Kölner Masche aus Griechenland: die Hellas Marketing IKE mit Bürger-Info-Foldern

24.03.2021 mit Update vom 16.04.2021 - Das ganz spezielle Geschäft mit der „Kölner Masche“ boomt weiterhin. Von der griechischen Insel Rhodos ist jetzt der nächste Name aufgetaucht: eine Hellas Marketing IKE alias ΕΛΛΑΣ ΜΑΡΚΕΤΙΝΓΚ ΜΟΝΟΠΡΟΣΩΠΗ ΙΚΕ.

Das Ziel der Hellas Marketing IKE ist es, von Gewerbetreibenden und Freiberuflern eine Unterschrift unter einem Formular zu ergattern. Damit sollen die sich verpflichten, Geld für eine Anzeige in einem „Bürger-Info-Folder“ zu zahlen. Viel Geld. Und auch bei der Hellas Marketing IKE gibt es, wie in der Werberwelt der Kölner Masche üblich, wenig Gegenleistung dafür.

So verwundert es auch nicht, dass man bei einer Google-Recherche Überschriften angezeigt bekommt, wie “IHK warnt vor falschem Verlag“ oder “Achtung Betugsfall!“


Der Trickanruf

Die Hellas Marketing IKE segelt unter falscher Flagge. Deren Geschäftsmodell wird Kölner Masche genannt, seit vor Jahr und Tag zum ersten Mal in Köln gegen solcherart Betrug ermittelt wurde.

[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]

Gewerbetreibende, Freiberufler und Vereine, die in der Vergangenheit regelmäßig in einer von Dritten herausgegebenen Publikation, zum Beispiel der Gemeindeverwaltung oder IHK inseriert hatten, erhalten einen Anruf mit unterdrückter Rufnummer. In fehlerfreiem Deutsch bezieht man sich auf diese Publikation und erklärte, es müsse schnellstens ein Formular unterschrieben werden – sonst könne das Inserat nicht mehr in der nächsten Ausgabe veröffentlicht werden.

Das angekündigte Formular kommt bald darauf. Tatsächlich findet sich in ihm auch die bisher verwendete Anzeige der so Angesprochenen. Ebenso die sinngemäße Bezeichnung der bisherigen Publikation. Die so Angesprochenen gehen davon aus, dass alles seine Richtigkeit habe. Schließlich hatte gerade darüber geredet. Sie unterschreiben – und schicken es an die angegebene 0800er-Fax-Nummer zurück. Meist dann, wenn die Rechnung einer Hellas Marketing IKE kommt, fällt der Schmu auf: mit der bisherigen Anzeigenveröffentlichung hat das alles nichts zu tun. Gezahlt werden soll sofort nach Rechnungserhalt auf ein Konto bei der griechischen Alpha Bank AE.


Viel Geld für nahezu nichts

Und wofür das viele Geld, knapp 1.450 Euro einschließlich 24% griechischer Mehrwertsteuer sind es für eine 6 * 10 cm kleine Anzeige? Im Formular wird das Schlagwort „Bürger-Info-Folder“ genannt. Was auch immer sich dahinter verbirgt. Ein Beleg-Exemplar wird mit der Rechnung nicht mitgeschickt. Das sogenannte Objekt soll eine Auflage von 1000 Exemplaren haben, kann man dort im Kleingedruckten lesen.

Ausgeliefert werden sollen diese an “Haushalte per Postwurf“. Etwa im PLZ-Gebiet 0****, dass eine Ausdehnung von 200 km hat. 6,5 Millionen Einwohner leben dort. Darüber, nach welchen Kriterien die gerade einmal 1000 Empfänger in dem großen Gebiet ausgesucht werden, schweigt das Kleingedruckte.

Es steht auch noch, an ungewöhnlicher Stelle, rechts oben im Formular der Hellas Marketing IKE folgende Formulierung:

„Behördenunabhängig-ohne öffentlichen Auftrag“.

Warum das wohl so betont wird? Doch wohl deshalb, weil dieser Eindruck erweckt wurde. Und erweckt werden sollte.

[Beispiel des Formulars der Hellas Marketing IKE]


So zustande gekommene Verträge sind angreifbar – nicht nur wegen der Art und Weise, wie sie zustande kommen, sondern auch schon wegen der mangelnden Bestimmtheit der von der Hellas Marketing IKE geschuldeten Leistung.


Wer zahlt, findet keine Ruhe

Meist zahlen viel zu viele der Betroffenen an solche Firmen. Häufig, um ihre Ruhe zu haben. Oder weil es ihnen unangenehm ist, auf die Masche herein gefallen zu sein. Sie tragen so dazu bei, dass diese Art von Geschäft kein Ende findet. Wer jedoch glaubt, nach einer Zahlung Ruhe zu haben, wird sich bald mit der nächsten Rechnung konfrontiert sehen. Nach dem Vertragsformular entsteht der Rechnungsbetrag nämlich dreimal innerhalb eines Jahres. Das wären dann schon 4.300 Euro bei einer 6 * 10 cm kleinen Anzeige.


Wegwerf-Firma

Die Hellas Marketing hat die Rechtsform einer Idiotiki Kefaleouchiki Eteria (Ιδιωτική Κεφαλαιουχική Εταιρία), abgekürzt: IKE. Vergleichbar ist die mit der deutschen UG (haftungsbeschränkt). Sie wurde am 01.04.2019 in das griechische Handelsregister eingetragen. Mit einem Stammkapital von 2.000 EUR gehört sie zu den Wegwerf-Firmen. Derer man sich schnell entledigen kann, wenn es brenzlig wird. Ohne dass der Verlust vom Stammkapital allzu sehr schmerzt.


Forderungsabwehr ist möglich

Alleine schon deshalb, weil es, wie es im Juristenlatein heißt, an den essentialia negotii mangelt. Wenn man eine Rechnung der Hellas Marketing IKE für einen sogenannten Bürger-Info-Folder erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühest mögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich zu wehren. Gerne können Sie uns dazu ansprechen. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.



Update vom 16.04.2021:

Ein bei Kölner-Masche-Abzockern beliebtes Inkassounternehmen versucht jetzt bei Betroffenen der Hellas Marketing Geld einzutreiben: die Ass. jur. Eliane Becker-Lerner AktivaInkasso GbR aus 55543 Bad Kreuznach. Wenn sich die AktivaInkasso meldet, wird man tätig werden müssen. Es können sonst Nachteile bei Schufa, Creditreform & Co. drohen.

[Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros?]





Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]

Neu ist er nicht:
[Seit über 100 Jahren: Inseratenschwindel, damals so wie heute]


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