Landgericht Schwerin: Freiheitsstrafe für Doppel-Anruf-Masche

01.04.2021 – Über die Abzocke mit der Doppel-Anruf-Masche berichten wir seit zehn Jahren regelmäßig in diesem Blog. Dass man damit in den Bereich der Kriminalität gelangt, zeigt ein Urteil des Landgericht Schwerin (LG Schwerin, Urteil vom 05.02.2021 – 257 Js 4339/18 32 KLs 8/19).

Mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten endete für eine Schwerinerin ihr Engagement in dieser speziellen Werberwelt.


"Eintrag in den Verzeichnissen […] vollkommen nutzlos"

Ihre Tätigkeit beschrieb das Urteil so:

“Über das Internet suchte sie in bereits bestehenden Branchenverzeichnissen Kontaktdaten auswärtiger und mutmaßlich eher kleiner Gewerbe- bzw. freiberuflicher Betriebe und übertrug die Daten in die von ihr gepflegten Verzeichnisse. Sodann nahm sie telefonischen Kontakt zu den potentiellen Kunden auf und erklärte den jeweiligen Gesprächspartnern der Wahrheit zuwider, ein bereits bestehender, aber zunächst kostenfreier Eintrag in das entsprechende Verzeichnis der Angeklagten sei nun mangels rechtzeitiger Kündigung für einen bestimmten Zeitraum kostenpflichtig geworden. Die Ansprechpartner bzw. Betriebsinhaber, welche dieser nicht den Tatsachen entsprechenden Behauptung der Angeklagten […] Glauben schenkten, gingen spätestens nach dem Erhalt der wenig später von der Angeklagten versandten Rechnung, teilweise flankiert durch telefonische und schriftliche Zahlungserinnerungen und Mahnungen, irrig davon aus, aufgrund eines wirksamen Vertrages zur Zahlung an die Angeklagte verpflichtet zu sein […] Keiner der kontaktierten Geschädigten hatte von sich aus einen Eintrag auf der jeweiligen Internetseite vorgenommen bzw. veranlasst oder ein Interesse an der telefonischen Kontaktaufnahme bekundet. Der entsprechende Eintrag in den Verzeichnissen der Angeklagten, die in den gängigen Suchmaschinen nicht auf den ersten Seiten erschien, war von den anderweitig über das Internet auffindbaren Geschädigten nicht gewollt und für diese vollkommen nutzlos. Diese Umstände waren der Angeklagten bewusst.“


Angeklagte will zukünftig straffrei leben

Wegen 41 solcher Fälle wurde die Schwerinerin angeklagte – und verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Noch einmal aus dem Urteil:

“Die mittlerweile 61-jährige Angeklagte hat in der Hauptverhandlung glaubhaft versichert, zukünftig straffrei leben und insbesondere dem beruflichen Feld des Telemarketings dauerhaft den Rücken kehren zu wollen.“

Die Entscheidung ist rechtskräftig.





Siehe auch:
[Mehr zu der Doppel-Anruf-Masche]
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]



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