Mit Identitätsdiebstahl und Kölner Masche: die pro Stadtmarketing s.r.o.und der Media-Print-Info-Verlag s.r.o

27.07.2020 – Seit rund 70 Jahres gibt es den Städte-Verlag E.v.Wagner & J.Mitterhuber GmbH. Über 1.500 Pläne aus Deutschland und anderen Ländern hat er zur Zeit in seinem Programm. Von Stadtplänen, die über Tourismus-Informationen verteilt werden, bis hin zu Plänen, die an Bus- und Bahn-Haltestellen aushängen. Teilweise finanziert durch Werbekunden.

Von dessen guten Ruf versuchen auch dubiose Gestalten und Unternehmen zu profitieren. Besonders frech gehen derzeit zwei tschechische Firmen mit ihren deutschen Hinterleuten vor. Die pro Stadtmarketing s.r.o. und der neu gegründete Media-Print-Info-Verlag s.r.o treten nicht nur bei Trickanrufen als der seriöse Städte-Verlag E.v.Wagner & J.Mitterhuber GmbH auf. Den Namen führt man jetzt auch auf den Trickformularen, einschließlich des Logos des seriösen Städte-Verlag.

Über die Masche der pro Stadtmarketing s.r.o. hatten wir bereits in unserem Blog berichtet:


“Es beginnt mit einem Trickanruf

Gewerbetreibende, Freiberufler und Vereine in Deutschland, die in der Vergangenheit in einer Zeitung oder einer von Kirchen oder Gemeinden heraus gegebenen Broschüre regelmäßig inseriert hatten, erhalten einen Anruf, wird uns berichtet. Der Anrufer bezieht sich auf diese Anzeige und erklärt, es müsse ein Formular unterschrieben werden – sonst könne das Inserat nicht in der nächsten Ausgabe veröffentlicht werden. Per E-Mail kommt kurz darauf das angekündigte Formular. „Zum Gegenzeichnen“, heißt es. Tatsächlich findet sich darin auch die bisher verwendete Anzeige.

Die so Angesprochenen gehen davon aus, dass alles seine Richtigkeit habe – und unterschreiben; schließlich hatte man gerade darüber gesprochen.“

Auch eine Variante des Trickanrufs wurde uns geschildert:

„Die Dame am Telefon fragte, ob ich den Vertrag (Anzeige im Gesundheitsmagazin) verlängern möchte. Daraufhin verneinte ich dies und sagte, dass ich den Vertrag kündigen wolle. Sie fragte warum und ich antwortete, dass er mir nichts brächte (keine Neukunden). Daraufhin sagte sie, dass sie das auf einem Formular notieren würde, aber noch eine Unterschrift bräuchte, um das Ganze weitergeben zu können.

Kurz darauf kam per Fax das Formular. Zurückgesandt werden soll es an eine deutsche Faxnummer.“

Weiter schrieben wir:

“Später kommt eine Rechnung, deren Höhe die Empfänger solange verwundert, bis sie schließlich feststellen, Opfer einer Betrugsmasche geworden zu sein.“

“Die Akquisemethode der Pro Stadtmarketing s.r.o. ist nicht neu. „Kölner Masche“ wird sie genannt. Bereits vor fünfzehn Jahren wurde sie erstmals in großem Umfang aus Köln angewandt und erfreut sich bis heute bei unseriösen Werbefirmen großer Beliebtheit.“


Die Verfeinerung

Die pro Stadtmarketing s.r.o. und der Media-Print-Info-Verlag s.r.o haben mittlerweile den Betrug verfeinert. Bereits am Telefon meldet man sich als Städte-Verlag E.v.Wagner & J.Mitterhuber. Und auch auf den Trickformularen taucht der Name auf. Inklusive Logo.




Beispiel eines Betrugsformulars des Media-Print-Info-Verlag – rechts oben und unten (gelb umrandet) Logo und Bezeichnung als Städte-Verlag, im Kleingedruckten (grün) der Name Media-Print-Info-Verlag

[Zu einer größeren Darstellung des Trickformulars des Media-Print-Info-Verlag]




Beispiel eines Trickformulars der pro Stadtmarketing s.r.o. rechts oben und unten (gelb umrandet) Logo und Bezeichnung als Städte-Verlag, zusammenhanglos oben auch (grün) der Name pro Stadtmarketing s.r.o

[Zu einer größeren Darstellung des Trickformulars der pro Stadtmarketing]


Weitere Rechnungen folgen

Die Rechnung folgt bald nach der Unterschrift. Wer glaubt, wenn er zahlt, würde er seine Ruhe haben, hat sich getäuscht. Nach dem Kleingedruckten im Formular wird man innerhalb von zwei Jahren insgesamt viermal zur Kasse gebeten. Manchmal auch noch länger. Im Kleingedruckten des Formulars findet sich eine bei derartigen Firmen übliche Verlängerungsfalle.

