Der nächste Anwalt der GWE Wirtschaftsinformations GmbH: Michael Murat Sertzös aus Köln

27.05.2014 mit diversen Updates, zuletzt vom 25.01.2016 – Es ist deutlich ruhiger geworden um die GWE Wirtschaftsinformations GmbH, die angeblich in Düsseldorf sitzt. Ebenso angeblich ist ihr Geschäftsführer ein Mann namens Sebastian Cyperski. Das doppelte "angeblich" in den letzten Sätzen deshalb, weil Ermittlungen erbrachten, dass Cyperski ein bloßer Befehlsempfänger sein dürfte, der die Beute an die Hintermänner abführen muss. Das sind nach einem Bericht der Online-Ausgabe des Hamburger Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL die Brüder Andreas Kaltenmeier und Thomas Kaltenmeier aus Frechen bei Köln. Und in Düsseldorf ist die Firma auch nicht wirklich anzutreffen.

[Spiegel Online am 13.10.2013 – Millionengeschäft: Abzocke mit Amtsanschein]

Mit der Masche von Lug und Trug versucht immer wieder die GWE – Wirtschaftsinformations GmbH an Unterschriften zu gelangen. Mit denen sich die Opfer dieser Methode verpflichten sollten, 596,06 EUR zu zahlen. Mal zwei, also 1.138,12 EUR. Für einen Eintrag in ein privates Internetverzeichnis namens Gewerbeauskunft-Zentrale.de.

Mit Rechtsanwälten versucht man dann an das Geld derer heranzukommen, die sich nicht auf solche Weise über den Tisch ziehen lassen wollen. In diesen Tagen ist ein neuer Name aufgefallen: Rechtsanwalt Michael Murat Sertsöz aus Köln, der als M.M.S. Rechtsanwalts- und Wirtschaftskanzlei, Hohenstaufenring 17, 50674 Köln auftritt.

Wahllos verschickt per Briefpost die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH Formulare an Handwerker, Freiberufler und Unternehmen. Sogar Schulen und Kindergärten sollen solche Post erhalten haben, konnte man in Presseberichten lesen. Das Formular erweckt einen amtlichen Anschein. Es ist aus grauem Recyclingpapier, wie man es von Behörden oder der Deutschen Telekom kennt. Die Daten für den Grundeintrag sind bereits maschinell voreingetragen. „Für den einwandfreien Eintrag Ihres Gewerbebetriebes prüfen Sie bitte die Daten zum Basiseintrag und senden uns diese bei Annahme … zurück“, heißt es. Nur sehr klein versteckt findet sich ein Hinweis darauf, dass man dann Geld haben möchte: 39,85 EUR pro Monat, dies 24 Monate.

Im Glauben eine Institution, mit der man bereits in Geschäftsverbindung stände, etwa die Telekom oder die IHK, würde die Daten aktualisieren wollen, sandten viele Betroffene die Formulare zurück. Nach Auffassung der GWE-Wirtschaftsinformations GmbH kommt damit ein kostenpflichtiger Vertrag über einen Eintrag in der Gewerbeauskunft-Zentrale.de zustande. Laut Spiegel Online sollen die Ermittlungsbehörden davon ausgehen, dass bis zum letzten Herbst mehr als 100.000 Menschen auf diese Weise abgezockt worden sein und wurde ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe angerichtet.

Forderungen, die so zustande gekommen sind, muss aber keiner begleichen. Wir haben das in der Vergangenheit in vielen Blog-Beiträgen mitgeteilt. Um trotzdem an das Geld der Geprellten heranzukommen, verschickt die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH eine Flut von Briefen: Erinnerungen, Mahnungen und eine Vielzahl von Schreiben, die mit letzten und allerletzten Mahnungen tituliert sind. Alles in der Hoffnung, die Betroffenen irgedwann mürbe zu machen.

Schließlich werden Rechtsanwälte aufgefahren – etwa 10 waren es bisher, sie kamen und blieben mitunter nicht lange. Zuletzt war eine Rechtsanwältin mit einer selbst ernannten „Kanzlei für Wirtschaftsrecht“ aus Köln aktiv. Sie rief in den letzten Wochen mehrfach bei uns an und bestand darauf, dass wir ihren Namen in unseren Blog-Beiträgen nicht mehr erwähnen dürfen. Sie sei damals zu der Arbeit für die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH gezwungen worden, angeblich von der Arbeitsagentur, die ihr mit Nachteilen gedroht haben soll. Naja, wir haben schon deutlich bessere Stories gehört.

