Messe Berlin warnt vor Expo Guide, Connect Publisher, Construct Data Verlag und blueladz.com

21.04.2020 mit Update vom 22.04.2020 – Sollte der Corona-Virus nicht dazwischen funken, wird Ende September 2020 in Berlin wieder die Innotrans stattfinden. Die weltgrößte Messe für Bahn- und Schienenfahrzeugtechnik. Und wenn sich dort über 3000 Aussteller aus aller Welt einfinden, sind die Abzocker mit ihren Trickformularen und den Pseudo-Ausstellerverzeichnissen nicht fern. Vier von ihnen werden in einer Warnung der Berliner Messegesellschaft genannt: die Expo Guide SC, Connect Publisher S.C., der Constructa Data Verlag und eine Firma blueleadz.com.

Viel Geld wird von den Betroffenen deren Trickmache verlangt. Für eine Gegenleistung, die das Geld nicht wert ist.


Segeln unter falscher Flagge

Die Methoden der Firmen ähneln sich. Meistens versendet man an die Aussteller Briefe. Ein Rückumschlag liegt bei. Im Brief findet sich häufig der Name der Messe und des Messeveranstalters. Bei den Anschreiben der Expo Guide heißt es unter der Überschrift „Datenkontrolle/Ablauf der Gültigkeit“:

„Ihre aktuell gespeicherten Daten entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Formular. Sollte eine rechtzeitige Gültigkeitsbestätigung Ihrerseits ausbleiben, könnten Ihre Daten beim nächsten Kontrolllauf gestrichen werden.

Die Aktualisierung Ihrer bestehenden Daten im Ausstellerverzeichnis ist notwendig, um allen Anwendern eine problemlose Kontaktaufnahme mit Ihrem Unternehmen zu ermöglichen und um zu gewährleisten, dass ausschließlich richtige Daten veröffentlicht werden.“

Wer dann glaubt, die Berliner Messe wolle mit dem Formular, wie allgemein üblich, die Daten für das Ausstellungsverzeichnis abfragen, sieht sich einer bösen Überraschung ausgesetzt. In Form einer Rechnung, jeweils über mehr als 1.000 EUR. Zu zahlen auf eine Bank, zumeist im europäischen Ausland. Die Bankverbindungen wechseln häufig.

Mit dem offiziellen Ausstellerverzeichnis hat das Ganze nichts zu tun. Man will für eine Veröffentlichung in einem privaten Internetverzeichnis kassieren. Das nicht beworben wird, das niemand kennt und keiner braucht. Für das, mit anderen Worten, jeder gezahlte Euro einer zu viel ist.

Die Berliner Messegesellschaft warnt jetzt auf der Internetseite für die InnoTrans:

"Warnung vor inoffiziellen Ausstellerverzeichnissen

Die in Mexiko ansässige Firma EXPO GUIDE, S.C. sowie Connect Publisher, S.C. bieten unter Bezugnahme auf die „Datenkontrolle/Ablauf der Gültigkeit“ aktualisierte Eintragungen in das „Ausstellerverzeichnis für Messen und Ausstellungen“ an, die kostenpflichtig sind. Dem Kleingedruckten im Auftrag ist zu entnehmen, dass bei Unterzeichnung ein Vertrag für 3 Jahre geschlossen wird, der jährlich Kosten in Höhe von über 1.000,00 € auslöst. Zeitweise ist auch der Construct Data Verlag, jetzt mit Sitz in Bratislava, Slowakei, wieder aktiv, der den Fair Guide herausgibt. Der Verlag verfährt nach dem gleichen Schema wie der ExpoGuide und Connect Publisher.

