Abzocker mit Trickformular: der MMV Müller Medien Verlag mit oeffentliches-branchenbuch.de

30.03.2019 mit Update vom 17.03.2020 – Mit einer Anschrift in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden versucht eine Firma MMV Müller Medien Verlag Inh. Thomas Müller mittels eines Trickformulars an Aufträge von Gewerbetreibenden und Freiberuflern zu gelangen. Und natürlich an deren Geld. Für einen vermeintlich solcherart zustande gekommenen „Businesseintrag“ in dem Internet-Verzeichnis oeffentliches-branchenbuch.de.

Es ist eine Abzock-Masche, welcher an sich bereits vor Jahren das höchste deutsche Gericht für Zivilsachen, der Bundesgerichtshof, einen Riegel vorgeschoben hatte.


Trickformular aus Wiesbaden

Gewerbetreibende und Freiberufler im deutschsprachigen Raum werden von der Firma MMV Müller Medien Verlag mit einem offiziell wirkenden Formular belästigt. "Branchenbuch 2019/2020" heißt es im Briefkopf, darunter steht der Name des Bundeslandes. Firmenbezeichnung und Anschrift sind bereits voreingetragen.

“Bitte Ihre Firmendaten überprüfen und ggf. korrigieren bzw. ergänzen“,

heißt es im Fettdruck. Ein Barcode rundet das Bild ab. Doch er ist ein Fake und auf den Formularen identisch.

Das Formular ist so angelegt, dass man in der üblichen Geschäftsroutine davon ausgehen soll, es handele sich um die Überprüfung bereits eingetragener Daten in einem amtlichen Register; man müsse lediglich noch die Daten korrigieren oder ergänzen und das Formular zurück schicken. Per Fax, an eine Nummer mit Wiesbadener Vorwahl.

Korrigiert und ergänzt man aber die Angaben, kommt ein Vertrag über einen „Business-Eintrag“ auf der Seite oeffentliches-branchenbuch.de zustande. So jedenfalls steht es im Kleingedruckten auf dem Trickformular des MMV. Und dafür wird heftig zur Kasse gebeten. 49 EUR netto im Monat. 24 Monate lang.

[Beispiel eines Eintragungsformulars des MMV Müller Medien Verlag Inhaber Thomas Müller]

Ein alter Hut; mit einer solchen Formulargestaltung versuchen es seit Jahr und Tag Firmen mit dem Geschäftsmodell der Branchenbuchabzocke.


Böse Überraschung in Form einer Rechnung

Einige Zeit nach ihrer Unterschrift auf dem Formular erhalten die Betroffenen eine Rechnung von der Firma MMV Müller Medien Verlag Inhaber Thomas Müller. Für 12 Monate sollen 699,72 EUR brutto gezahlt werden. Innerhalb von zehn Tagen, ein Konto bei der Commerzbank AG, Frankfurt am Main, wird angegeben.


Oeffentliches-branchenbuch.de – so, wie man es man erwarten kann

Die Internetseite oeffentliches-branchenbuch.de entspricht in jeder Beziehung dem, was man von solchen Firmen erwarten kann: nichts. Versuchen Sie darauf selber einmal eine Branchenbuchrecherche.

Dass sie beworben wird, können wir nicht erkennen. Man kennt sie deshalb nicht und sucht sie deshalb nicht auf ihr. Für einen Firmeneintrag dort etwas zu bezahlen, sehen wir als herausgeschmissenes Geld an.

Auch ein zweiter Internetauftritt des MMV Müller Medien Verlag lässt sich finden: mmv-wiesbaden.de. Überschrift: “Finden Sie Firmen in Ihrer Umgebung.“


Wirklich Wiesbaden?

