Nummer 9 mit MM Access Verdacht: die Acquisa Dienstleistung GmbH mit das-regionalefirmenportal.de

21.12.2020 – Etwa alle 6 – 12 Wochen kommt der nächste Name auf den Markt, der zur Schweizer Schwindelfirma MM Access AG unter ihrem Verwaltungsrat Almir Radic führt.

Jetzt ist es seit Mai 2019 der neunte Name, über den wir berichten. Eine Acquisa Dienstleistung GmbH mit ihrem im Jahr 2000 geborenen Geschäftsführer Anes Jukic. Auf ihrer Homepage nennt sie sich Das Regionale Firmenportal.

Mit dem alten Geschäftsmodell der Doppel-Anruf-Masche versucht die angeblich in der Mainzer Landstraße 351, 60326 Frankfurt am Main sitzende Firma an ein „ja“ von Gewerbetreibenden und Freiberuflern für eine Eintragung auf der privaten Internetseite das-regionalefirmenportal.de zu gelangen.

Die wie immer viel Geld kosten soll.


Ein unerwarteter Anruf

Mit Spam-Anrufen bei Gewerbetreibenden, Handwerkern oder Freiberuflern in Deutschland geht es los. Die Anrufer sind geschickt. Die Angerufenen gehen nach dem Verlauf des Gesprächs davon aus, es mit den „echten“ Gelben Seiten zu tun zu haben, in dem sie eingetragen sind. Oder einem Anrufer im Auftrag von Google. Die Firma habe die Telefonbücher übernommen.

Ein zweites Telefonat oder ein zweiter Telefonteil folgen, in dem das „ja“ für einen Eintrag auf der Seite ihrregionalestelefonbuch.de mitgeschnitten wird. „Der guten Ordnung halber“, „weil es so üblich ist“, wird erklärt. Oder „wegen des Fernabsatzgesetz“. Das es seit fast 20 Jahren nicht mehr gibt. Rückfragen werden während der Aufzeichnung nicht zugelassen. Man hätte nur mit „ja“ zu antworten, wird barsch angefahren. Die Legende im ersten Telefonat geht aus dem aufgezeichneten Telefonat nicht hervor. So kann man den Betroffenen später die Sprachaufzeichnung vorhalten und erklären, sie hätten doch ohne Wenn und Aber zugestimmt.

[Mehr zu der Doppel-Anruf-Masche]


Eine unerwarte Rechnung

Einige Tage nach dem „ja“ folgt die Rechnung über 999 EUR netto oder – „nur jetzt und heute“, wie es im Anruf vorgegaukelt wird - etwas rabattiert. Für einen zwölfmonatigen Eintrag auf das-regionalefirmenportal.de. Zu zahlen habe man binnen 14 Tagen. 3% Skonto kann man bei schnellerer Zahlung abziehen.

Die meisten Betroffenen merken jetzt, was ihnen widerfahren ist, wenn sie den Namen des ihnen unbekannten Rechnungsausstellers lesen.

Wenn die Betroffenen nicht zahlen, folgt ein Druckszenario. Mit Zahlungserinnerungen, Mahnungen und wirklich allerletzten Mahnungen.

[Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros?]

Wer zahlt, wird möglicherweise nach einem Jahr mit der nächsten Rechnung konfrontiert. Die AGB – Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf der Seite das-regionalefirmenportal.de beinhalten in § 9 eine in dieser speziellen Geschäftswelt beliebte Verlängerungsfalle:

“(9.1) Die Mindestlaufzeit des Vertrages beträgt 12 Monate und beginnt mit dem Vertragsabschluss. (9.2) Der Vertrag verlängert sich jeweils um weitere 12 Monate zum Standardpreis, falls er nicht spätestens 4-8 Wochen vor Ablauf des Vertrages schriftlich gekündigt wird.“


Was ist die Seite das-regionalefirmenportal.de

Die Seite mit das-regionalefirmenportal.de entspricht in jeder Beziehung dem, was man von solcherart Internetverzeichnissen erwarten kann. An der in eigenwilliger Rechtschreibung formulierten Werbeaussage auf deren Eingangsseite

“Das Regionale Firmenportal Die Beste Lösung Für Ihr Unternehmen“,

ist nichts dran. Und schon gar nichts an dem Satz in verkrampften Werbesprech:

“Tritt uns bei

Erweitern Sie Ihr Marketing mit das Regionale Firmenportal und seien Sie glücklich mit Ihrem Geschäft.

Ihr Unternehmen verdient es, Medienübergreifende Informationen ohne Medienübergreifenden Wert effizient freizusetzen Maximieren Sie schnell die zeitnahen Ergebnisse für Echtzeitschemata.“

Die Seite ist nahezu inhaltsleer. Suchanfragen gehen immer wieder ins Leere. Darauf, dass schon über 12.100 Unternehmen beigetreten sind, wie die Seite vollmundig behauptet, würden wir nicht wetten wollen. Wir gehen davon aus, dass die Seite das-regionalefirmenportal.de für Benutzer so interessant ist wie ein Stadtplan, in dem nur 1% der Straßen eingetragen sind.

Überhaupt: dass die Seite beworben wird, können wir nicht erkennen. Man kennt sie nicht, man braucht sie nicht. Etwas für eine Eintragung bei das-regionalefirmenportal.de gleicht dem Verbrennen von Geld. In einem vergleichbaren Fall einer anderen einschlägigen Werbefirma sah das Landgericht Wuppertal deshalb die vereinbarte Vergütung wegen eines objektiv auffälligen Missverhältnisses von Leistung und Gegenleistung als sittenwidrig an.