Aufgrund der vielen Hinweise stellen wir klar, dass es sich bei den angebotenen Registrierungen in den Expo Guide, das International Fairs Directory (Connect Publisher, S.C.) und Fair Guide nicht um Eintragungen in das offizielle Ausstellerverzeichnis der InnoTrans handelt. Die Messe Berlin steht in keinerlei Verbindung zu dem Anbieter des Expo Guide und Fair Guide […]

Warnung vor irreführenden Emails von blueleadzs.com

Uns ist zur Kenntnis gelangt, dass eine Firma unbekannter Herkunft sich an Aussteller aus dem VMP wendet und ihnen eine Datenbank basierend auf den Daten aus dem VMP anbietet. Wir stellen klar, dass der Anbieter in keiner Geschäftsbeziehung zur Messe Berlin GmbH bzw. der InnoTrans steht und von ihr nicht zur Abgabe derartiger Angebote autorisiert ist. Das Recht an der Datenbank steht ausschließlich der Messe Berlin GmbH zu. Die Übernahme wesentlicher Teile der Datenbank verletzt das Recht der Messe Berlin GmbH als Datenbankherstellerin. Wir bitten daher ausdrücklich darum, auf keines dieser Angebote einzugehen.


Verlängerungsfalle im Vertrag

Wer glaubt, gute Miene zum bösen Spiel machen zu können und seine Ruhe zu haben, wird eine böse Überraschung erleben. Ein Jahr später kommt die nächste Rechnung. Man bezieht sich auf die eigenen Allgemeinen Geschäftsbedingungen – AGB, in denen von einer dreijährigen Vertragslaufzeit die Rede ist. Und Kosten, die jedes Jahr neu entstehen. Spätestens mit der Bezahlung der ersten Rechnung habe man das Bestehen eines Vertrages akzeptiert, wird gerne argumentiert. Und so geht es immer weiter. Mitunter auch über die drei Jahre hinaus. Im Expo Guide-Formular steht zum Beispiel:

„Der Auftrag verlängert sich automatisch um jeweils ein weiteres Jahr, falls die schriftliche Kündigung nicht spätestens der Monate vor Auftragsende mittels eingeschriebenen Brief erfolgt.“


Eine Forderungsabwehr ist möglich

Gegen auf solche Weise erschlichene Aufträge für einen Eintrag in einem Pseudo-Ausstellerverzeichnis kann man sich wehren. Eine frühest mögliche Reaktion ist der sicherste Weg. Wir vertreten seit vielen Jahren Betroffene solcher Firmen. Gegen keinen der von uns vertretenen Mandanten hat man sich getraut, gerichtliche Schritte einzuleiten.



Update vom 22.04.2020:

So schnell kann es gehen. Kaum war der Blog-Beitrag eingestellt, wurde der Messetermin verschoben. Darauf würden wir aber jede Wette eingehen: auch beim neuen Termin werden sich die Abzocker melden.




Über Firmen, die mit Trickformularen an Messe-Aussteller heran treten, haben wir schon öfter in unserem Blog berichtet:

[Zum Blog-Beitrag vom 28.04.2012: Expo Guido S.C. – Abzocke eines Pseudo-Mexikaners ]

[Zum Blog-Beitrag vom 13.10.2012: Expo Guido S.C. - Die Spur führt weiter in die Alpen]

[Zum Blog-Beitrag vom 09.04.2015: Expo Guide S.C. aus Mexiko – Schwindelei unter dem Namen der Leipziger Messe GmbH]

[Zum Blog-Beitrag vom 03.02.2016: Expo Guide S.C. aus Mexiko – der Bluff mit CLBCS Business Conflicts Solutions Management Ltd. & Co.]

[Zum Blog-Beitrag vom 28.08.2016 - Die Expo Guide-Abzocke mit neuen Namen: Inversiones DGSM aus Costa Rica und Blue Bay Services aus Ungarn]

[Zum Blog-Beitrag vom 30.05.2017 - Formulare mit Falle: das International Fairs Directory der MULPOR Company S.A.]

[Zum Blog-Beitrag vom 07.02.2018: Teil 2 zur MULPOR Company – Vergleichsangebot von einer International Business Convention Management Ltd.]

[Zum Blog-Beitrag vom 24.10.2018 - Messeabzocke: noch eine Firma MULPOR Company taucht auf – nun aus Costa Rica]

[Zum Blog-Beitrag vom 27.11.2019 - Die Masche der Firma Ausstellerkatalog.de des Percy Humbert]


Den Adressbuchschwindel mit Trickformularen gibt es schon seit mehr als 20 Jahren:

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