Mit Doppel-Anruf-Masche: die MM Access AG und dem Internetverzeichnis DasBlaueBranchenbuch.de

22.05.2019 mit diversen Updates, zuletzt vom 30.10.2019 – Früher konnte man Firmen, die mit der Doppel-Anruf-Masche arbeiten, den Trickanrufen mit einer Legende, geografisch leicht zuordnen: Anfangs nach Ostwestfalen und dem Niederrhein, später auch auf die steuerbegünstigten Kanarischen Inseln.

Doch der Schmu zog weiter durch die Welt. Immer häufiger fallen uns jetzt auch Firmen auf, die offiziell in der Schweiz sitzen. Aus der Schweiz ist schon wieder ein neuer Name aufgetaucht: die MM Access AG mit ihrem Verwaltungsrat Adrian Stefan Gugger.

Man will an das Geld von Gewerbetreibenden in Deutschland. Für Dienstleistungen bei Google. Und für einen Eintrag unter DasBlaueBranchenbuch.de. Ein Internetverzeichnis, das es heute nicht einmal gab.


Ein unerwarteter Anruf kommt

Die Methode der MM Access AG ist die Doppel-Anruf-Masche.

Mit Cold Calls bei Gewerbetreibenden, Handwerkern oder Freiberuflern beginnt es. Die anrufende Person sitzt in Dresden, zeigt das Display des Telefons an: 0351309020715. Man versucht zu suggerieren, dass man sich bereits kenne, es gäbe schon einen Vertrag über einen Eintrag „in das Blaue“. Oder man suggeriert, im Auftrag von Google zu handeln. Nach vielem Reden am Telefon wird deutlich: man will Geld. Etliche der so Angesprochenen glauben dem Anrufer und stimmen zu. Ein zweites Telefonat oder ein zweiter Telefonteil folgen, in dem das „ja“ aufgezeichnet wird. „Der guten Ordnung halber“, „weil es so üblich ist“ oder „wegen des Fernabsatzgesetz“, heißt es; ein Gesetz, das es nicht gibt. Die Legende im ersten Telefonat geht aus dem aufgezeichneten Telefonat nicht hervor. So kann man den Betroffenen später den Mitschnitt vorhalten und erklären, sie hätten doch ohne Wenn und Aber zugestimmt.

[Mehr zu der Doppel-Anruf-Masche]


Die immer gleichen Legenden

Unter anderem auf der Internetseite tellows.de/num/0351309020715 findet man seit Mitte April 2019 etliche Berichte von so Angesprochenen. Sie ähneln sich alle. Einige Zitate aus der Seite:

“Behaupten, sie würden mit Google zusammenarbeiten. Die ersten zwei Jahre wären die Einträge auf der Google Seite kostenlos gewesen, jetzt müsse man aber 799€ für das nächste Jahr zahlen. Für die nachfolgenden Jahre könne man sich entscheiden, ob die automatische Verlängerung bestehen bleiben soll oder aber man manuell verlängern möchte."

“Man sagte ich hätte einen Eintrag im blauen Branchenbuch getätigt und der Eintrag würde jetzt nach einem Jahr kostenpflichtig werden. Ich habe aber unser Unternehmen nie eintragen lassen, da es keinen Sinn macht. Daraufhin wurde die Dame pampig und meinte sie wolle sich nicht mit mir streiten und schicke dann einfach mal die Jahresrechnung raus.“

“Wollten über 500€ haben für die nächsten 6 Monate bis zur Kündigung. Ich hab mich nie bei denen angemeldet. Sie meinte, dass es in deren AGB`s steht, die ich vor einem Jahr zugesandt bekommen habe und zu 99% der Menschen diese nicht lesen würden. Außerdem wäre dies natürlich schon lange her und deshalb würden Sie mich vorsichtshalber anrufen wollen.

"Ruft an wegen angeblich während der letzten 24 Monate getätigtem Testeintrag im blauen Branchenbuch, der ab jetzt 799€ kosten soll."

