Kölner Masche: Limitimus SL und Medien Verlag Concept Service

09.07.23021 - Das ganz spezielle Geschäft mit der „Kölner Masche“ boomt auch dieses Jahr. Auch in der Form der klassischen Zweiteilung: mit Call-Center aus der Türkei und einer Rechnungsstellenden Firma.

Diesmal berichten wir über die Limitimus SL , die gegenüber dem spanischen Handelsregister angegeben hat, in Palma de Mallorca zu residieren. Sie verschickt an Gewerbetreibende und Freiberufler in Deutschland Rechnungen, dann aber aus Madrid, für einen angeblich geschlossenen Vertrag über „Bürger-Info-Folder“.

Viel Geld wird verlangt. Und auch bei der Limitimus SL gibt es, nach Art solcher Firmen, wenig Gegenleistung dafür.


Ein falscher Telefonanruf

Man segelt unter falscher Flagge. Deren Geschäftsmodell wird Kölner Masche genannt, seit vor 20 Jahren zum ersten Mal in Köln gegen solcherart Betrug ermittelt wurde. Gewerbetreibende, Freiberufler und Vereine, die in der Vergangenheit regelmäßig in einer von Dritten herausgegebenen Broschüre, zum Beispiel der Gemeindeverwaltung, inseriert hatten, erhalten einen Anruf. Man bezieht sich auf diese Broschüre und erklärte, es müsse ein Formular unterschrieben werden – sonst könne das Inserat nicht in der nächsten Ausgabe veröffentlicht werden.

Das Formular kommt kurz darauf per Fax oder E-Mail. Tatsächlich findet sich in dem beigefügten Formular auch die bisher verwendete Anzeige der so Angesprochenen. Ebenso die sinngemäße Bezeichnung der bisherigen Publikation: „Bürgerinfo“ beispielsweise.

Die so Angesprochenen gehen davon aus, dass alles seine Richtigkeit habe. Schließlich hat man gerade telefoniert. Sie unterschreiben – und schicken es an die angegebene Fax-Nummer oder die E-Mail-Adresse zurück. Dass aus dem Ausland angerufen wurde, von einer Werbeagentur Medien Concept Service, erschließt sich aus dem Formular nur schwer. Die angegebenen Telefonnummern erwecken keinen Argwohn. Auch der Anrufende hat nicht immer eine auf das Ausland schließende Sprachfärbung. Häufig handelt es sich um deutsche Auswanderer.

Erst wenn die Rechnung kommt, fällt der Schmu auf: die rechnungsaustellende Limitimus SL aus Spanien hat mit der bisherigen Anzeigenveröffentlichung rein gar nichts zu tun.


Viel Geld für nahezu nichts

Und wofür ist das Geld, das mit der Rechnung verlangt wird? Die Die Limitimus SL erstellt wohl einen Folder: „Bürger-Info-Folder“. Was auch immer sich dahinter verbirgt. Wann der Folder erscheinen soll, gibt das Formular nicht her.

Ausgeliefert werden sollen diese 1.000 Exemplare von der Deutschen Post AG „an Haushalte per Postwurf“. Darüber, nach welchen Kriterien die gerade einmal 1.000 Empfänger ausgesucht werden, schweigt das Kleingedruckte. Auch das Verteilungsgebiet ist nicht hinreichend beschrieben.

So zustande gekommene Verträge sind angreifbar – nicht nur wegen der Art und Weise, wie sie zustande kommen, sondern auch schon wegen der mangelnden Bestimmtheit der von der Limitimus SL geschuldeten Leistung.

Zu viele der Betroffenen zahlen an solche Firmen. Häufig, um ihre Ruhe zu haben. Oder weil es ihnen unangenehm ist, auf die Masche herein gefallen zu sein. Sie tragen so dazu bei, dass diese Art von Geschäft kein Ende findet.

Wer glaubt, nach Zahlung der Rechnung der Limitimus SL Ruhe zu haben, wird sich bald mit der nächsten Rechnung konfrontiert sehen. Nach dem Vertragsformular entsteht der Rechnungsbetrag dreimal im Jahr. Zusammen soll man also mehr als 3.000 EUR zahlen.


Wegwerf-Firma

Die Limitimus SL wurde am 12.01.2021 gegründet. Geschäftsführer ist Luigi Carlo de Micco, Alleingesellschafterin und Apoderado Solidario, so etwas wie eine Prokuristin im deutschen Recht, ist eine Linda Schwalm. Darauf, dass beide mehr sind als Strohpüppchen, würden wir keine große Wette eingehen wollen. Laut Gerüchten aus dem Umfeld, für die wir allerdings keinen Beweis haben, soll es sich bei Linda Schwalm angeblich um die aktuelle Lebensgefährtin von Patrick Reichardt handeln. Über Reichardt hatten wir in diesem Blog schön öfter berichtet:

[Zum Blog-Beitrag vom 19.03.2019: 2. Teil zu Betrugsversuch mit Trickformular: „FS24“ und „Onlinebranchenbuch“ – die Firmensuche24 Ltd taucht auf]

[Zum Blog-Beitrag vom 24.01.2017 - Kein Schnäppchen: Anzeigen auf "Umgebungskarten" der Regiokart Regionale Kartographien GmbH]

[Zum Blog-Beitrag vom 18.07.2019 - Telefonbuchmasche mit Trickformular: die Telefonbuch Marketing SL aus Palma de Mallorca]

Mit einem Stammkapital von 3.000 EUR gehört die Limitimus SL zum Typ der Wegwerf-Firmen. Derer man sich schnell entledigen kann, wenn es brenzlig wird. Ohne dass der Verlust des Stammkapitals allzu schmerzt.

Die Aufteilung in ein – hier: türkisches Callcenter – und eine Firma in einem anderen Land ist typisch für die Kölner Masche. Die Rechnungslegende Firma kann sich dann damit herausreden, mit dem Schmu beim Telefonat nichts zu tun zu haben.


Forderungsabwehr ist möglich

So kommen Verträge nicht wirksam zustande. Alleine schon deshalb, weil es, wie es im Juristenlatein heißt, an den essentialia negotii mangelt.

Eine frühest mögliche Reaktion ist der sicherste Weg, um sich zu wehren. Gerne können Sie uns dazu ansprechen, sofern Sie zu den in Deutschland ansässigen Betroffenen gehören. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.



Mehr Informationen zum Thema "Kölner Masche" finden Sie in einem Spezial-Beitrag:
[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]


Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]



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