Gerichtsvollzieher vollstreckt im Auftrag der NOVAG LTD

07.02.2019 – Es ist schon einige Jahre her, seit wir in unserem Blog über die Firma NOVAG LTD berichtet hatten. Angeblich sitzt sie in London, später tauchten dann auch eine Berliner Anschrift auf und eine im französischen Forbach. Auch als NOVAG Medienagentur trat sie zeitweilig auf.

Die NOVAG LTD verschickt hohe Rechnungen an Gewerbetreibende und Freiberufler für einen Branchenverzeichnis Eintrag in einer Publikation „Bürgerinfo“. Sie habe den Vertrag, so formuliert sie, von einer anderen Firma, aus der Türkei, übernommen. Die wiederum, mit einer Betrugs-Methode, der sogenannten „Kölner Masche“, an die Unterschriften der Betroffenen unter einem Auftragsformular gelangt war.

In unserem Blog konnte man lesen:

“So zustande gekommene Verträge sind allerdings angreifbar – nicht nur wegen der Art und Weise, wie sie zustande kommen, sondern auch schon wegen der mangelnder Bestimmtheit der von BVI Media und NOVAG LTD geschuldeten Leistung.

Wenn man eine Rechnung auf dem Briefpapier einer NOVAG für einen angeblich auf diese Weise an die BVI Media erteilten Auftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich gegen derartige Methoden wehren zu können.“

[Zum Blog-Beitrag vom 16.01.2015 mit diversen Updates: Mit deutschen Hinterleuten – die Masche von BVI Media und NOVAG Medienagentur LTD]

Jetzt wurde uns von Betroffenen mitgeteilt, dass ein Gerichtsvollzieher sich bei ihnen angemeldet habe. Zwecks Zwangsvollstreckung im Auftrag der NOVAG LTD. Wir stellten fest: alles ist rechtens. Helfen können wir nicht mehr.

Denn die Betroffenen hatten etwas gemacht, was regelmäßig daneben geht: Nichts!


Über die Masche schrieben wir:

“Gewerbetreibende, Freiberufler und Vereine, die in der Vergangenheit in einer von Dritten herausgegeben Publikation, beispielsweise der Kommune, regelmäßig inseriert hatten, erhalten einen Anruf. Der Anrufer bezieht sich in akzentfreiem Deutsch auf diese Broschüre und erklärt, es müsse ganz schnell noch ein Formular unterschrieben werden, damit das Inserat auch in der nächsten Ausgabe veröffentlich werden kann. Man werde das Formular gleich per Fax übersenden. Kurz darauf kommt ein Fax; dass die Faxkennung fehlt, bemerkt in der Regel keiner. Tatsächlich findet sich darin die bisherige Anzeige. Darüber steht „Änderungswünsche bitte auf der Vorlage vermerken/ verbindliche Textvorlage“.

Die so Angesprochenen gehen davon aus, dass alles seine Richtigkeit habe - schließlich hat man gerade darüber gesprochen. Die Anzeige kommt bekannt vor, also unterschreibt man und schickt das Fax an die angegebene 0800-Nummer zurück.

Später kommt die Rechnung […] Jetzt beginnen die Empfänger zu stutzen. Zwar wird auf der Rechnung eine Berliner Korrespondenzadresse angegeben. Doch als Absender ist eine NOVAG LTD aus London genannt […]

Verlangt wird das Geld für ein „Bürger-Info“. Was auch immer sich dahinter verbirgt – ein Belegexemplar ist der Rechnung nicht beigefügt. Dieses Bürger-Info soll nach dem Kleingedruckten auf dem Formular der BVI Media an Postfachinhaber verteilt werden. Zum Beispiel im Postleitzahlgebiet 1**** - das von der Insel Rügen bis ins südliche Brandenburg reicht; fast 300 km sind das. Zu einer Auflagenzahl findet sich nichts im Formular. Es wäre also ausreichend, ein bedrucktes Blatt Papier mit der Anzeige eines Berliner Friseursalons an je einen Postfachinhaber in Rostock und in den Spreewald zu schicken. Ein Werbeeffekt ist damit nicht gegeben.

Wer glaubt, nach Zahlung der Rechnung der NOVAG LTD alias NOVAG Werbeagentur seine Ruhe zu haben, wird bitter enttäuscht werden. Danach kommt die nächste Rechnung […]“


Auf Inkassobüro nicht reagiert: Bonitätsverschlechterung

Wer nicht – oder nicht richtig – reagiert, sieht sich bald einer wahren Flut an Schreiben ausgesetzt. Zahlungserinnerungen und Mahnungen folgen, schließlich letzte und allerletzte Zahlungsaufforderungen. Auch ein in Deutschland zugelassenes Inkassounternehmen meldet sich. Noch immer reagierten etliche Betroffene dann nicht. Und wundern sich vermutlich spätestens beim nächsten Auto-Leasing darüber, dass sich ihre Bonität bei Schufa & Co. verschlechtert hatte.


Vollstreckungsbescheid kann rechtskräftig werden

Aber auch auf einen Mahnbescheid vom Gericht wird schon mal nicht reagiert. Und nicht auf den dann bald folgenden Vollstreckungsbescheid. Wenn schließlich der Brief vom Gerichtsvollzieher kommt, ist es zu spät. Der Vollstreckungsbescheid ist rechtskräftig geworden. Mit dem Vollstreckungsbescheid in der Hand kann die NOVAG LTD. die Zwangsvollstreckung betreiben. Man muss zahlen. Nicht nur die ursprüngliche Forderung, sondern auch noch etliche Gebühren, Zinsen und Kosten.

Die Antworten auf unsere Frage, wie es dazu kommen konnte, ähneln sich. Man solle nichts unternehmen, habe man irgendwo gehört. Dann passiere auch nichts. Oder: solange keine Gerichtsverhandlung stattgefunden habe, dürfe der Gerichtsvollzieher nicht tätig werden. Man könne deshalb gegen einen Vollstreckungsbescheid immer noch mit einer „Vollstreckungsabwehr“ vorgehen. Das alles sind Ammenmärchen. Oder für die Generation Start-up: urban legends.

Wenn man nicht reagiert, können auch Forderungen rechtskräftig werden, die an sich nicht bestehen.


So wird „die Szene“ am Leben gehalten

Misslich ist so etwas nicht nur für die Betroffenen, die jetzt eine unberechtigte Forderung mit vielerlei Nebenkosten zu zahlen haben. Misslich ist auch, wenn das spezielle Business-Modell solcher Firmen, nicht nur der NOVAG LTD., auf diese Weise am Leben gehalten wird. Und schließlich tauchen die gerichtlichen Aktenzeichen in späteren Schreiben an andere Betroffene regelmäßig wieder auf und sollen sie erschrecken. Als Beleg dafür, dass doch die Forderung rechtens sei und Gerichte dass auch so sehen würden.



[Mehr zum Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]


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