Die Expo Guide-Abzocke mit neuen Namen: Inversiones DGSM aus Costa Rica und Blue Bay Services aus Ungarn

28.08.2016 mit diversen Updates, zuletzt vom 12.07.2017 – Regelmäßig berichten wir in unserem Blog „Neues aus der Welt der Abzocker und Werbeverlage“ über die Masche mit dem Internetregister Expo Guide. Betrieben von einer Firma, die bislang als Expo-Guide S.C. auftrat und angeblich in Mexico D.F. saß.

Ihr Geschäftsmodell ist das Abzocken von Firmen, die auf Messen und Ausstellungen vertreten sind. Mit Trickformularen, die den Anschein erwecken, vom Messeveranstalter zu stammen. Fast alle größeren deutschen Messeveranstalter sind mittlerweile davon betroffen. Und warnen entsprechend vor dieser Firma. Wer das Formular unterschreibt, soll drei Jahre lang zahlen; zusammen gerechnet 3.813,00 EUR. Für einen Eintrag in dem privaten Internetverzeichnis expo-guide.com. Das man nicht kennt. Und auch nicht braucht.

Dass es sich um Mexikaner handelt, haben wir niemals geglaubt. Die Hinterleute der Expo-Guide-Masche vermuten wir in den Alpen. In unserem Blog-Beitrag vom 03.02.2016 berichteten wir über damals neue Erkenntnisse: die Firma Expo-Guide S.C. würde es als solche möglichweise nicht geben. Mittlerweile wissen wir: hinter der Mexikanischen Anschrift verbarg sich nur ein Büroservice. Keine Expo-Guide S.C.

Die alte Expo-Guide-Tarnung war damit aufgeflogen. Ein bisschen zumindest. Aber es reichte: der Schwindel zog ins nächste Land. Weiter weg von Deutschland. Jetzt wird als Betreiber eine Inversiones DGSM S.A. aus Costa Rica genannt. Aber man kommt doch noch Mitteleuropa näher. Die „Financial Administration“ läge bei einer Blue Bay Services Kft. in Budapest/Ungarn, heißt es neuerdings.


Geld soll an Vermögensverwaltung gehen

Das Geschäftsmodell der Expo Guide läuft trotz neuer Namen und neuer Länder unverdrossen weiter. Auch in diesem Sommer werden wieder Unterschriften unter Trickformularen ergaunert. Vor allem werden immer für eine mehr oder weniger nutzlose Gegenleistung horrende Beträge verlangt. 1271,00 EUR. Mal drei, denn dieser Betrag entsteht drei Jahre lang aufs Neue. Bislang wurde in Rechnungen und vielerlei Mahnungen die Zahlung auf ein auf ein spanisches Konto verlangt.

Doch jetzt kommt die Post nicht mehr aus Mexiko Stadt. Sondern von einer „financial administration“. Blue Bay Services Kft., 1052 Budapest – Hungary heißt es rechts oben in den Schreiben der Expo Guide. Und die will das Geld selber haben. Gezahlt werden soll auf ein Konto von ihr bei der Magyar Takarekszovetkezeti BANK RT.

[Beispiel einer Rechnung der Inversiones DGSM/Blue Bay Services Kft. für Expo Guide]

Eine zweite Bankverbindung taucht auch auf. In Rechnungen einer „Rechtsabteilung Mahnung“ wird auch als Zahlungsempfänger die Blue Bay Services Kft genannt. Dann aber mit einem Konto bei der Budapester Sberbank Magyarorszag zrt.

[Beispiel eines Schreibens der "Rechtsabteilung Mahnung" der Inversiones DGSM für Expo Guide]

Die Blue Bay Services Kft, die mit vollem Namen Blue Bay Services Korlátolt Felelősségű Társaság heißt, ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach ungarischem Recht. Im Budapester Handelsregister ist sie zur Registrierungsnummer 01 09 951191 mit einem Stammkapital von 3,0 Mio HUF (Ungarische Forint) eingetragen, das sind etwa 9660 EUR. Als ihren hauptsächlichen Geschäftszweck hat sie gegenüber dem Handelsregister die Vermögensverwaltung angegeben. Wessen Vermögen?


Man muss nicht zahlen

Immer noch gilt: wehren muss man sich schon. Und zwar richtig. So früh wie möglich. Gegen keinen der von uns vertretenen Mandanten, die auf das Expo-Guide-Formular herein fielen, hat man sich jemals getraut, gerichtliche Schritte einzuleiten.