Eine werthaltige Gegenleistung gibt es nicht. Irgendwann sollen wohl irgendwie an irgendjemand in einem großen Gebiet 500 Exemplare von irgendwelchen Foldern verteilt werden, lässt sich dem Kleingedruckten entnehmen. Oder wie man – nicht nur bei uns in Berlin - sagt: Nichts Genaues weiß man nicht.


Keine neue Firma

Die Firma pro Stadtmarketing s.r.o.gibt es schon seit einiger Zeit. Wir hatten über sie berichtet.

Neu im schmutzigen Geschäft des Trickbetruges ist der Media Print Info Verlag s.r.o. Er wurde am 27.02.2020 gegründet und zur Handelsregisternummer (IČO) 08994340 in das Prager Handelsregister eingetragen. Das Stammkapital der Firma beträgt 1.000 ZK, das sind umgerechnet etwa sagenhafte 38 EUR. Als Firmensitz wurde gegenüber dem Handelsregister eine Anschrift in Prag angegeben.

Über ihre Geschäftsführerin Helena Baierová führt die Spur nach Plzen (Pilsen). Es ist nicht die einzige Firma, die mit Baierova in Verbindung steht. Die 1953 geborene Rentnerin aus einem Dorf bei Plzen. kann wohl mit einigem Fug und Recht als ständige Strohfrau deutscher Hinterleute vermutet werden. Sie ist Geschäftsführerin einer Vielzahl von ähnlich klingenden Firmen mit angeblichem Sitz in Tschechien oder Slowakien, die sich dem Geschäftsmodell der Lügen und Trickformulare verschrieben haben.

Die meisten ihrer Firmen sitzen in einem Haus, dem eine baldige Sanierung gut anstehen würde. In einem der nicht so guten Stadtteile von Plzen.

Und dort in dem Briefkasten eines Mieters. Ob der nur eine Sammelstelle ist und eingehende Post weiterleiten muss?


Die Forderungsabwehr ist möglich

In unserem Blog schreiben wir regelmäßig, dass eine frühest mögliche Reaktion, etwa durch ein Anwaltsbüro, der sicherste Weg ist, um sich zu wehren. Diesmal nicht: wer eine Rechnung erhält, die auf diesen Gaunertricks beruht, muss erst einmal gar nichts machen. Vor allem nicht zahlen. Ein Vertrag mit dem seriösen Städte-Verlag ist nicht zustande gekommen. Und erst recht nicht mit den Betrügerfirmen.

Erst wenn man einen Mahnbescheid erhält, laufen Fristen gegenüber dem Gericht, die ernst zu nehmen sind. Es reicht nicht aus, nur an die Firmen oder deren Anwalt zu schreiben – ein immer wieder festzustellender Fehler. Und auch bei Post eines deutschen Inkassounternehmens wird man aktiv werden müssen. Nachteile bei Schufa & Co. sind sonst nicht auszuschließen.




Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]

[Mehr zur Kölner Masche]





Auch über weitere Firmen, als deren Geschäftsführerin Helena Baierova auftaucht, hatten wir in unserem Blog berichtet:

[Zum Blog-Beitrag vom 29.01.2017: Print-media Koncept s.r.o aus Pilsen und Pro TN Trade e.K. aus Bad Kreuznach - zwei ganz spezielle Anzeigenfirmen]

[Zum Blog-Beitrag vom 08.06.2017 - Kölner Masche aus Pilsen: die Pro Stadtmarketing s.r.o. und ihre Bürgerfolder]

[Zum Blog-Beitrag vom 28.02.2019 - Abzocke aus Prag: die Media Print Verlag Service s.r.o.]

[Zum Blog-Beitrag vom 01.03.2019 - Die Tricks der Print Media Marketing s.r.o. aus Bratislava]

[Zum Blog-Beitrag vom 05.03.2019 - Noch eine Firma mit Kölner Masche aus Bratislava: Trend Media Service s.r.o.]





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