Die Masche der Gewerbeanzeiger Ltd aus Irland – die Spur führt nach Hessen

07.03.2019 – Die Doppelanrufmasche scheint nicht tot zu kriegen sein. Waren die Firmen bislang hauptsächlich in Deutschland und Spanien anzutreffen, so ist jetzt Irland dazugekommen.

Aus der irischen Hauptstadt Dublin tritt seit kurzem eine Gewerbeanzeiger Ltd auf. Mit Anrufen wird versucht, an ein „ja“ von Gewerbetreibenden und Freiberuflern für einen Vertrag über eine Eintragung auf der Seite gewerbeanzeiger.com zu gelangen.

Doch schaut man genauer hin, stellt man fest, dass die Gewerbeanzeiger Ltd. mit Irland nicht viel zu tun hat. Ihr Director nannte dem irischen Handelsregister eine Adresse in der hessischen Stadt 65510 Idstein.


Ein Trickanruf kommt

Das Geschäftsmodell mit der Doppelanruf-Masche, wird uns so oder so ähnlich berichtet:

Ein Cold-Call, also ein Spam-Anruf kommt in Deutschland bei einem Gewerbetreibenden oder Freiberufler an. Der Anrufer sitzt in einem Call-Center, manchmal auch Ein-Mann-Büro. Mit resolutem Auftreten: es ginge um den Branchenbucheintrag der angerufenen Firma in .…. – dann folgt ein Name. Der wäre bislang kostenlos gewesen und weil er nicht gekündigt wurde, müsste jetzt gezahlt werden; man wolle die Daten abgleichen. Oder es wird auf eine Art Premium-Eintrag verwiesen – jetzt koste der Geld. Den Einwand, derartiges sei nicht bekannt, kennt der Anrufer zur Genüge schon aus voran gegangenen Telefonaten bei anderen Firmen; schließlich gab es zuvor noch nie eine Geschäftsbeziehung. Bestimmt und deutlich wird entgegnet, das sei aber so registriert und man hätte nur die Möglichkeit, jetzt für einen mehr oder minder langen Zeitraum mit entsprechend mehr oder weniger Kosten zu zahlen. Dass tatsächlich vorher keine Geschäftsverbindung bestand, wird für die Angerufenen nicht sofort deutlich. Sie glauben schließlich, in der Hektik des Geschäftsalltags etwas übersehen zu haben und jetzt noch am besten davon zu kommen, wenn sie die vermeintlich günstigste Möglichkeit wählen. Manchmal wird mit einem Rabatt nachgeholfen. Nur jetzt, hier und heute, wird suggeriert.

In einem zweiten Telefonat lassen sich die Firmen dann den Vertragsschluss bestätigen. Dieses Telefonat wird aufgezeichnet. Als Begründung wird „die gute Ordnung“ genannt. Die Daten werden so abgefragt, dass die Antworten stets „ja“ lauten.


Kaum Gegenleistung

Wenn die erste Rechnung kommt, bemerken die Betroffenen meist den Schmu.

Für einen "Gold-Eintrag" mit einer Laufzeit von einem Jahr berechnet die Gewerbeanzeiger Ltd. 395 EUR netto, 495 EUR netto kostet der Zwei-Jahres-Eintrag mit dem Namen „Platin-Eintrag“. Zu zahlen innerhalb von sieben Tagen ab Rechnungserhalt. Später wird mit diversen Zahlungserinnerungen, Mahnungen und der Drohung mit einem Inkassobüro ein Druckszenario aufgebaut.

[Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros?]

Die Gegenleistung, ein Eintrag auf der Seite gewerbeanzeiger.com, ist mehr als dürftig. Mit einer Gewerbeübersicht hat diese in billigster Aufmachung erscheinende Seite nichts zu tun. Kaum Firmen fanden wir heute darin. Bei über einer Million Gewerbebetrieben und Freiberuflern in Deutschland ist die Seite damit für eine Gewerbesuche so nützlich wie ein Stadtplan, in dem nur Nullkommanulletwas aller Straßen verzeichnet sind.

Wir können auch nicht erkennen, dass die Seite überhaupt beworben wird. Also kennt sie niemand. Auch wenn es in deren Internetauftritt heißt:

“Der Gewerbeanzeiger macht sie auffindbar!“

Ein kostenpflichtiger Eintrag bei gewerbeanzeiger.com dürfte problemlos als heraus geschmissenes Geld zu bezeichnen sein.


Wegwerf-Firma

Die Gewerbeanzeiger Ltd. ist seit dem 15.08.2018 als Neugründung registriert. Mit der Rechtsform einer LTD – Private Company limited by shares und einem Stammkapital von 100 Euro gehört sie zu den Wegwerf-Firmen. Solchen, derer man sich schnell entledigen kann, wenn es bedrohlich wird – ohne dass dann ein großer Kapitalverlust schmerzt. Vor Ort dürfte man von dieser Firma kaum jemanden antreffen. Unter der Adresse sind noch 57 weitere Firmen registriert.

Als Director, vergleichbar dem deutschen Geschäftsführer, ist der 1989 geborene Alexander Ott registriert. Bei der Anmeldung der Gewerbeanzeiger Ltd. gab er eine Wohnanschrift in der nördlich der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden gelegenen Kleinstadt Idstein an. Der Name Alexander Ott war uns bislang im Zusammenhang mit „der Szene“ noch nicht aufgefallen. Wir wissen nicht, ob er tatsächlich etwas zu sagen hat oder nur eine Strohpuppe ist.

Als Secretary wird Daniel Allesandro Liersch, Jahrgang 1986, genannt. Er gab eine Adresse in Maspalomas, auf der spanischen Kanareninsel Gran Canaria an.

Auf den steuerbegünstigten Kanarischen Inseln tummeln sich seit Jahren eine Vielzahl von Firmen, die sich dem Geschäftsmodell der Doppel-Anruf-Masche verschrieben haben.


Solche Forderung lässt sich abwehren

Das Geschäftsmodell der Doppel-Anruf-Masche hält sich seit vielen Jahren. Viel zu viele zahlen nämlich, selbst nachdem sie merken, um was es wirklich geht. Um ihre Ruhe zu haben. Und halten so dieses ganz spezielle Business am Laufen.

Forderungen der Gewerbeanzeiger Ltd. aus so zustande gekommenen Verträgen lassen sich abwehren. Je früher desto besser. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns erst einmal – unverbindlich – Ihre Unterlagen. Wir melden uns dann.




Siehe auch:

[Der Trick mit der Doppel-Anruf-Masche]
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]





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