Nun also die M.M.S. Rechtsanwalts- und Wirtschaftskanzlei des Kölner Rechtsanwalts Michael M. Sertsöz. Seit 18 Jahren ist er als Rechtsanwalt zugelassen. Googelt man nach seinem Namen, findet man viele Berichte, die von beruflichem Engagement als Strafverteidiger für tatsächliche oder mutmaßliche islamische Gotteskrieger oder Propagandisten eines Kalifatstaat in Deutschland künden. Solche Mandanten zu haben ist als solches nichts Ehrenrühriges; gegen den staatlichen Strafanspruch hat jeder ein Recht auf die bestmögliche juristische Verteidigung – gleichgültig, ob er seine Anweisungen von einem Gott, dem Führer oder einer Stimme in seinem Kopf erhielt. Was so einen etablierten Rechtsanwalt jedoch bewegt, sich jetzt als Geldeintreiber für die Abzockerszene herab zu lassen, ist uns unverständlich. Als erfahrener Strafverteidiger wird er aber wenigstens wissen, wie er sich zu verhalten hat, wenn die Ermittlungsbehörden auch sein Büro zur Durchsuchung aufsuchen.

Betroffene erhalten ein Schreiben dieser M.M.S. Rechtsanwalts- und Wirtschaftskanzlei des Michael Murat Sertsöz. Aggressiv-fordernd, inhaltlich aber eher dürftig. Man soll Geld für die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH zahlen. Auf ein Konto der Postbank Dortmund. Gerichte hätten angeblich entschieden, dass die Forderung der GWE-Wirtschaftsinformations GmbH rechtens sei, schreibt er. „Und im Himmel ist Jahrmarkt“, sagt man in Berlin zu so etwas. Außerdem gibt es noch einen Hinweis darauf, dass man Daten der Opfer über außergerichtliche bzw. gerichtliche Einziehungsmaßnahmen an Wirtschaftsauskunfteien übermitteln könne, sofern die Voraussetzungen des Bundesdatenschutzgesetzes gegebenen sind. Eine Aussage, ähnlich inhaltsvoll, als sei geschrieben worden, dass es um 3 Uhr nachts dunkler ist als um 15 Uhr nachmittags.

[Auszug aus einem Schreiben der M.M.S-Kanzlei des Rechtsanwalts Sertsöz, erste und letzte Seite]

Vor solchen Drohungen muss niemand Angst haben. Die Rechtslage ist nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes vom 26.07.2012, die zu derartigen Geschäftsmodellen erging, zu Gunsten der Opfer entschieden.

[Zum Blog-Beitrag vom 25.08.2012]

Man muss sich zwar gegen solche Ansinnen der GWE-Wirtschaftsinformations GmbH wehren. Das war es dann aber auch. Gerne können Sie uns dazu ansprechen. In der Vergangenheit hat die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH in keinem der Fälle, wo wir deren Opfer vertraten – und das waren nicht wenige – es gewagt, diese zu verklagen. Stattdessen versucht man es mit ständigen Mahnungen, immer in der Hoffnung, dass sie irgendwann doch noch mürbe werden. Wofür kein Anlass besteht.

Wem es dennoch zu viel wird, der kann den Spieß umdrehen und die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH vor dem Amtsgericht Düsseldorf verklagen – auf Feststellung, dass ihr für einen Eintrag auf der Seite der Gewerbeauskunft-Zentrale.de kein Anspruch zusteht.

Viel zu viele der Betroffenen zahlen. Anderenfalls wäre das Geschäftsmodell längst eingeschlafen So kommen die Hintermänner dieses Geschäftsmodells zu ihren Sportwagen, von denen Spiegel Online berichtet.. Wenn man irrtümlich ein Eintragungsformular für die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH und ihre Gewerbeauskunft-Zentrale.de unterschrieben und zurückgesandt hat, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche und entschlossene Reaktion der sicherste Weg, um unberechtigte Forderungen abzuwehren. Gerne können Sie uns dazu ansprechen. Da auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch andauern, kann man diese unterstützen. Schicken Sie eine Strafanzeige an die Abteilung für Wirtschaftskriminalität der Staatsanwaltschaft Düsseldorf, Fritz-Roeber-Straße 2, 40213 Düsseldorf.


