Medien Verlagsgesellschaft und Inkassobüro Wolf – die Betrugsmasche von den Kanaren hört nicht auf

29.04.2015 mit diversen Updates, zuletzt vom 14.08.2015 – Wieder einmal verschicken Betrüger von den Kanarischen Inseln aus Rechnungen. Diesmal unter der Bezeichnung Medien Verlagsgesellschaft. Als Anschrift wird angegeben: Einkaufszentrum Prisma Nr. 222-228, 35100 Fernando, das ist ein Ort auf der Insel Gran Canaria. 399,00 EUR will man von den Rechnungsempfängern haben. Für eine „Dienstleistung“. Weshalb? Wieso? Wer sind die Leute?

Später meldet sich ein Inkassobüro Wolf und gibt eine Telefonnummer aus Frankfurt am Main an. Die ist falsch. Und ein Inkassobüro Wolf gibt es in Deutschland auch nicht. Aber eine Spur führt zum Dunstkreis altbekannter deutscher Abzocker.

Rechnung für Dienstleistung Darstellung und Veröffentlichung Ihres Unternehmens heißt es in einem Schreiben, das Gewerbetreibende in Deutschland erhalten. 399 EUR sollen sie zahlen. Wenn das innerhalb von fünf Werktagen geschieht, gibt es 5% Skonto. Der Absender, Medien Verlagsgesellschaft, ist den Empfängern unbekannt. Wer, wie, wo etwas "darstellt" und "veröffentlicht", ebenso. Auf AGB’s wird in der Rechnung verwiesen. Die sollen auf einer Internetseite stehen. Doch auf welcher? Die Internetseite wird nicht genannt.

[Beispiel einer Rechnung der Medien Verlagsgesellschaft]


Inkassobüro Wolf - geheimnisvolle Adresse und eine falsche Telefonnummer

Später kommen Zahlungserinnerungen und Mahnungen. Schließlich ein weiteres Schreiben. Inkassobüro Wolf lautet der Briefkopf. Im Betreff ist von einem Online Firmeneintrag die Rede. Die Firma Medien Verlagsgesellschaft S.L.U. hätte sie beauftragt, heißt es. 667,87 EUR will man mittlerweile haben. Sonst „werden wir unserem Auftraggeber empfehlen, das gerichtliche Mahnverfahren gegen Sie einzuleiten.“ Gezahlt werden soll auf ein Konto bei der Deutschen Bank in Spanien. Eine richtige Adresse gibt das Inkassobüro nicht an. Nebulös ist von einem Büro 255 die Rede. Auf Frankfurt am Main weisen Telefonnummer und Faxnummer hin, die mit der Vorwahl 069 beginnen. Sie sind jedoch erfunden; „kein Anschluss unter dieser Nummer“ heißt es. Sowieso sollen die Adressaten dieses Schreibens mailen: „Bitte Schriftverkehr ausschließlich über E-Mail, damit Ihre Angelegenheit schnellst möglich bearbeitet werden kann.“

[Beispiel eines Forderungsschreibens des Inkassobüro Wolf]

In Deutschland ist ein Inkassobüro Wolf nicht zugelassen. Aber die von diesem angeblichen Inkassobüro angegebene E-Mailadresse Inkasso(at)AdressVerzeichnis.info deutet auf die seinerzeitige Firma Oertlicher Telefonbuchverlag s.l.u. hin, über die wir schon öfter berichteten. Deren deutsche Hinterleute traten zuletzt unter dem Namen Lokaler Telefonbuchverlag – Ihr Verlagspartner auf. Der Verlag war Betreiber der Seite Adressverzeichnis.info, deren Inhaber ein Harald Dittus ist. Auch über ihn hatten wir schon berichtet.


Schreiben, so relevant wie ein heulender Hund

Normaler Weise ist eine schnellstmögliche anwaltliche Reaktion der sicherste Weg um Forderungen der Abzockerszene abzuwehren. In diesem Fall ist es einfacher. Wenn Sie solche Schreiben erhalten, fordern Sie knapp und ohne Umschweife dazu auf, Ihnen das Bestehen eines Vertragsverhältnis nachzuweisen. Das dürfte es dann gewesen sein. Vielleicht werden Sie aber auch angerufen. Legen Sie dann kommentarlos auf, lassen Sie sich nicht in ein Gespräch verwickeln.

Post eines Inkassobüro Wolf können Sie ignorieren – die ist so relevant, als ob ein Hund den Mond anbellt. Nur wenn Sie Post von einem deutschen oder ausländischen Gericht erhalten sollten – was wir für recht unwahrscheinlich halten – muss reagiert werden; dann laufen Fristen, die man nicht versäumen darf.



Update vom 08.06.2015:

Das angebliche Inkassobüro Wolf ist in diesen Tagen auch für die Media Verlag Online S.L.U. aktiv. Man fordert auf, per SEPA auf ein Konto der Deutschen Bank zu zahlen. Und nennt dann aber die BIC der Caixabank aus Barcelona.

[Beispiel einer Mahnung des Inkassobüro Wolf für die Media Verlag Online S.L.U.]

An dieser Stelle: gegen keinen unserer Mandanten hat sich die Kanaren-Connection bis heute getraut, gerichtlich vorzugehen, nachdem wir mit einer Forderungsabwehr beauftragt wurden.



Update vom 14.08.2015:

Eine weitere Firma taucht, für welche das ominöse Inkassobüro Wolf aus Gran Canaria Geld verlangt. Marketing Verlag CMM ist der Name. "Forderung des Gläubigers: 299,00 Euro" heißt es in einer Zahlungsaufforderung. Und "Produkt: Firmendaten/Unternehmerdaten." Mehr ist über diese Firma nicht bekannt. Das Inkassobüro will allerdings 667,89 Euro haben. Die Differenz zu den 299 EUR sind diverse Gebühren. Näheres lässt sich aus deren Schreiben nicht entnehmen.

[Beispiel einer Zahlungsaufforderung eines Inkassobüro Wolf für Marketing Verlang CMM]



In mehreren Beiträgen informierten wir bislang über die Kanaren-Firma Oertlicher Telefonbuchverlag s.l.u., die anschließenden Namensabwandlungen und weitere Aktivitäten von Tanja Ziesche, deren Namen in dem Zusammenhang öfter auftauchte.

[Zum Blog-Beitrag vom 02.09.2013]
[Zum Blog-Beitrag vom 01.06.2014]
[Zum Blog-Beitrag vom 11.07.2014]
[Zum Blog-Beitrag vom 12.09.2014]
[Zum Blog-Beitrag vom 23.10.2014]
[Zum Blog-Beitrag vom 11.11.2014]
[Zum Blog-Beitrag vom 27.02.2015]
[Zum Blog-Beitrag vom 15.08.2015]


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