RSV-Verlag, Inhaber Stiev Kiefl: Vertreterbesuch mit (manchmal) unerfreulichem Ausgang

28.09.2020 – Die nächste Firma wurde uns bekannt, die es wert ist, hier in unserem Blog erwähnt zu werden.

Der RSV Verlag, Inhaber Stief Kiefl aus 08056 Zwickau/Sachsen versucht mit Hilfe von Außendienstlern an Unterschriften unter einem Formular zu gelangen. Und an deren Geld. Für eine Anzeigenschaltung, in einem „Werbeobjekt Info-Plakat“.

Doch darüber dürfte nach unserer Rechtsauffassung ein wirksamer Werbevertrag mit den Betroffenen nicht zustande kommen.


Ein Vertreterbesuch. Und eine Unterschrift

Ein Mitarbeiter der Firma RSV-Verlag erscheint bei Freiberuflern und Gewerbetreibenden, so wurde uns berichtet. Am Schluss des Gespräches steht die Unterschrift unter einem Formular an. Es soll in diesem Betrag nicht darum gehen, wie man an die Unterschrift der Betroffenen gelangt. Sondern darum, was unterschrieben wird.

Es geht jedenfalls um einen Anzeigeneintrag in einem „Werbeobjekt Info-Plakat“. Was sich dahinter verbirgt? Das Kleingedruckte im Vertrag schweigt dazu. Zu lesen ist aber, dass es neun Monate bis zur Geburt dauert. Wörtlich:

“Die erste Auflage wird spätestens neun Monate nach Abschluss des Anzeigenauftrages ausgeliefert und veröffentlicht.“

Eine zweite Auflage soll zwölf Monate nach Auftragserteilung später erscheinen. Insgesamt werden 200 Exemplare des sogenannten Werbeobjektes erstellt. 200 Exemplare innerhalb von 12 Monaten hört sich natürlich besser an, als wenn man von 100 pro Auflage spricht.

Die gerade einmal 100 Exemplare pro Auflage werden laut dem Kleingedruckten

“vom Verlag an geeigneten Orten, öffentlichen Einrichtungen sowie bei Gewerbetreibenden im Verbreitungsgebiet zur Auslieferung gebracht […] Auf die Dauer des Aushanges der Werbeobjekte sowie Werbewirksamkeit der vom Inserenten geschalteten Anzeige kann der Verlag keine Haftung übernehmen.“

Doch nach welchen Kriterien werden überhaupt die Empfänger ausgesucht? Der Vertrag des RSV-Verlag schweigt dazu. Und was dann, wenn das Werbeobjekt nicht ausgehängt, sondern im Papierkorb entsorgt wird? Dann war es das mit der Werbung.

Außerdem sieht der Vertrag noch eine Freischaltung des Betroffenen auf einer Internetplattform vor: locayo.de. Was sich dahinter verbirgt, ist das Geheimnis des RSV-Verlages. Heute funktioniert die Seite nicht. Und wann das der Fall sein dürfte, bleibt im Nebulösen des Vertrages stecken. Dort heißt es, dass die Eröffnung eines Kundenkontos bis zu zwölf Monaten dauern kann.

[Muster eines Formular des RSV-Verlag, Inhaber Stiev Kiefl]


Die Rechnung

Für eine 4,6 x 9,6 cm kleine Anzeige werden pro Ausgabe schon mal 613,52 € brutto fällig. Mal zwei genommen, soll der Vertrag die Betroffenen dann innerhalb eines Jahres 1.227,04 € kosten. Die Rechnung, die bei den Betroffenen eingeht, nennt ein Konto bei der Deutschen Bank PGK Chemnitz. Der Gesamtbetrag ist sofort nach Erhalt fällig, heißt es.

Ab der zweiten Rechnung wird bei Firmen in dieser speziellen Werber-Szene gerne argumentiert, man hätte mit der Zahlung der ersten Rechnung in jedem Fall das Bestehen eines Vertrages anerkannt.

Es kann sogar noch teurer werden, wenn folgender Satz im Auftragsformular nicht gestrichen ist:

"Nach Ablauf der Vertragslaufzeit verlängert sich der Anzeigenauftrag jeweils um ein weiteres Jahr, wenn dieser nicht spätestens drei Monate vor Vertragsende schriftlich gekündigt wird.“


Forderungsabwehr ist möglich

Solche Verträge, wie die der uns vorliegende über eine Veröffentlichung in einem Info-Plakat sind angreifbar. Vor allem deshalb, weil kein wirksamer Vertrag zustande kommen wird, wenn die Gegenleistung so dürftig beschrieben ist. Um es im Juristenlatein zu formulieren: es mangelt dann an den essentialia negotii.

Wenn man eine Rechnung für einen angeblich auf diese Weise dem RSV-Verlag, Inhaber Stiev Kiefl erteilten Anzeigenauftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühe Reaktion der sicherste Weg, um sich dagegen wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns – unverbindlich – vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.





Mehr zu diesem Thema:
[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]

Neu ist er nicht:
[Seit über 100 Jahren: Inseratenschwindel, damals so wie heute]

Siehe auch:
[Die Abzockerfirmen und ihre Konten]





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