Mit Trickanruf und -formular: Verlag der Stadt GmbH aus –angeblich - Berlin

01.02.2022 – Der nächste Kölner-Masche-Verlag. Angeblich in Berlin-Neukölln sitzt eine Verlag der Stadt GmbH. Mit Anrufen und Formularen will sie an Unterschriften von Gewerbetreibenden und Freiberuflern für eine Anzeige, die irgendwo erscheinen soll. Und an deren Geld.

Nichts ist an Methode und Firma seriös.


Lug und Trug

Die Vorgehensweise wird uns so geschildert:

Bei Gewerbetreibenden, die in der Vergangenheit Anzeigen geschaltet hatten, zum Beispiel in Publikationen von Gemeinden, Städten, Kirchen oder Vereinen, wird angerufen. Man bezieht sich auf diese Anzeige und suggeriert, für den Verlag zu arbeiten, der diese Zeitschriften, Flyer oder Broschüren herausgibt. Und fragt, ob man in der nächsten Ausgabe wieder dabei sein wolle.

Je nachdem, ob das bejaht oder verneint wird, kommt die nächste Lüge. Man werde gleich ein Formular per E-.Mail senden. Das müsse unterschrieben und zurückgeschickt werden. Denen, die ihre Anzeige auch in der nächsten Ausgabe dieser Publikation wieder sehen wollen, wird die eine oder andere Geschichte vorgegaukelt:

• Es ginge um eine Neuauflage eben dieser Publikation. Dafür könne jetzt der Auftrag erteilt werden.
• Es müsse die Druckvorlage freigegeben werden.

Wer erklärte, kein Interesse mehr zu haben, bekommt am Telefon etwas anderes zu hören. Zum Beispiel: Der Auftrag sei bereits mündlich erteilt worden und die Kosten seien schon entstanden, weil der Druck begonnen habe. Man könne noch zurücktreten. Das koste aber Geld. Aus rechtlichen Gründen sei es jetzt nötig, das Ganze schriftlich festzuhalten.

So unterschiedlich diese Legenden auch sind, haben sie doch eines gemeinsam. Es müsse ganz schnell gehen.

Das angekündigte Formular kommt kurz darauf per E-Mail. Tatsächlich ist darin auch die Anzeige abgebildet, die man bereits in der Vergangenheit geschaltet hatte. Die meisten lesen sich das Kleingedruckte nicht oder kaum durch. Man verlässt sich darauf, dass alles seine Richtigkeit habe; schließlich hatte man es gerade am Telefon besprochen, außerdem eilt es – und unterschreibt.

Wird nicht sofort reagiert, kommt bald darauf eine Erinnerungsmail.


Was ist die Gegenleistung?

Die böse Überraschung kommt in Form der Rechnung einer bis dahin unbekannten Firma. Gezahlt werden soll auf ein Konto der Postbank Niederlassung der Deutschen Bank.

Wofür wird Geld verlangt? Dazu muss man sich das Kleingedruckte im Formular des Verlag der Stadt näher anschauen.


Beispiel eines Vertragsformular des Verlag der Stadt


Dort ist von einer “Info-Broschüre/Tafel“ die Rede. Doch was ist damit gemeint? 500 Exemplare dieser Publikation sollen erstellt werden.

Zum Veröffentlichungszeitpunkt ist sich das Kleingedruckte selber nicht einig. Zum einen heißt es:

„Der Anzeigenvertrag wird für die letzte Auflage geschlossen, die während der Vertragslaufzeit bzw. bis spätestens 31.12. des Folgejahres zur Auflage kommen“. Also bis Ende 2023.

Oder:

“Auslieferungszeiten sind objektgebunden und situationsabhängig“

Aber auch:

“In der Regel werden die Objekte etwa nach sechs Monaten gerechnet, ab Eingang des letzten zur Serie gehörenden Auftrages im Verlag veröffentlicht.“

Die Publikation soll dann “im vereinbarten Verteilungsgebiet“ verbreitet werden. Doch wie und wo soll etwas zum Verteilungsgebiet vereinbart sein?

Nur die Art und Weise der Verbreitung ist präzise dargestellt. Die Betroffenen sollen sich selber darum kümmern. Das liest sich so.

“ Die Verteilung erfolgt per Versand zu gleichen Teilen an die werbenden lnserenten. Die weitere wirksame Veröffentlichung (eigener Aushang) ist dem Auftraggeber freigestellt.“

Das Ganze ist ein teurer Spaß: 1.007,39 EUR brutto soll der nichtssagende Anzeigenauftrag kosten. Man kann aber auch zurücktreten. Für 357 EUR brutto.

Ob die Rechnungen dann tatsächlich vom Verlag der Stadt kommen, steht wohl noch nicht fest. Man könne die Ansprüche aus dem Vertrag an ein anderes Unternehmen abtreten, heißt es im Kleingedruckten. Das würde dann der verbreiteten Kölner Masche Praxis entsprechen, die Drecksarbeit mit Lug und Trug von der einen Firma durchführen zu lassen und die Zahlung durch eine andere zu fordern, die sich darauf zurückzieht, von der Arbeitsweise der ersten Firma sei ihr nichts bekannt.


Eine Homepage aus Kalendersprüchen

Es gibt auch eine Homepage, Verlagderstadt.de. Ein inhaltsleeres Sammelsurium einer Art Kalendersprüche. Das liest sich dann so:

“Unsere Motivation
Unsere Arbeit ist unser Ziel, unsere treibende Kraft. Aus diesem Grund stehen wir jeden Tag auf und tun, was wir tun.“

Oder so:

“Monatliche Zusammenfassung
Es war alles andere als langweilig.“

Aber auch so:

“Wenn Sie frische Ideen und fundierte Beratung brauchen, wenden Sie sich an das Team mit langjähriger Erfahrung und einem Namen, dem Sie vertrauen können.“

Auch eine Art Impressum gibt es. Ein Martin Lorenz wird darin genannt. Ob er wirklich existiert, wissen wir nicht. Denn nicht nur das Formular ist zweifelhaft, sondern alles an der Firma. In E-Mails bezeichnet sie sich als GmbH.


[Beispiel eines Anschreibens vom Verlag der Stadt; rote Hervorhebung durch Rechtsanwälte Radziwill]


Aber im Handelsregister findet man keine Verlag der Stadt GmbH. Angeblich sitzt sie in Berlin-Neukölln. Doch die angegebene Faxnummer weist die Vorwahl von Selb im Fichtelgebirge auf. Und dann der Header der E-Mails. Er belegt die Verwendung türkischer Sprache.


Forderungsabwehr ist möglich

Wer zahlt, um seine Ruhe zu haben oder weil es unangenehm ist, auf eine andere Firma herein gefallen zu sein, trägt dazu bei, dass diese Art von Geschäft kein Ende findet.

Doch so zustande gekommene Verträge sind angreifbar. Wenn man eine Rechnung für einen angeblich so zustande gekommenen Auftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühest mögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich zu wehren. Gerne können Sie uns dazu ansprechen. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.




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