Hansa Verlag - teure Unterschriften, wenig Gegenleistung

30.12.2021 mit Update vom 23.02.2022 - Das ganz spezielle Geschäft mit der „Kölner Masche“ hat auch mit Abschluss dieses Jahres nicht aufgehört.

Diesmal berichten wir über den Hansa Verlag, der mit Hagener Faxvorwahl und türkischer Anschrift von Freiberuflern und Gewerbetreibenden eine Unterschrift unter einem Formular haben will. Eine Unterschrift von der teuren Sorte. Mit wenig Gegenleistung dafür.


Ein falscher Telefonanruf

Man segelt unter falscher Flagge. Deren Geschäftsmodell wird Kölner Masche genannt, seit vor 20 Jahren zum ersten Mal in Köln gegen solcherart Betrug ermittelt wurde. Gewerbetreibende, Freiberufler und Vereine, die in der Vergangenheit regelmäßig in einer von Dritten herausgegebenen Broschüre, zum Beispiel der Gemeindeverwaltung, inseriert hatten, erhalten einen Anruf. Man bezieht sich auf diese Broschüre und erklärte, es müsse ein Formular unterschrieben werden – sonst könne das Inserat nicht in der nächsten Ausgabe veröffentlicht werden.

Das Formular kommt kurz darauf per Fax oder E-Mail. Links oben mit Hansa Verlag betitelt. Tatsächlich findet sich in dem beigefügten Formular auch die bisher verwendete Anzeige der so Angesprochenen. Ebenso die sinngemäße Bezeichnung der bisherigen Publikation: „Bürgerinfo“ beispielsweise.

Die so Angesprochenen gehen davon aus, dass alles seine Richtigkeit habe. Schließlich hat man gerade telefoniert. Sie unterschreiben – und schicken es an die angegebene Fax-Nummer oder die E-Mail-Adresse zurück. Die Fax-Nummer hat eine 02331-Vorwahl, Hagen und Umgebung. Mehr als kleingedruckt steht hingegen auf dem Formular eine – angebliche, muss man wohl sagen – Postanschrift. In der türkischen schwarzmeer-Stadt Samsun.

Erst wenn die Rechnung kommt, fällt der den meisten der Schmu auf: ein Hansa Verlag hat mit der bisherigen Anzeigenveröffentlichung rein gar nichts zu tun.


Unbekannte Hinterleute

Wer hinter dem Hansa Verlag steckt, lässt sich derzeit nicht sagen. Im türkischen Handelsregister fanden wir ihn nicht. Und auch die Internetseite hansa-verlag.de funktioniert nicht.


Viel Geld - für nahezu nichts

Und wofür ist das Geld, das mit der Rechnung verlangt wird? Der Hansa Verlag erstellt wohl einen Folder mit dem Allerweltsnamen „Bürgerinformationsfolder“. Mit einer Auflage von gerade einmal 1.000 Exemplaren. Zu dem, was sich dahinter verbirgt, schweigt das Formular. Auch wann der Folder erscheinen soll, lässt sich nicht erkennen.

Ausgeliefert werden sollen diese 1.000 Exemplare von der Deutschen Post AG an Haushalte per Postwurf“ “im vertraglich vereinbarten Verteilungsgebiet . Eingeliefert. Darüber, nach welchen Kriterien die gerade einmal 1.000 Empfänger ausgesucht werden, schweigt das Kleingedruckte des Hansa Verlag. Das Verteilungsgebiet ist riesengroß. Zum Beispiel wird es im Formular mit 7xxxx beschrieben. Dieses Gebiet hat eine Ausdehnung von 200 km. Eine Werbewirksamkeit dürfte nach unserer Einschätzung so nicht zu erwarten sein.

So zustande gekommene Verträge sind angreifbar – nicht nur wegen der Art und Weise, wie sie zustande kommen, sondern auch schon wegen der mangelnden Bestimmtheit der vom Hansa Verlag geschuldeten Leistung.

Zu viele der Betroffenen zahlen an solche Firmen. Häufig, um ihre Ruhe zu haben. Oder weil es ihnen unangenehm ist, auf die Masche herein gefallen zu sein. Sie tragen so dazu bei, dass diese Art von Geschäft kein Ende findet.

Wer glaubt, nach Zahlung der Rechnung des Hansa Verlag Ruhe zu haben, wird sich bald mit der nächsten Rechnung konfrontiert sehen. Nach dem Vertragsformular entsteht der Rechnungsbetrag dreimal im Jahr. Zusammen sind das 3.000 EUR.


Forderungsabwehr ist möglich

So kommen Verträge nach unserer Rechtsauffassung nicht wirksam zustande. Alleine schon deshalb, weil es, wie es im Juristenlatein heißt, an den essentialia negotii mangelt.

Eine frühest mögliche Reaktion ist der sicherste Weg, um sich zu wehren. Gerne können Sie uns dazu ansprechen, sofern Sie zu den in Deutschland ansässigen Betroffenen gehören. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.



Update vom 23.02.2022:
Jetzt mit SSF Swiss Support Forum AG

Betroffene des Hansa Verlag erhalten jetzt Post von einer SFF Swiss Support Forum AG aus Alpnach Dorf in der Schweiz. Der Auftrag sei an sie übergeben worden. Der Hansa Verlag ist nicht die einzige türkische Firma, für die die SFF das Geld eintreibt.

[Zum Blog-Beitrag vom 02.02.2022: Kölner Masche des Pro-Media-Verlag – Teil 2: SSF Swiss Support Forum AG als Geldeintreiber aufgetaucht]




Mehr Informationen zum Thema "Kölner Masche" finden Sie in einem Spezial-Beitrag:
[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]


Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]



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