Update vom 21.10.2016:
Noch ein „Inkassobüro“

Die Expo-Guide hat offenbar den Überblick verloren, wer sie ist und wo sie sitzt. Kunterbunt purzeln jetzt im Herbst 2016 in ihren Schreiben die Namen und Ländern durcheinander. Mal nennt sie sich jetzt Expo-Guide S.C. und behauptet in Mexiko-Stadt zu sitzen. Kurz darauf meint sie, Inversiones DGSM zu heißen und aus Costa Rica zu stammen. Diesen Namen verwendet sie auch weiterhin im Impressum ihres Internetauftritts.

Nun ist auch noch ein weiteres, angebliches Inkassounternehmen aufgetaucht: Credit Intellegence Kft. nennt es sich und gibt eine Budapester Adresse an. Aus einer E-Mail der Credit Intellegence Kft. an Betroffene:

„… auf diesem Weg möchten wir uns kurz vorstellen. Credit Intelligence Kft. handelt im Auftrag unseres Kunden Expo Guide S.C. und wurde mit der Prüfung und Beurteilung des obigen Vertragsverhältnisses beauftragt. Hierbei besteht unsere Aufgabe u.a. auch darin, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen, um die obige Angelegenheit nach Möglichkeit außergerichtlich zu klären und abzuschließen.“

Man legt auch eine Vollmacht vor. Ein Miguel Fatal Esteves behauptet darin, die Expo Guide S.C. rechtmäßig zu vertreten und deren Geschäftsführer zu sein.

[Beispiel einer Vollmacht der Expo Guide für Credit Intellegence Kft.]

Später wird mit gerichtlichen Schritten gedroht. Man werde bei den „Gerichten der Stadt von Mexiko“ einen „Antrag auf Zahlungsbefehl“ einreichen, wenn nicht umgehend gezahlt werde. Diesmal auf ein Konto bei der K und H-Bank, der Kereskedelmi Es Hitelbank Rt zur IBAN HU28 1040 1213 5052 6790 6687 1002. Sonst werde sich "der Gesamtbetrag vermutlich auf die Summe von EUR 12.000,00 oder höher belaufen".

Sollten Sie so angesprochen werden, betrachten sie das Ganze als Fake. Reagieren Sie nicht auf solche Schreiben! Legen Sie auf, wenn sie deswegen angerufen werden! Lassen Sie sich nicht in ein Gespräch verwickeln; man will Ihnen dabei einen "Vergleich" andrehen.



Update vom 12.07.2017:
Jetzt soll das Geld nach Athen

Jetzt hat der Schmu das nächste Land gefunden. Nach Mexiko, Italien, Slovenien, Costa Rica und Ungarn kommt der jüngste Versuch einer Forderungsbeitreibung aus der griechischen Hauptstadt Athen. „Unsere Gesellschaft K.I.B.S. wurde von Inversiones DGSM S.R.L in dem oben erwähnten Vorgang mit der Eintreibung der Forderungen gegenüber Ihrer Gesellschaft beauftragt, welche aus dem Vertrag Nr. 421492 vom 31.08.2015 für die Gewährleistung von Promotionsdiensten entspringen“, heißt es in einer Mail an Betroffene.

Die Inversiones DGSM SRL habe die Firma Expo Guide übernommen, heißt es weiter im Anschreiben eines „Legal Counsel“ Raphael Bäcker. Dafür, dass es diese Person gibt, würden wir niemals die Hand ins Feuer legen wollen.

Jedenfalls wünscht die Inversiones DGSM, dass die Zahlung an die griechische K.I.B.S Epimeleia Kai Paroxi Ypiresion vorgenommen werde, ist aus deren Rechnung zu entnehmen. Es soll auf ein Konto bei der Athener Eurobank Ergasias S.A. gezahlt werden.

[Beispiel einer Rechnung der Inversiones DGSM für Expo Guide]

Um an dieser Stelle einmal auf eine häufig an uns gestellte Frage zu antworten: gegen keinen der von uns in den letzten Jahren Vertretenen haben Expo Guide oder Inversiones gerichtliche Schritte eingeleitet, nachdem wir unsere Mandatsübernahme mitgeteilt hatten.




Zu unseren früheren Blogbeiträgen über die Expo-Guide und Ihre Masche:

[Zum Blog-Beitrag vom 28.04.2012]
[Zum Blog-Beitrag vom 13.10.2012 mit Update vom 10.11.2014]
[Zum Blog-Beitrag vom 09.04.2015]
[Zum Blog-Beitrag vom 03.02.2016]




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