[Zum Blog-Beitrag vom 05.12.2014 - Landgericht Wuppertal: Aufnahme in ein Internet-Branchen-Verzeichnis kann quasi wertlos sein]


„Handel mit Waren aller Art“

Die mit einem Stammkapital von 25.000 EUR ausgestattete Acquisa Dienstleistung GmbH wurde am 21.12.2020 im Handelsregister des Amtsgericht Offenbach am Main (HRB 53181) eingetragen. Als Geschäftszweck ist ein wahres Allerlei vermerkt:

“Erbringung von Dienstleistungen im Online-Bereich, Handel mit Waren aller Art, insbesondere Büroartikel im Online-Bereich und die Erstellung von Webseiten.“

Offiziell ist Anes Jukic Geschäftsführer der Firma. Ob er wirklich etwas zu sagen hat? Nach unserer Kenntnis der Geschäftssitten in dieser speziellen Business-Welt würden wir keine große Wette darauf eingehen wollen, dass er mehr als nur ein williges Strohpüppchen ist.

Gegenüber dem Handelsregister gab man als Geschäftsanschrift den Georg-Büchner-Weg 18 in 63069 Offenbach an, im Impressum von das-regionalefirmenportal.de wird die Mainzer Landstraße 351 in Frankfurt am Main genannt. Wir gehen davon aus, dass man weder hier, noch dort, mehr als jemanden, der die Post weiterleitet, finden wird.


Klon Schweizer Abzocker

Bereits die Überschrift dieses Blog-Beitrages deutete es an. In der Acquisa Dienstleistung GmbH und ihrem Internetauftritt steckt viel aus der Schweiz drin.

Seit der ersten Hälfte des Jahres 2019 ist in Zürich die MM Access AG mit ihrem Verwaltungsrat Almir Radic im miesen Geschäft mit der Doppel-Anruf-Masche tätig. In dichter Folge tritt man mit wechselnden Bezeichnungen auf. Als Gelbes oder Blaues Telefonbuch. Als „Regionales Telefonbuch“. Später schob man eine SN Marketing aus Offenbach am Main dazwischen. Tatsächlich existierte die Firma nicht, was sie aber nicht hinderte als „Ihr Gelbes Verzeichnis“, „Ihr örtliches Telefonbuch“ oder – größenwahnsinnig – als „Regionaler Bundesverlag“ aufzutreten. Die Internetauftritte waren Luftnummern. Sie existierten jeweils nur kurze Zeit; wenn genug Betroffene gezahlt hatten, wurden sie abgeschaltet – das war dann das vorzeitige Ende mit der teuren Werbung. Später tauchten neue Firmennamen auf; teils existierten sie sogar.

Bei der Gestaltung der Seiten machte man sich keine Mühe. Sie waren nahezu Klone, bei denen nur die Namen und - manchmal - die Schriftfarbe geändert waren.

Nicht anders ist es bei das-regionalefirmenportal.de. Er entspricht den bisherigen Auftritte, hinter denen die MM Access AG steckt. Einschließlich der dort veröffentlichten AGB-Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Deren Texte unterscheiden sich nur im Firmennamen. Acquisa Dienstleistung GmbH heißt es jetzt.


Forderungen abwehren

Viel zu viele zahlen. Weil sie sich schämen, hereingelegt worden zu sein. Oder um Ruhe zu haben. So hält sich dieses spezielle Business der Abzocker-Szene schon seit Jahren.

Wenn man irrtümlich telefonisch der Acquisa Dienstleistung GmbH einen Auftrag erteilt hat, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche Reaktion der sicherste Weg, um die Forderung abwehren zu können.

Und passen Sie auf und sensibilisieren Sie Ihr Team: wenn es einer Abzocker-Firma gelang, mittels Doppel-Anruf einen Auftrag zu ergattern, ist die nächste nicht weit; kein Wunder, hängt doch in dieser speziellen Geschäftswelt häufig alles mit vielem zusammen. Bürgerliche Höflichkeitsformen sind hier fehl am Platz. Deshalb Anrufe konsequent wegdrücken. Hörer auflegen. Sich unter keinen Umständen auf ein Gespräch einlassen. So etwas versteht man.




Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]



Über die MM Access AG hatten wir schon öfter in unserem Blog berichtet:

[Zum Blog-Beitrag vom 22.05.2019 - Mit Doppel-Anruf-Masche: die MM Access AG und dem Internetverzeichnis DasBlaueBranchenbuch.de]

[Zum Blog-Beitrag vom 30.10.2019 - Der nächste Schmu aus der Schweiz: "Das Gelbe Verzeichnis" mit dasgelbeverzeichnis.de]

[Zum Blog-Beitrag vom 14.02.2020 – Nächste Branchenbuchabzocke aus der Schweiz: MM Access AG mit Regionales Telefonbuch]

[Zum Blog-Beitrag vom 18.02.2020 - Noch mehr Abzockschwindel aus der Schweiz: "Das Gelbe Verzeichnis" und "Ihr örtliches Telefonbuch"]

[Zum Blog-Beitrag vom 11.05.2020 - Einschlägige Masche: die (angebliche) SN Marketing AG mit Regionaler Bundes Verlag und regionalerbundesverlag.de]

[Zum Blog-Beitrag vom 30.05.2020: Mit Wind aus der Schweiz – die LS Marketing GmbH mit ihrregionalestelefonbuch.de]

[Zum Blog-Beitrag vom 11.09.2020: A&M Marketing UG – Deutscher Firmenverlag: die 7. Firma mit MM Access Verdacht]

[Zum Blog-Beitrag vom 08.11.2020 - Nummer 8 mit MM Access Verdacht: die DBV Verlagsgesellschaft mbH]



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