Tuzla und Berlin: WeConnect alias WeConnect24 mit der Doppel-Anruf-Masche

03.01.2022 mit Update vom 21.01.2022 – Das neue Jahr ist erst drei Tage alt und schon wurde uns die nächste Firma bekannt, die versucht, mit der Doppel-Anruf-Masche an das Geld von Gewerbetreibenden und Freiberuflern aus Deutschland zu kommen.

[Mehr zur Doppel-Anruf-Masche]

Erneut ist uns aus Tuzla/Bosnien-Herzegowina ein Name bekannt geworden. Eine Firma WeConnect d.o.o., die in ihrem Briefkopf auch unter WeConnect24 auftritt, versucht per Telefon Aufträge für “Local listing Einträge“ zu ergattern. Und will dann an das Geld der Betroffenen.


Ein Trickanruf kommt

Das Geschäftsmodell mit der Doppelanruf-Masche, wird uns so oder so ähnlich berichtet:

Ein Cold-Call, also ein Spam-Anruf kommt. Der Anrufende sitzt in einem Call-Center. Er hat ein recht resolutes Auftreten: es ginge um den Branchenbucheintrag der angerufenen Firma in .…. – dann folgt ein Name. Der wäre bislang kostenlos gewesen und weil er nicht gekündigt wurde, müsste jetzt gezahlt werden; man wolle die Daten abgleichen. Oder es wird auf eine Art Premium-Eintrag verwiesen oder auf Google – jetzt koste der Geld. Den Einwand, derartiges sei nicht bekannt, kennt der Anrufer zur Genüge schon aus voran gegangenen Telefonaten bei anderen Firmen; schließlich gab es zuvor noch nie eine Geschäftsbeziehung. Bestimmt und deutlich wird entgegnet, das sei aber so registriert und man hätte nur die Möglichkeit, jetzt für einen mehr oder minder langen Zeitraum mit entsprechend mehr oder weniger Kosten zu zahlen. Dass tatsächlich vorher keine Geschäftsverbindung bestand, wird für die Angerufenen nicht sofort deutlich. Sie glauben schließlich, in der Hektik des Geschäftsalltags etwas übersehen zu haben und jetzt noch am besten davon zu kommen, wenn sie die vermeintlich günstigste Möglichkeit wählen. Manchmal wird mit einem Rabatt nachgeholfen. Nur jetzt, hier und heute, wird suggeriert.

In einem zweiten Telefonat oder in einem zweiten Gesprächsteil lassen sich die Firmen dann den Vertragsschluss bestätigen. Dieses Telefonat wird aufgezeichnet. Die Begründungen sind vielfältig: „die gute Ordnung“ wird zum Beispiel genannt oder ein – tatsächlich nicht existierendes – Fernabsatzgesetz. Die Daten werden so abgefragt, dass die Antworten stets „ja“ lauten.


Kaum Gegenleistung

Wenn die erste Rechnung kommt, bemerken die Betroffenen meist den Schmu der WeConnect d.o.o. Für einen Eintrag auf der Seite firmenfinder24.com sollen 92,43 EUR brutto auf ein Konto bei der belgischen Bank Transferwise Europe SA NV gezahlt werden. Monatlich. 12 Monate lang. Das sind dann 1.109,16 EUR. Später wird mit diversen Mahnungen und dem Inkasso-Unternehmen National Inkasso GmbH aus Düsseldorf ein Druck-Szenario aufgebaut. Nach Art solcher Firmen hat auch die WeConnect. d.o.o. in Ziffer 4.2. Ihrer AGB – Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Verlägerungsfalle versteckt:

„4.2 Sollte der Auftraggeber nicht innerhalb von drei Monaten vor Ablauf der Vertragslaufzeit bzw. vor Ablauf des Verlängerungszeitraumes kündigen, verlängert sich der Vertrag automatisch stillschweigend um die angegebene 1.Vertragslaufzeit.“

Gezahlt werden soll innerhalb von sieben Tagen auf ein Konto von Transferwise Europe SA NV in Brüssel/Belgien.

Bei der Gegenleistung bleibt WeConnect d.o.o. vage. In deren AGB heißt es dazu:

“Der Auftraggeber bevollmächtigt WeConnect d.o.o., in seinem Namen Einträge in elektronische Branchen- und Firmenverzeichnisse und weiteren Portalen anzulegen und diese zu pflegen. Die im Rahmen der Einträge zu veröffentlichenden Geschäftsdaten, deren Format und ihre Platzierung werden durch den jeweiligen Betreiber des Online-Verzeichnisses verbindlich definiert. Der Kunde nimmt zur Kenntnis, dass WeConnect d.o.o. hierauf keinen Einfluss hat.“


Berliner (Deck-?)Anschrift

Die WeConnect d.o.o. gibt auf ihren Schreiben auch eine Berliner Anschrift an. In der Schönhauser Allee 163. Darauf, dass man dort jemanden von der Firma antrifft, würden wir keine große Wette eingehen wollen. Unter dieser Anschrift ist ein Dienstleister sesshaft, der unter anderem virtuelle Büros anbietet. Auf gut Deutsch: Deckadressen.


Solche Forderung lässt sich abwehren

Das Geschäftsmodell der Doppel-Anruf-Masche hält sich seit vielen Jahren. Viel zu viele zahlen nämlich, selbst nachdem sie merken, um was es wirklich geht. Um ihre Ruhe zu haben. Und halten so dieses ganz spezielle Business am Laufen.

Forderungen der WeConnect aus so zustande gekommenen Verträgen lassen sich abwehren. Je früher desto besser. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns erst einmal – unverbindlich – Ihre Unterlagen. Wir melden uns dann.

Wenn sich ein Inkassobüro meldet, wie die National-Inkasso, wird man sofort handeln müssen. Es können sonst Nachteile bei Schufa & Co. drohen.



Update vom 21.01.2022:
Jetzt auch mit Onlinekleinanzeigen.com

Ein weiteres Standbein der WeConnect wurde bekannt. Eine Seite onlinekleinanzeigen.com.

Die Masche ist dieselbe geblieben, nur der Name wurde geändert. 599 EUR netto werden für einen Eintrag auf dieser Seite verlangt. Schnell meldet sich auch hier die National-Inkasso, wenn nicht rechtzeitig gezahlt wird. Szeneüblich findet sich in den AGB der WeConnect für Einträge bei onlineanzeigen.com auch eine Verlängerungsfalle. Der Vertrag würde sich um ein Jahr verlängern, wenn er nicht gekündigt wird, heißt es in § 6.



Siehe auch:

Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros?


Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]



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