“Anruferin fragte, wie mit meinem Eintrag ins blaue Branchenbuch weiter verfahren werde solle, ob die Daten noch korrekt seien. Auf meine Antwort, ich habe mich nirgends eingetragen und kenne das blaue Branchenbuch gar nicht, erwiderte sie: Doch, haben Sie und Sie bekommen jetzt die neuen Vertragsunterlagen zugeschickt.“

“ Setzten unter Druck und fordern 799 € für Googleauftrag, bei Wiederworten sagen Sie man kann auch schnell kündigen und der Preis reduziert sich auf 529 €“.


Rechnungsfrist: eine Woche

Wer auf die Masche hereinfiel, sieht sich bald mit einer Rechnung konfrontiert. Nicht von Google, sondern der MM Access AG. Über einen Betrag zwischen 549 und 799 EUR netto. Zu zahlen innerhalb von 14 Tagen auf ein Konto bei der Schweizer PostFinance AG. Für Dienstleistungen bei Google und auf der Internetseite dasblauebranchenbuch.de. Bei einer Zahlung innerhalb von sieben Tagen können 3% Skonto in Abzug gebracht werden. Die Mehrwertsteuer muss zusätzlich an das deutsche Finanzamt abgeführt werden. Reverse Charge-Verfahren nennt sich das.

[Beispiel einer Rechnung der MM Access AG]


Was ist DasBlaueBranchenbuch.de?

An dieser Stelle äußern wir uns in Blog-Beiträgen üblicherweise zu der Gegenleistung, die für das viele Geld angeboten wird: den Internetverzeichnissen. Doch als wir das Blaue Branchenbuch auf der Seite dasblauebranchenbuch.de aufrufen wollten, stellten wir fest. Sie ist leer. Sollte sich das in der Zukunft ändern, werden wir diesen Blog-Beitrag mit einem Update aktualisieren.


Offiziell angegebener Geschäftszweck passt nicht

Die MM Access AG wurde am 09.05.2012 beim Handelsregister-Amt in Zürich eingetragen. Als Unternehmensberatung. Das Aktienkapital beträgt bis heute 100.000 Schweizer Franken, das sind derzeit 88.870 EUR. Am 04.03.2016 wurde ein Wechsel des Firmenvertreters eingetragen. Verwaltungsrat, so die offizielle Schweizer Bezeichnung, ist seitdem Adrian Stefan Gugger. Die Firma zog zugleich in die Hauptstadt des Deutschschweizer Kanton Uri, nach Altdorf. Dort ist sie im Handelsregister unter der Handelsregister-Nummer CH-020.3.037.832-5 eingetragen.

Aktuell liest man im Handelsregister über den Geschäftszweck der MM Access AG wenig, was auf das Business-Modell der Doppel-Anruf-Masche hindeutet:

“Die Gesellschaft bezweckt den Handel, Import & Export und die Produktion von Waren aller Art, Kauf, Verkauf und Verwaltung von Immobilien im In- und Ausland sowie Finanzierungen für verbundene Unternehmen und Dritte. Die Gesellschaft kann im In- und Ausland Vermögenswerte erwerben, verwalten, vermitteln und verwerten sowie alle Geschäfte eingehen und Verträge abschliessen, die geeignet sind, die Entwicklung des Unternehmens und die Erreichung des Gesellschaftszweckes zu fördern oder zu erleichtern.“


Adrian Gugger: der Entscheider?

Dafür, dass Adrian Stefan Gugger die Hosen anhat und der wirkliche Entscheider der MM Access AG ist, würden wir nicht die Hand ins Feuer legen wollen. Nicht nur, weil es in dieser speziellen Geschäftswelt gang und gebe ist, dass die Hintermänner durch ein Strohpüppchen gedeckt werden. Sondern auch, weil es uns bei einer Handelsregisterrecherche auffällt, dass Adrian Gugger noch mit etlichen anderen Firmen der diversesten Geschäftsbereiche in Verbindung zu bringen ist.