Update vom 16.06.2014:

Wir hatten schon geschrieben, dass man es mit ständigen Mahnungen versucht, die Betroffenen mürbe zu machen – bis sie zahlen. Eine neue Runde der Produktion bedruckten Papiers wurde jetzt eröffnet:

Michael M. Sertsöz und seine M.M.S. Rechtsanwalts- und Wirtschaftskanzlei fordern „letztmalig außergerichtlich“ zur Zahlung auf. Ansonsten würde man für die GWE Wirtschaftsinformations GmbH einen Mahnbescheid beantragen. Den ausgefüllten Vordruck, den man dafür verwenden werde, schickt man bereits mit. Die höchstrichterliche Rechtsprechung des Bundesgerichtshof spreche für die Wirksamkeit des Vertrages, heißt es weiter. Ob Michael Murat Sertsöz diesen Unsinn eigentlich selber glaubt?

Wer sich allerdings gegen die Forderungen der GWE Wirtschaftsinformations GmbH nicht zur Wehr setzt, weil er hofft, das Unheil würde dann über ihn hinweg fliegen, kann in der Tat eine böse Überraschung erleben. Das sind diejenigen, gegen die solche Firmen mit Vorliebe schon mal gerichtlich vorgehen; entgegen den Gerüchten, dass so etwas niemals geschehen würde.


Update vom 25.06.2014:

Manche, die sich gegen die Forderung der GWE Wirtschaftsinformations GmbH wehren, erhalten einen Formbrief der M.M.S. Rechtsanwalts- und Wirtschaftskanzlei des Michael Murat Sertzös. Darin heißt es:

„Zur Vermeidung einer langwierigen und kostenintensiven gerichtlichen Auseinandersetzung wäre unsere Mandantin allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus Kulanz bereit, ihre fällige Forderung aus der Re.-Nr. (…) auf 50% zuzüglich der anteiligen Zinsen und der Kosten unserer Erstbeauftragung zu reduzieren.“

[Auszugsweises Muster eines Vergleichsangebots der M.M.S. Rechtsanwalts- und Wirtschaftskanzlei, Seiten 1 und 3]

Doch das ist eine Falle! Damit ist nur die Rechnung über 569,06 EUR für das erste Vertragsjahr aus der Welt geschafft. Nicht aber für das zweite Jahr. Hier wird anschließend die GWE-Wirtschaftsinformation GmbH argumentieren, man hätte mit diesem Vergleich das Bestehen eines Vertrages über einen Eintrag auf der Internetseite gewerbeauskunft-zentrale.de anerkannt. Und damit auch die Zahlungspflicht für das zweite Jahr.

Grundsätzlich empfehlen wir, an die Branchenbuch-Abzockerszene nichts zu zahlen; nur so lässt sie sich austrocknen.


Update vom 08.10.2014:

Immer noch ist die Kölner M.M.S. Rechtsanwalts- und Wirtschaftskanzlei des Michael Murat Sertsöz dabei, Forderungen der GWE Wirtschaftsinformations GmbH zu behaupten. Die Masche ist seit viereinhalb Monaten unverändert. Mal wird mit Vehemenz ein Anspruch behauptet und mit überholten beziehungsweise nicht vergleichbaren Urteilen gewinkt. Bald darauf kommt ein Vergleichsangebot, dann wird wieder mit einem gerichtlichen Mahnverfahren gedroht und ein bereits ausgefüllter Vordruck als angeblichen Beleg der Entschlossenheit mitgeschickt. Danach geht es von vorne los.

In welchen Größenordnungen durch die M.M.S.-Kanzlei versucht wird, Geld beizutreiben, zeigen die Zugriffszahlen auf diesen Blog-Beitrag: ordentlich fünfstellig sind sie.

Übrigens hat bis heute die GWE Wirtschaftsinformations GmbH gegen keinen der von uns vertretenen Mandanten gerichtliche Schritte eingeleitet.


Update vom 25.01.2016 -
Das war's


[Das Ende von Gewerbeauskunft-Zentrale.de]

In weiteren Blog-Beiträgen setzen wir uns mit der GWE-Wirtschaftsinformations GmbH und ihrer Internetseite Gewerbeauskunft-Zentrale.de auseinander:

[Zum Blog-Beitrag vom 16.06.2011]
[Zum Blog-Beitrag vom 09.07.2011]
[Zum Blog-Beitrag vom 15.07.2011]
[Zum Blog-Beitrag vom 22.12.2011]
[Zum Blog-Beitrag vom 22.02.2012]
[Zum Blog-Beitrag vom 01.06.2012]
[Zum Blog-Beitrag vom 25.03./30.03.2013]
[Zum Blog-Beitrag vom 12.04.2013 mit diversen Updates]

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