Nummer 8 mit MM Access Verdacht: die DBV Verlagsgesellschaft mbH

08.11.2020 – Der achte Name, der zur einschlägig bekannten Schweizer Schwindelfirma MM Access AG unter ihrem Verwaltungsrat Almir Radic führt, ist aufgetaucht. Eine DBV Verlagsgesellschaft mbh mit ihrem 1999 geborenen Geschäftsführer Semir Ujkanovic. Auf ihrer Homepage nennt sie sich auch alternativ Firmenverlag24 oder Firmen Verlag 24.

Mit dem Geschäftsmodell der Doppel-Anruf-Masche versucht die angeblich in der Sprendlinger Landstraße 180, 63060 Offenbach sitzende Firma an ein „ja“ von Gewerbetreibenden und Freiberuflern für eine Eintragung auf der privaten Internetseite firmenverlag24.de zu gelangen.

Die viel Geld kostet. Aber nichts wert ist.


Ein unerwarteter Anruf

Mit Spam-Anrufen bei Gewerbetreibenden, Handwerkern oder Freiberuflern in Deutschland geht es los. Die Anrufer sind geschickt. Die Angerufenen gehen nach dem Verlauf des Gesprächs davon aus, es mit den „echten“ Gelben Seiten zu tun zu haben, in dem sie eingetragen sind. Oder einem Anrufer im Auftrag von Google. Die Firma habe die Telefonbücher übernommen.

Ein zweites Telefonat oder ein zweiter Telefonteil folgen, in dem das „ja“ für einen Eintrag auf der Seite ihrregionalestelefonbuch.de mitgeschnitten wird. „Der guten Ordnung halber“, „weil es so üblich ist“, wird erklärt. Oder „wegen des Fernabsatzgesetz“. Das es seit fast 20 Jahren nicht mehr gibt,. Rückfragen werden während der Aufzeichnung nicht zugelassen. Man hätte nur mit „ja“ zu antworten, wird barsch angefahren. Die Legende im ersten Telefonat geht aus dem aufgezeichneten Telefonat nicht hervor. So kann man den Betroffenen später die Sprachaufzeichnung vorhalten und erklären, sie hätten doch ohne Wenn und Aber zugestimmt.

[Mehr zu der Doppel-Anruf-Masche]


Eine unerwarte Rechnung

Einige Tage nach dem „ja“ folgt die Rechnung über 749 EUR netto oder – „nur jetzt und heute“, wie es im Anruf vorgegaukelt wird - etwas rabattiert. Für einen zwölfmonatigen "Premiumeintrag" auf Firmenverlag24.de. Auch die Worte GoogleAdword und Google My Business finden sich verloren im Rechnungstext. Zu zahlen habe man binnen 14 Tagen. 3% Skonto kann man bei schnellerer Zahlung abziehen.

Die meisten Betroffenen merken jetzt, was ihnen widerfahren ist, wenn sie den Namen des ihnen unbekannten Rechnungsausstellers lesen.

Wenn die Betroffenen nicht zahlen, folgt ein Druckszenario. Mit Zahlungserinnerungen, Mahnungen und wirklich allerletzten Mahnungen.

[Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros?]

Wer zahlt, wird möglicherweise nach einem Jahr mit der nächsten Rechnung konfrontiert. Die AGB – Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf der Seite Firmverlag24.de beinhalten in § 9 eine in dieser speziellen Geschäftswelt beliebte Verlängerungsfalle:

“(9.1) Die Mindestlaufzeit des Vertrages beträgt 12 Monate und beginnt mit dem Vertragsabschluss. (9.2) Der Vertrag verlängert sich jeweils um weitere 12 Monate zum Standardpreis, falls er nicht spätestens 4-8 Wochen vor Ablauf des Vertrages schriftlich gekündigt wird.“


Was ist die Seite „Firmenverlag24“?

Die Seite firmenverlag24.de entspricht in jeder Beziehung dem, was man von solcherart Internetverzeichnissen erwarten kann. An der in eigenwilligem Deutsch formulierten Werbeaussage auf deren Eingangsseite

“Entdecken Sie die besten Unternehmen“,

ist nichts dran. Die Seite ist nahezu inhaltsleer. Suchanfragen gehen immer wieder ins Leere. Damit ist firmenverlag24.de für Benutzer so interessant wie ein Stadtplan, in dem nur 1% der Straßen wiedergegeben sind.

Nichts auch an der Werbeaussage dran:

“Firmen Verlag 24 ist bekannt für seine integrierten digitalen Marketinglösungen für kleine und mittlere Unternehmen“

Überhaupt: dass die Seite beworben wird, können wir nicht erkennen. Keiner kennt sie, niemand braucht sie. Etwas für eine Eintragung bei firmenverlag24.de zahlen, ist schlichtweg herausgeworfenes Geld. In einem vergleichbaren Fall sah das Landgericht Wuppertal deshalb die vereinbarte Vergütung wegen eines objektiv auffälligen Missverhältnisses von Leistung und Gegenleistung als sittenwidrig an.

[Zum Blog-Beitrag vom 05.12.2014 - Landgericht Wuppertal: Aufnahme in ein Internet-Branchen-Verzeichnis kann quasi wertlos sein]


Allerlei als Geschäftszweck

Die DBV Verlagsgesellschaft mbh wurde am 30.04.2020 im Handelsregister des Amtsgericht Offenbach am Main (HRB 52585) eingetragen. Noch unter dem Namen S&V Marketing GmbH. Eine Namensänderung wurde am 21.07.2020 verzeichnet. Seitdem führt man den Namen DBV Verlagsgesellschaft mbh.