Schließlich würden wir auch keine große Wette darauf eingehen wollen, dass man unter der offiziellen Anschrift Gotthardstrasse 74, CH-6460 Altdorf UR überhaupt mehr als eine Art Briefkasten von der MM Access AG finden wird.


Forderungsabwehr möglich

Die Erfahrung lehrt: viel zu viele zahlen. Bis zu 70% hieß es in der Vergangenheit in „der Szene“. Das ist glaubhaft, denn anderenfalls hätte sich das Geschäftsmodell mit der Doppel-Anruf-Masche schon längst erledigt.

Wenn man eine Rechnung für einen mit der Doppel-Anruf-Masche zustande gekommenen Vertrag von der MM Access AG erhält, ist eine frühestmögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.


Achtung: weitere Anrufe drohen

Vorsicht ist geboten: wenn es einmal geschafft wurde, solcherart an einen Auftrag zu gelangen, wird es immer wieder auch von anderen Firmen versucht – in dieser speziellen Geschäftswelt hängt über die Hintermänner vieles mehr oder minder zusammen. Deshalb: vergessen Sie die üblichen Höflichkeitsformen. Legen Sie kommentarlos auf oder drücken den Anruf weg.



Update vom 11.06.2019:

Drei Wochen sind verstrichen, seitdem wir unseren Blog-Beitrag verfasst haben. Doch die Seite DasBlauebranchenBuch.de, für die Betroffene von der MM Access AG heftig zur Kasse gebeten werden, ist bis heute nicht aufrufbar.



Update vom 24.07.2019:

Mittlerweile ist die Seite DasBlauebranchenBuch.de in Betrieb gegangen. Unsere Erwartung wurde nicht enttäuscht. Sie entspricht in jeder Beziehung dem, was man von Firmen dieser speziellen Geschäftswelt kennt. Greifen Sie selber einmal das Motto dieser Seite "Unternehmen finden und entdecken" auf und versuchen Sie sich an einer Branchensuche.

Betroffene der MM Access AG werden von dem Inkassobüro Culpa Inkasso GmbH aus 70501 Stuttgart mit Mahnungen behelligt. Wenn sich ein solches Inkassounternehmen meldet, wird man tätig werden müssen. Es können sonst Nachteile bei Schufa, Creditreform & Co. drohen.

[Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros?]



Update vom 30.10.2019:

Wurde die MM Access AG bislang von Adrian Stefan Gugger als Verwaltungsrat geführt, ist es seit Mitte 2019 Almir Radic. Wer regelmäßig unseren Blog liest, kennt Radic im Zusammenhang mit der regelmäßig unter anderen Namen auftretenden EU Marketing AG – auch eine Unternehmung der Doppel-Anruf-Szene. Laut dem Schweizer Handelsregister sitzt die MM Access AG mittlerweile offiziell in Zürich. Im Impressum des Blauen Branchenbuch hat sich das aber noch nicht bemerkbar gemacht.





Die MM Access AG ist nicht die einzige Schweizer Firma, die sich der Doppel-Anruf-Masche verschrieben hat:

[Zum Blog-Beitrag vom 14.12.2018 - Die Masche des Örtlicher Business Verlag – die nächste Namensvariante der EU Marketing AG]

[Zum Blog-Beitrag vom 12.04.2019 - Wieder eine neue Namensvariante: die EU Marketing AG jetzt als Regionaler Firmenverlag]

[Zum Blog-Beitrag vom 15.04.2019: Optima-Computer GmbH alias Goldex Marketing GmbH – auf Kundenfang für regionalertelefonbuchverlag.de]

[Zum Blog-Beitrag vom 30.10.2019 - Der nächste Schmu aus der Schweiz: "Das Gelbe Verzeichnis" mit dasgelbeverzeichnis.de]


Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]



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