Die Media Verlag Online S.L.U. ist auch im Sommer 2015 immer noch aktiv. Wer Opfer deren Masche wurde und sich nicht - oder nichts ausreichend - wehrte, erhält wieder einmal Post. Inkassobüro Wolf lautet der Briefkopf. Im Betreff wird von einer "Letzten Zahlungsaufforderung vor Kontopfändung" fabuliert. Die Firma Media Verlag Online S.L.U. hätte sie beauftragt, heißt es weiter. 767,89 EUR will man mittlerweile haben. Gezahlt werden soll auf ein Konto bei der Deutschen Bank in Spanien. Doch die BIC klärt auf: das Konto wird tatsächlich von der Caixabank in Barcelona geführt. Eine richtige Adresse gibt das Inkassobüro Wolf nicht an. Nebulös ist von einem Büro 255 die Rede. Auf Frankfurt am Main weisen Telefonnummer und Faxnummer hin, die mit der Vorwahl 069 beginnen. Sie sind jedoch erfunden; „kein Anschluss unter dieser Nummer“ heißt es. Sowieso sollen die Adressaten dieses Schreibens mailen: „Bitte Schriftverkehr ausschließlich über E-Mail, damit Ihre Angelegenheit schnellst möglich bearbeitet werden kann.“

[Beispiel eines Forderungsschreibens des Inkassobüro Wolf in Sachen Media Verlag Online S.L.U.]

Ein Inkassobüro Wolf ist in Deutschland bis heute nicht für Rechtsdienstleistungen zugelassen.

Um an dieser Stelle eine häufig gestellte Frage zu beantworten: gegen keinen unserer Mandanten hat es die Kanaren-Connection bislang gewagt, gerichtlich vorzugehen, wenn wir rechtzeitig mit der Forderungsabwehr beauftragt wurden.



In mehreren Beiträgen informierten wir bislang über die Firma Oertlicher Telefonbuchverlag s.l.u., die anschließenden Namensabwandlungen und weitere Aktivitäten von Tanja Ziesche.

[Zum Blog-Beitrag vom 02.09.2013]
[Zum Blog-Beitrag vom 01.06.2014]
[Zum Blog-Beitrag vom 11.07.2014]
[Zum Blog-Beitrag vom 12.09.2014]
[Zum Blog-Beitrag vom 23.10.2014]
[Zum Blog-Beitrag vom 27.02.2015]
[Zum Blog-Beitrag vom 15.08.2015]
[Zum Blog-Beitrag vom 08.04.2016]
[Zum Blog-Beitrag vom 27.05.2016]


Noch eine Firma ist aus dem Dunstkreis dieser Kanaren-Connection aufgetaucht.

[Zum Blog-Beitrag vom 29.04.2015]


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