Branchenbuchschwindel mit Trickformular: die RSG Registrierungsstelle für Gewerbetreibende GmbH

15.01.2020 mit Update vom 21.07.2012 - Die nächste Firma ist aufgetaucht, die sich des Branchenbuchschwindels mit Trickformularen bedient.

Unter der Anschrift Reller 6, 21079 Hamburg versucht jetzt eine Firma namens RSG Registrierungsstelle für Gewerbetreibende GmbH mit ihrer Geschäftsführerin Natalie Beckmann, an das Geld von Gewerbetreibenden und Freiberuflern zu gelangen.

Für einen Eintrag in dem Internet-Branchenverzeichnis registrierungsstelle.online.

Offensichtlich unbeeindruckt davon, dass diese Abzock-Masche bereits vor Jahren vom Bundesgerichtshof gestoppt wurde.


Trickformular aus Hamburg

Gewerbetreibende und Freiberufler im deutschsprachigen Raum werden von der RSG Registrierungsstelle für Gewerbetreibende GmbH mit einem offiziell wirkenden Formular belästigt. Die Firmendaten sind bereits eingetragen. Auch ein Barcode findet sich, der allerdings ein Fake ist. Es wird aufgefordert, fehlerhafte oder falsche Daten zu ergänzen oder zu korrigieren und das Formular zu unterschreiben und umgehend zurück zu senden.

Das Formular ist so angelegt, dass man in der üblichen Geschäftsroutine davon ausgehen soll, es handele sich um die Überprüfung bereits eingetragener Daten in einem amtlichen Register;

Die Falle ist im Kleingedruckten versteckt. Korrigiert und ergänzt man die Angaben, kommt nach der Erwartung der RSG Registrierungsstelle für Gewerbetreibende GmbH ein Vertrag über einen Eintrag auf der Internetseite registrierungsstelle.online. Für den die Betroffenen heftig zur Kasse gebeten werden. Knapp 590 EUR brutto für ein Jahr. Zu zahlen auf ein Konto bei der Fidor Bank. Anders als bei vielen anderen Firmen aus dieser speziellen Geschäftswelt läuft der Vertrag aber dann aus, ohne dass sich klammheimlich in den AGB – Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Verlängerungsklausel findet.

Die Form und Gestaltung des Eintragungsformulars der RSG Registrierungsstelle für Gewerbetreibende GmbH entspricht im Wesentlichen dem, was man von anderen Firmen kennt, die mit dieser Masche arbeiten. Das Ganze ist ein alter Hut; mit solchen Formulargestaltung versuchen sich seit Jahr und Tag Firmen mit dem Geschäftsmodell des Branchenbuchabzocke.

[Adressbuchschwindel mit Trickformularen]

In den Rechnungen der RSG Registrierungsstelle für Gewerbetreibende GmbH wird eine Zahlung auf ein Konto bei der Commerzbank AG verlangt.

Wer nicht zahlt, wird mit Erinnerungen, Mahnungen und der Drohung mit Gerichten und Inkassobüros belästigt. Es sei alles rechtens, heißt es. Man hätte eben sorgfältiger lesen müssen.


Strohpüppchen?

Die RSG Registrierungsstelle für Gewerbetreibende GmbH wurde am 10.09.2020 in das Handelsregister des Amtsgericht Hamburg (HRB 164476) eingetragen. Als Stammkapital sind 25.000 EUR verzeichnet. Als Geschäftsgegenstand vermerkt das Handelsregister:

Gegenstand des Unternehmens ist die Erfassung von Gewerbedaten, der Betrieb einer Datenbank als Register zur Veröffentlichung von Gewerbedaten (Print und Online), Marketing, das Programmieren von Software, Erstellen von Webseiten, Web- Applikationen, Hosting von Webinhalten sowie das Erbringen von weiteren, mit den vorgenannten Tätigkeiten in Verbindung stehenden Dienstleistungen.“

Bei der von der RSG angegebenen Firmenanschrift handelt es sich um ein Mehrparteien-Wohnhaus in einer Nebenstraße im Hamburger Vorort Rönneburg, kurz vor der Stadtgrenze.

Ob die 1981 geborene Natalie Beckmann die wirkliche Entscheiderin ist, wissen wir nicht. In dieser speziellen Werber-Szene schieben Hinterleute öfter auch Strohpüppchen vor. Im Zusammenhang mit dieser speziellen Geschäftswelt war sie jedenfalls noch nicht aufgefallen.


Registrierungsportal ohne Wert

Die Seite registrierungsstelle.online lässt sich problemlos als Karikatur eines Branchenportals bewerten. Es gibt nämlich so gut wie keine Einträge. Dafür finden sich Plattitüden. Solche zum Beispiel:

“Die regionale Wirtschaftskraft, die Branchenstrukturen und die damit einhergehende Sicherung von Arbeitsplätzen werden von kleinen und mittleren Unternehmen erbracht, wie zum Beispiel von kleinen Handwerksbetrieben, traditionsreichen Familienunternehmen, Selbstständigen sowie den gesamten mittelständischen Unternehmen.“

Auch können wir nicht erkennen, dass die Seite nachhaltig beworben wird. Man kennt sie deshalb nicht. Dafür auch nur einen Euro zu zahlen, kommt einer Geldverbrennung nahe.


Forderungsabwehr ist möglich

Viel zu häufig werden solche Rechnungen bezahlt und damit ein solches Geschäftsmodell am Leben erhalten. Weil der Schmu nicht rechtzeitig auffiel. Man sich schämt, herein gelegt worden zu sein. Doch so ergatterte Aufträge sind angreifbar. Bereits im Jahr 2012 hatte das höchste deutsche Zivilgericht über die Masche mit solchen Trickformularen entschieden. Wir hatten darüber berichtet. Unsere damalige Überschrift „Bundesgerichtshof verdirbt Branchenbuch-Gaunern die Urlaubslaune“ fasst den Inhalt des Urteils kurz und knapp zusammen.

[Zum Blog-Beitrag vom 26.07.2012]
[Zum Blog-Beitrag vom 25.08.2012]

Weitere Gerichte haben sich dem in den Folgejahren angeschlossen.

Wenn in irriger Annahme das Trick-Formular der RSG Registrierungsstelle für Gewerbetreibende unterschrieben und zurückgeschickt wurde, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche und entschlossene Reaktion der sicherste Weg, um unberechtigte Forderungen über einen Eintrag auf der Seite ihrgewerbeportal.de de abzuwehren.

Gerne können Sie uns dazu ansprechen. Am besten schicken Sie uns – unverbindlich – Ihre Unterlagen. Wir melden uns dann.



Update vom 21.07.2021:
Mit Inkassounternehmen

Die, die sich nicht oder nicht richtig gegen die Forderung der RSG Registrierungsstelle für Gewerbetreibende GmbH gewehrt haben, erhalten Post von einem Geldeintreiber. Dem Inkassounternehmen Pajisto Forderungsmanagement GmbH aus Köln. Man soll zahlen, heißt es, zuzüglich Zinsen und auch die Pajisto Forderungsmanagement will für sich 134,40 EUR haben.

Wer Schreiben eines in Deutschland zugelassenen Inkassobüros wie der Pajisto Forderungsmanagement erhält, wird zügig tätig werden müssen. Es drohen sonst Nachteile bei Schufa & Co.

[Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros?]







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