Wer Handwerker mit Terrassenabdichtung beauftragt, muss dichte Terrasse bekommen

28.07.2019 - Wer einen Handwerker mit der Abdichtung seiner Terrasse beauftragt, will, dass zukünftig kein Wasser über die Terrasse oder durch sie hindurch in das Gebäude eindringt. Geschieht das dennoch, muss der Handwerker nacherfüllen.

Auch dann, wenn ihm ein Ausführungsfehler nicht nachzuweisen ist. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH, Urteil vom 07.02.2019 – VII ZR 274/17).


Unzufrieden mit Südwest-Terrasse

In der Mitte von Schleswig-Holstein war ein Hauseigentümer mit seiner Südwest-Terrasse unzufrieden. Sie lag vor dem Hobbyraum im Keller. Bei Regen floss das Wasser nicht so, wie es sollte. Sondern in den Keller hinein.

Im Jahre 2009 beauftragte er einen Handwerker mit der Abdichtung der Terrasse. Der begann im November 2009 mit einem Bitumen-Voranstrich. Hierauf verlegte er zwei Lagen Bitumen-Schweißbahnen. Danach brachte ein anderer Handwerker Estrich auf und verlegte darauf Fliesen. Zum Abschluss nahm der Handwerker an den Rändern Zinkisolierungen vor, montierte Wandanschlussschienen und versiegelte diese mit Silikon. Es war mittlerweile August 2010 geworden, als er damit fertigt wurde.

Der Hauseigentümer sah sich alles an, war zufrieden und zahlte. Doch seine Freude hielt nicht lange an. An den an die Terrasse angrenzenden Wänden zeigte sich Feuchtigkeit. Ein Sachverständiger kam und stellte eine mangelhafte Abdichtung der Terrasse fest.

Der Hauseigentümer forderte vom Handwerker eine Mängelbeseitigung. Der sah die Schuld bei allen anderen, nur nicht bei sich. Und machte nichts. Es kam zum Prozess. In der ersten Instanz vor dem Landgericht Itzehoe verlor der Handwerker. Er legte Berufung ein und gewann in der zweiten Instanz vor dem Oberlandesgericht Schleswig. Die sahen die Sache ganz anders, als ihre Kollegen in der Vorinstanz. Es reiche nicht, irgendeine Undichtigkeit festzustellen, meinten sei. Wer sage denn, dass der Handwerker für den Sachmangel verantwortlich sei. Sie wiesen die Klage ab. Ganz sicher schienen sie sich aber dabei nicht zu sein. Denn sie ließen eine Revision zum Bundesgerichtshof zu.


Terrassenabdichtung muss wasserundurchlässig sein

Nunmehr war die dritte Instanz am Zuge. Sie verwiesen den Rechtsstreit zurück an das Oberlandesgericht Itzehoe. Auch ohne, dass man dieses ausdrücklich vereinbart, muss eine Abdichtung einer Terrasse wasserundurchlässig sein, meinten die Bundesrichter. Aus dem Urteil:

“Welche Beschaffenheit eines Werkes die Parteien vereinbart haben, ergibt die Auslegung des Werkvertrages […]; zur vereinbarten Beschaffenheit […] gehören alle Eigenschaften, die nach der Vereinbarung den vertraglich geschuldeten Erfolg herbeiführen sollen […] Der Beklagte schuldete die Abdichtung der Terrasse, also die Herbeiführung eines Zustands, der ausschließt, dass (Regen-)Wasser über die Terrasse oder durch sie hindurch in das Gebäude eindringt […]. Die Wasserundurchlässigkeit der Terrasse ist darum Bestandteil der vertraglichen Beschaffenheitsvereinbarung. Ob das Werk seiner Funktion nicht gerecht wird, kann zum Beispiel durch einen weiteren Flutungsversuch mit gefärbtem Wasser oder einem Leckagetest überprüft werden.

Hierzu ist die Freilegung der Terrassenabdichtung nicht erforderlich.

Soweit das Berufungsgericht der Auffassung sein sollte, es bedürfe losgelöst vom Abnahmezeitpunkt zur Annahme eines Sachmangels […] grundsätzlich der Feststellung, auf welche Ursache ein etwaiges Funktionsdefizit zurückzuführen ist, wäre dies unzutreffend.“


Nacherfüllung ohne Handwerkerverschulden

Und wenn sie jetzt undicht ist, habe sich der Handwerker darum zu kümmern. Noch einmal aus dem Urteil:

“Der Unternehmer schuldet Nacherfüllung verschuldensunabhängig auch dann, wenn ihm ein Ausführungsfehler, der dazu geführt hat, dass die vereinbarte Beschaffenheit nicht erreicht wurde, nicht nachzuweisen ist […]“


Das kann teuer werden


Der Rechtsstreit wurde an die Vorinstanz zurück verwiesen. Sollte das Oberlandesgericht Schleswig nun doch dem Hauseigentümer Recht geben, wird vier Instanzen später dem Handwerker seine Weigerung teuer auf die Füße fallen.