Im Handelsregister hat sich Thomas Müller mit seiner Firma nicht eintragen lassen. Darauf, dass man ihn leibhaftig unter der Anschrift Mainzer Straße 75 in 65189 Wiesbaden oder sonst jemanden vom MMV Müller Medien Verlag antrifft, würden wir keine große Wette eingehen. Wie so häufig bei Unternehmungen dieser speziellen Geschäftswelt trifft man unter dieser Adresse ein „Business Center“ an. Zu deren Geschäft gehört das Anbieten von „Virtual Offices“, der Volksmund würde Deckadresse dazu sagen. Ab 79,00 EUR im Monat, mit Firmenschild im Eingangsbereich, heißt es in dessen Internetauftritt:

“Mieten Sie ein solches virtuelles Büro, erhalten Sie eine repräsentative Geschäftsadresse in der Mainzer Straße 75 , in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes. Ihr Firmenschild wird im Eingangsbereich angebracht, wir nehmen Ihre Post an und leiten sie weiter – das gleiche gilt auf Wunsch für Ihre Anrufe […]

Eine repräsentative Geschäftsadresse in zentraler Lage und Unterstützung bei verschiedenen administrativen Tätigkeiten – das alles bietet ein Virtual Office in Wiesbaden. So bleiben Sie außerdem flexibel und unabhängig.“


Weitere Rechnungen

Viel zu häufig werden solche Rechnungen bezahlt und damit ein solches Geschäftsmodell am Leben erhalten. Weil der Schmu nicht rechtzeitig auffiel. Oder man seine Ruhe haben wollte. Die böse Überraschung kommt im Folgejahr. In Form der nächsten Rechnung für einen Eintrag unter oeffentliches-branchenbuch.de. Nach dem kleingedruckten auf dem Trickformular des MMV Müller Medien Verlag soll der Eintragungsvertrag über zwei Jahre laufen. Dann sind es schon 1.399,44 EUR brutto, die das insgesamt kostet.

Manchmal noch mehr. Denn in den AGB-Allgemeinen Geschäftsbedingungen des MMV findet sich noch folgende Klausel:

“Laufzeit und Beendigung des Vertrags
[…] Soweit keine feste Laufzeit vereinbart ist, kann der Vertrag mit einer Frist von 12 Wochen zum Ende der vereinbarten anfänglichen Laufzeit schriftlich gekündigt werden; geschieht dies nicht, verlängert sich der Vertrag jeweils um ein weiteres Jahr, wenn er nicht mit einer Frist von 12 Wochen zum Ende der laufenden Vertragsperiode schriftlich gekündigt wird.“


Eine Forderungsabwehr ist möglich

So ergatterte Aufträge sind angreifbar. Bereits im Jahr 2012 hatte das höchste deutsche Zivilgericht über die Masche mit solchen Trickformularen entschieden. Wir hatten in unserem Blog darüber berichtet. Unsere damalige Überschrift „Bundesgerichtshof verdirbt Branchenbuch-Gaunern die Urlaubslaune“ fasst den Inhalt des Urteils kurz und knapp zusammen.

[Zum Blog-Beitrag vom 26.07.2012]
[Zum Blog-Beitrag vom 25.08.2012]

Wenn in irriger Annahme das Trick-Formular des MMV Müller Medien Verlag unterschrieben und zurückgeschickt wurde, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche und entschlossene Reaktion der sicherste Weg, um unberechtigte Forderungen über einen Businesseintrag auf der Seite oeffentliches-branchenbuch.de abzuwehren.

Gerne können Sie uns dazu ansprechen. Am besten schicken Sie uns – unverbindlich – Ihre Unterlagen. Wir melden uns dann.



Update vom 17.03.2020:

Wer sich bislang nicht gewehrt oder schon gezahlt hatte, in der Hoffnung, dass dann Ruhe einkehrt, bekommt in diesen Tagen die nächste Rechnung. für das zweite Vertragsjahr mit dem MMV Müller Medien Verlag. Später meldet sich ein Inkassounternehmen: die FHG Inkasso GmbH aus 55585 Duchroth und verlangt Geld. Die bisherige Rechnung steigt dann von 699 EUR auf 850 EUR. Wer regelmäßig unseren Blog liest, wird dem Namen FHG Inkasso bereits im Zusammenhang mit anderen einschlägigen Werbefirmen begegnet sein.

Wenn man Schreiben eines Inkassounternehmens wie der FHG Inkasso erhält, wird man schnell tätig werden müssen. Es können sonst Nachteile bei Schufa, Creditreform & Co. drohen.





Mehr Informationen zum Adressbuchschwindel mit Trickformularen:
[Adressbuchschwindel mit Trickformularen]





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