Die DELU Werbeberatungsgesellschaft mbH aus Bad Waldsee: unklare Verträge

01.12.2018 - Im Anzeigengeschäft der Art, über die wir in unserem Blog berichten, sind auch zwei Firmen aus der baden-württembergischen Kleinstadt 88339 Bad Waldsee tätig. Eine I&W Info & Werbeverlags GmbH , über die wir früher schon berichtet hatten.

[Zum Blog-Beitrag vom 01.08.2016 - Kein Geld: I&W Info & Werbeverlags GmbH aus Bad Waldsee verliert Prozess – und muss auch noch zurück zahlen]

Und unter derselben Anschrift auch eine DELU Werbeberatungsgesellschaft mbH. So ist sie im Handelsregister verzeichnet. In ihrer Geschäftskorrespondenz schreibt sie sich teilweise aber auch anders: DELU Werbeberatung GmbH. Oder DELU-WERBEBERATUNGS-GMBH.

Die I&W Info & Werbeverlags GmbH und die DELU haben denselben Geschäftsführer: Ludwig Sieber, Jahrgang 1962. Und ein vergleichbares Geschäftsmodell.


Ein Vertreter kommt

Sie akquiriert mittels Außendienstlern bei Gewerbetreibenden und Freiberuflern Anzeigenaufträge. Unter anderem für Plakate und Werbetafeln.

Einige Zeit später kommt die Rechnung der DELU Werbeberatungsgesellschaft. 643,79 Euro sollen dann beispielsweise für eine 70 * 100 mm kleine Anzeige auf einem Plakat gezahlt werden, Auflage 200 Stück. Entweder auf ein Konto bei der Postbank. Oder der Leutkircher Bank e.G.

Mit der Art und Weise, wie es zum Vertragsabschluss kommt, soll sich dieser Blog-Beitrag nicht näher befassen. Sondern mit dem, was die Betroffenen unterschreiben.


Kein wirksamer Vertrag

Denn so, wie es die DELU Werbeberatungsgesellschaft mbH versucht, kommen nach unserer Rechtsauffassung keine wirksamen Verträge zustande. Weil, um es im Juristenlatein zu sagen, es an den essentialia negotii mangelt – der Einigung über die wesentlichen Vertragsbestandteile.

Dazu muss man sich nur das Auftragsformular näher anschauen. Um was für ein Plakat es sich handelt, lässt sich ihm nicht entnehmen. “Arbeitskreis Selbstschutz“ heißt es rechts oben in einem uns vorliegenden Anzeigenvertrag. Und "Was tun im Katastrophenfall?“ Unter “Anzeigenvertrag“ wird es jedoch nebulös. Von “verschiedenen Themen“ ist die Rede:

“Von der Plakatstückzahl kommen jeweils vier Plakate mit verschiedenen Themen auf einem Kartonträger einmal im Jahr an Behörden – Betriebe – Einzelhandel und Inserenten als Plakatset zur Auslieferung.“

Doch nach welchen Kriterien werden die Empfänger ausgewählt. Das Auftragsformular schweigt dazu. Nur soviel lässt sich entnehmen:

“Hierbei ist ausdrücklich vereinbart: Die Auswahl der Auslieferungsstellen für die vertraglich vereinbarte Ausgabe obliegt dem Verlag. Eine Vorabinformation der Auslieferungsstellen wird nicht vorgenommen.“

Nicht einmal ein Veröffentlichungszeitpunkt wird genannt. Kryptisch heißt es:

„Der Anzeigendruck erfolgt mit dem Druck des Zweijahreskalendariums, der Zweijahresferientermine und wichtigen Telefonnummern auf dem Kartonträger.“

Man hätte es auch klarer formulieren können: dann, wenn man gerade dazu Lust und Laune hat.


Plakataushang nicht geschuldet

Damit, ob die Plakate überhaupt irgendwo ausgehängt werden, will die DELU Werbeberatungsgesellschaft mbH nichts zu tun haben:

„Ein Aushang des Plakatsets ist vom Verlag nicht geschuldet.“

Mit anderen Worten: wenn die Plakate der Auslieferungsstelle nicht gefallen und sie deshalb weggeworfen werden, ist es aus mit der teuren Werbung.

[Muster eines Anzeigenvertrag der DELU Werbeberatungsgesellschaft mbH – Auszug]

Um was es sich bei dem „Arbeitskreis Selbstschutz“ handelt, ließ sich nicht in Erfahrung bringen. Als wir heute bei Google danach suchten, fanden wir: nichts.


Ungewöhnliche Sprache für Geschäftskorrespondenz

Anders bei der DELU Werbeberatungsgesellschaft mbH. Die mit einem Stammkapital von 27.000 Euro ausgestattete Firma ist im Handelsregister des Amtsgericht Ulm (HRB 600076) eingetragen.

Wer selber versucht, sich gegen ihre Forderungen zu wehren, darf nicht allzu zart besaitet sein. Man erhält schon mal ungewöhnliche Post von der DELU Werbeberatungsgesellschaft mbH. In krachlederner Sprache. Wenn man dann nicht rechtzeitig einen Anwalt beauftragt, wird mitunter ein gerichtlicher Mahnbescheid beantragt.


Forderungen lassen sich abwehren

Viel zu viele der Betroffenen zahlen an solche Firmen. Häufig, um ihre Ruhe zu haben. Und tragen so dazu bei, dass diese Art von Geschäft kein Ende findet. Es kann dann auch die nächste Rechnung drohen, lässt der Vertrag erkennen:

“Der Anzeigenvertrag läuft zunächst für ein Jahr. Er verlängert sich für ein Jahr, wenn vom Besteller nicht spätestens vier Wochen vor Ende des Vertragsablaufes schriftlich gekündigt wird.“

Doch solche Verträge sind angreifbar. Wenn man eine Rechnung für einen angeblich auf diese Weise mit der DELU Werbeberatungsgesellschaft mbH zustande gekommenen Auftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich dagegen wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Mailen sie uns – unverbindlich – die Unterlagen; wir melden uns dann.


Neu ist er nicht:
[Seit über 100 Jahren: Inseratenschwindel, damals so wie heute]


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