Als Geschäftszweck ist im Handelsregister ein wahres Allerlei verzeichnet:

“ der Betrieb eines Buchverlages, außerdem die Vermittlung von Aufträgen aller Art, soweit dies nicht der Erlaubnis oder Genehmigung bedarf, insbesondere Dienstleistungen im Online-Bereich, außerdem der Online-Handel mit Elektroartikeln und sonstigen Waren, soweit dies nicht der Erlaubnis oder Genehmigung bedarf, außerdem Hausmeisterservice und die Erstellung von Webseiten.“

Offiziell ist Semir Ujkanovic Geschäftsführer der Firma. Ob er wirklich die Hosen anhat? Nach unserer Kenntnis der Geschäftssitten in dieser speziellen Business-Welt würden wir keine große Wette darauf eingehen wollen, dass er mehr als nur ein Strohpüppchen ist.


Klon Schweizer Abzocker

Bereits die Überschrift dieses Blog-Beitrages deutete es an. In der DBV Verlagsgesellschaft mbh und ihrem Internetauftritt steckt viel aus der Schweiz drin.

Seit einiger Zeit ist in Zürich die MM Access AG mit ihrem Verwaltungsrat Almir Radic im miesen Geschäft mit der Doppel-Anruf-Masche tätig. In dichter Folge tritt man mit wechselnden Bezeichnungen auf. Als Gelbes oder Blaues Telefonbuch. Als „Regionales Telefonbuch“. Später schob man eine SN Marketing aus Offenbach am Main dazwischen. Tatsächlich existierte die Firma nicht, was sie aber nicht hinderte als „Ihr Gelbes Verzeichnis“, „Ihr örtliches Telefonbuch“ oder – größenwahnsinnig – als „Regionaler Bundesverlag“ aufzutreten. Die Internetauftritte waren Luftnummern. Sie existierten jeweils nur kurze Zeit; wenn genug Betroffene gezahlt hatten, wurden sie abgeschaltet – das war dann das vorzeitige Ende mit der teuren Werbung. Später tauchten neue Firmennamen auf; teils existierten sie sogar.

Bei der Gestaltung der Seiten machte man sich keine Mühe. Sie waren nahezu Klone, bei denen nur die Namen und - manchmal - die Schriftfarbe geändert waren.

Nicht anders ist es beim Internetauftritt firmenverlag24.de. Er ist ein Klon der bisherigen Auftritte, hinter denen die MM Access AG steckt. Einschließlich der dort veröffentlichten AGB-Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Deren Texte unterscheiden sich nur im Firmennamen. DBV Marketing mbH oder Firmenverlag 24 heißt es jetzt. Zuvor MM Access AG, Regionaler Bundesverlag oder wie man gerade auftrat. Alles andere ist 1:1 gleich geblieben. Teils hat man sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Namen anzupassen. So jubelt auf der Seite firmenverlag24.de eine angebliche „Bettina Dierkes, Kosmetikerin“. Aber nicht über den Firmenverlag. Sondern über das Gelbe Verzeichnis. Von dort wurde auch 1:1 die sogenannte Rezension von „Bettina“ übernommen.



Auszug aus Firmenverlag24.de


Forderungen abwehren

Viel zu viele zahlen. Weil sie sich schämen, hereingelegt worden zu sein. Oder um Ruhe zu haben. So hält sich dieses spezielle Business der Abzocker-Szene schon seit Jahren.

Wenn man irrtümlich telefonisch der DBV Marketing mbH einen Auftrag für das Firmverzeichnis24.de erteilt hat, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche Reaktion der sicherste Weg, um die Forderung abwehren zu können.

Und passen Sie auf und sensibilisieren Sie Ihr Team: wenn es einer Abzocker-Firma gelang, mittels Doppel-Anruf einen Auftrag zu ergattern, ist die nächste nicht weit; kein Wunder, hängt doch in dieser speziellen Geschäftswelt häufig alles mit vielem zusammen. Bürgerliche Höflichkeitsformen sind hier fehl am Platz: Anrufe konsequent wegdrücken. Hörer auflegen. Sich unter keinen Umständen auf ein Gespräch einlassen. Diese Sprache versteht man. Die Belästigungen hören dann auf.




Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]



Über die MM Access AG hatten wir schon öfter in unserem Blog berichtet:

[Zum Blog-Beitrag vom 22.05.2019 - Mit Doppel-Anruf-Masche: die MM Access AG und dem Internetverzeichnis DasBlaueBranchenbuch.de]

[Zum Blog-Beitrag vom 30.10.2019 - Der nächste Schmu aus der Schweiz: "Das Gelbe Verzeichnis" mit dasgelbeverzeichnis.de]

[Zum Blog-Beitrag vom 14.02.2020 – Nächste Branchenbuchabzocke aus der Schweiz: MM Access AG mit Regionales Telefonbuch]

[Zum Blog-Beitrag vom 18.02.2020 - Noch mehr Abzockschwindel aus der Schweiz: "Das Gelbe Verzeichnis" und "Ihr örtliches Telefonbuch"]

[Zum Blog-Beitrag vom 11.05.2020 - Einschlägige Masche: die (angebliche) SN Marketing AG mit Regionaler Bundes Verlag und regionalerbundesverlag.de]

[Zum Blog-Beitrag vom 30.05.2020: Mit Wind aus der Schweiz – die LS Marketing GmbH mit ihrregionalestelefonbuch.de]

[Zum Blog-Beitrag vom 11.09.2020: A&M Marketing UG – Deutscher Firmenverlag: die 7. Firma mit MM Access Verdacht]




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