Planerleistungen auf Stundenbasis – das Streitrisiko lässt sich verringern

07.12.2012 - Planer werden in der Regel nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) bezahlt – sie ist verpflichtend und legt für die einzelnen Architekten- und Ingenieurleistungen Mindest- und Höchstsätze fest. Doch nicht alles ist in der HOAI geregelt.

Für besondere Leistungen, die nicht über die Honorartabellen der HOAI abgerechnet werden, können Bauherr und Planer eine gesonderte Regelung treffen. Häufig wird dann eine Vergütung auf Stundenbasis getroffen. Und ebenso häufig gibt es anschliessend Streit. Etwa über die Frage, ob der Planer unwirtschaftlich gearbeitet hat („Stunden scheffeln“).

Ein Urteil des Oberlandesgericht Hamm (OLG Hamm, Urteil vom 27.03.2012 - 24 U 61/11) zeigt auf, wie sich das Risiko einer Auseinandersetzung verringern lässt.

Die dortige Klägerin hatte Planungsarbeiten für eine Ölmühle durchgeführt. Ein Stundenabrechnung wurde vereinbart. Die Abrechnungen wurden anfänglich auch beglichen. Später kam es aber zum Streit, rund 100.000 EUR waren schließlich offen. Das Planungsbüro klagte, der Bauherr meinte, es sei unwirtschaftlich gearbeitet worden. Vergeblich. Das Planungsbüro hatte alles richtig gemacht, was man für eine Abrechnung nach Stundensätzen benötigt. Um das Urteil zu zitieren:

„Die während des abgerechneten Zeitraums getätigten Arbeiten müssen konkret und in nachprüfbarer Weise dargelegt werden, wofür es jedoch genügt, wenn diese Arbeiten stichwortartig in verständlicher Weise niedergelegt werden.“

Was das bedeutet? Bei der Abrechnung und Dokumentation der Stunden sind einige Grundsätze zu beherzigen. Aufgelistet werden sollte deshalb immer detailliert:

  • An welchem Datum,
  • zu welcher Uhrzeit hat
  • welcher Mitarbeiter
  • welche stichwortartig zu beschreibende Tätigkeit durchgeführt.
  • Soweit Zeichnungen bearbeitet wurden, sollten sie am besten mit einer Nummer näher beschrieben werden.

Wenn so die Abrechnung dokumentiert wurde, lässt sich mitunter schon Streit vermeiden. Weil die Tätigkeit transparent wurde - Kommunikationsmängel sind eine der häufigsten Ursachen von Auseinandersetzungen. Wenn dann aber der Bauherr immer noch meint, er sei sprichwörtlich über den Tisch gezogen worden, ist er es, der beweisen muss, dass die abgerechneten Stunden nicht erforderlich waren. Und dann gilt die alte Juristenweisheit: wer die Beweislast hat, hat schon halb verloren.

Dieser Beitrag ist im Blog „Bau-News“ erschienen.

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