Bundesgerichtshof stellt klar, wie Baumschäden zu ersetzen sind: nach der "Methode Koch"

28.02.2013 - Eine aktuelle Entscheidung des Bundesgerichtshof (BGH, Urteil vom 25.01.2013 – V ZR 222/12) zum Schadensersatzanspruch nach einem Baumschaden liegt jetzt vor. Das Gericht bestätigte die Möglichkeit einer Schadensberechnung nach der bewährten „Methode Koch“. Den Haftpflichtversicherungen wird das nicht gefallen - ihre Hoffnung, zukünftig weniger Schadensersatz an Geschädigte zahlen zu müssen, wurde nicht erfüllt.

In dem vom Bundesgerichtshof entschiedenen Rechtsstreit hatten sich zwei Grundstücksnachbarn gestritten. Auf der Grenze zwischen deren Grundstücken befand sich auf dem Grundstück des späteren Klägers auf einer Länge von 15 Metern eine über 7 Meter hohe Thujenanpflanzung. An denen nahm der andere Nachbar, der spätere Beklagte, ohne Einwilligung Stämmlings- und Astkappungsarbeiten vor – zudem nicht fachgerecht. Die Folge: die Thujen sind jetzt dauerhaft verstümmelt und in ihrer Funktionalität beeinträchtigt, der optische Eindruck des Grundstücks nicht unerheblich beeinträchtigt. Den Schaden bezifferte ein Sachverständiger nach der „Methode Koch“ mit 4.000 EUR.

Der Beklagte zahlte nicht, es kam zum Prozess, der schließlich bis zum Bundesgerichtshof führte. Eine der Fragen dabei war, wie man den Schaden berechnet. Seit 1975 entspricht die nach Ihrem Begründer, einem mittlerweile verstorbenen Sachverständigen, genannte „Methode Koch“ der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes. Sie hat sich in der Praxis als Berechnungsmethode bewährt. Es handelt sich dabei um ein Sachwertverfahren. Bei der Bestimmung der Schadensersatzhöhe geht das Verfahren davon aus, dass ein Baum ein wesentlicher Bestandteil des Gründstücks ist, eine Funktion für dieses ausübt und seine Beschädigung den Grundstückswert mindert. Diese Berechnungsmethode führt im Ergebnis zur Feststellung deutlicher Schadenshöhen.

Es gab deshalb in den letzten Jahren Stimmen, die zu einem – wohl vor allem für die Versicherer – günstigeren, also billigeren, Ergebnis gelangen wollten. Als Ansatzpunkt sahen sie die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV2010). Nach dieser Verordnung sind Gartenanlagen bereits im Bodenwert enthalten und können nicht mehr gesondert berechnet werden. Ein Geschädigter müsste mit einem deutlich niedrigeren Schadensersatzbetrag rechnen. Die Überlegung, auf diese Verordnung zurück zu greifen, war aber falsch, stellte jetzt der BGH fest:

„Sie ist auf den hier erforderlichen Vergleich eines konkreten Grundstücks vor und nach einem Schadensereignis aber nicht zugeschnitten. Würde sie auch der Schadensberechnung bei der Beschädigung von Gehölzen zugrunde gelegt, hätte dies zur Folge, dass der Grundstückswert unabhängig von dem Ausmaß der Beschädigung regelmäßig unverändert bliebe. Dass dies nicht richtig sein kann, liegt […] auf der Hand..“

Es bleibt also dabei, dass die „Methode Koch“ weiterhin der richtige Ansatzpunkt ist, mit der ein Sachverständiger den Schaden berechnen kann.

Außer den 4.000 EUR bekommt der Kläger seine vorgerichtlich aufgewendeten Anwaltskosten erstattet. Auch die im weiteren Verlauf des Rechtsstreits entstandenen Anwalts- und Gerichtskosten hat jetzt die Gegenseite zu tragen.



In weiteren Beiträgen unseres Bau-News-Blog geht es rund um das Thema Bäume:

[Zum Bau-News-Beitrag vom 23.10.2011: Baumschaden – Gericht setzt auf bewährte Schadensberechnung]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 19.01.2012: Auch beim private Fällen von Bäumen schützt die Privathaftpflicht-Versicherung, entschied der Bundesgerichtshof]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 27.06.2012: Höherwertigere Bäume zu liefern als bestellt, kann ein Mangel sein]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 11.01.2013: Baum gefällt – muss vor Baumstumpf gewarnt werden?]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 05.11.2013: Ein Privatmensch muss die Standsicherheit seiner Bäume nicht durch Fachleute prüfen lassen]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 24.03.2014: Bundesgerichtshof - eine absolute Sicherheit gibt es gegen abbrechende Äste nicht]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 09.11.2015: Bundesgerichtshof bestätigt: Nachbar muss hinnehmen, dass ein Baum Schatten wirft]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 25.11.2016: Ein Berg-Ahornbaum gehört nicht auf den Balkon]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 20.07.2017: Durchwurzelung von Abwasserleitung – Nachbar muss deswegen nicht den Baum fällen]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 26.01.2018: Für Laub von Nachbars Baum kann Geld verlangt werden - theoretisch jedenfalls]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 19.04.2018 - Auch wenn es im BGB steht: nicht immer darf man herüberragende Äste abschneiden]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 15.02.2019 - Wenn Baurecht besteht: Baumschutz kann zurück treten]


Dieser Beitrag ist im Blog „Bau-News“ erschienen.


Schadensersatzrecht nach Beschädigung von Bäumen
ist ein Tätigkeitsfeld von uns. Ihr Ansprechpartner:
Claus Radziwill, Rechtsanwalt und Fachanwalt für
Bau- und Architektenrecht, Berlin

Kontakt über Telefon
Rechtsanwälte Radziwill ● Blidon ● Kleinspehn
Rechtsanwälte | Fachanwälte
030 - 861 21 24

Kontakt über Fax
Rechtsanwälte Radziwill ● Blidon ● Kleinspehn
Rechtsanwälte | Fachanwälte
030 - 861 26 89

Kontakt über E-Mail
Rechtsanwälte Radziwill ● Blidon ● Kleinspehn
mail [at] radziwill.info