Pseudo-Rumäne mit Kölner Masche: Wera Medienservice SRL zockt ab

21.07.2017 mit Update vom 05.06.2018 - Das ganz besondere Geschäft mit der „Kölner Masche“ boomt. Aus der im rumänischen Siebenbürgen, Transsilvanien heißt es in Rumänien, gelegenen Kleinstadt Medias ist schon wieder ein neuer Name aufgetaucht: die Wera Medienservice SRL.

Auch ihr Ziel ist es, von Gewerbetreibenden und Freiberuflern eine Unterschrift unter einem Formular zu ergattern. Damit sollen die sich verpflichten, Geld für eine Anzeige in einem „Bürger-Info“ zu zahlen. Viel Geld. Und auch bei der Wera Medienservice SRL gibt es, nach Art solcher Firmen, wenig an Gegenleistung.


Der Trickanruf

Die Wera Medienservice SRL segelt unter falscher Flagge. Deren Geschäftsmodell wird Kölner Masche genannt, seit vor Jahr und Tag zum ersten Mal in Köln gegen solcherart Betrug ermittelt wurde. Gewerbetreibende, Freiberufler und Vereine, die in der Vergangenheit regelmäßig in einer von Dritten herausgegebenen Zeitschrift oder Broschüre, zum Beispiel der Kommune oder Kirchengemeinde inseriert hatten, erhalten einen Anruf. Man bezieht sich auf dieses Druckobjekt und erklärt, es müsse ein Formular unterschrieben werden – sonst könne das Inserat nicht in der nächsten Ausgabe veröffentlicht werden.


Formular mit dubiosem Inhalt

Das angekündigte Formular kommt bald darauf per E-Mail. Darin heißt es in ordentlichem Deutsch unter anderem:

„Vielen Dank für das freundliche Gespräch vom heutigen Tage.

Wunschgemäss senden wir Ihnen unser Formblatt im Anhang zu und bitten Sie freundlichst um Bearbeitung und Rücksendung. Sie können das Formular gerne per Mail, oder alternativ auch per Fax an 0800 724 4918 zurücksenden."

Tatsächlich findet sich in dem beigefügten Formular auch die bisher verwendete Anzeige der so Angesprochenen. Ebenso die sinngemäße Bezeichnung der bisherigen Publikation - „Bürgerinfo“ beispielsweise.

Die so Angesprochenen gehen davon aus, dass alles seine Richtigkeit habe. Sie unterschreiben – und schicken es an die angegebene Fax-Nummer oder die E-Mail-Adresse info-(at)-weramedienservice.net zurück. Dass aus dem Ausland angerufen wurde, erschließt sich aus dem Formular nicht. Die angegebenen Telefonnummern erwecken keinen Argwohn. Es sind kostenfreie 0800er-Nummern. Auch der Anrufer hat nicht immer eine auf das Ausland schließende Sprachfärbung. Häufig handelt es sich um deutsche Auswanderer.

Erst wenn die Rechnung kommt, fällt der Schmu auf: die Wera Medienservice SRL hat nichts mit der bisherigen Anzeigenveröffentlichung zu tun.


Viel Geld für nahezu nichts

Und wofür ist das Geld, das mit der Rechnung verlangt wird? Die Wera Medienservice SRL erstellt wohl einen 4-seitigen A4 Folder. Als „Bürger-Info-Serie“ wird er bezeichnet. Was auch immer sich dahinter verbirgt. "Die erste Auflage erscheint spätestens 6 Monate nach Auftragserteilung“, heißt es im Kleingedruckten auf dem Formular.

Dieses sogenannte Druckobjekt soll eine Auflage von 1.000 Exemplaren haben, kann man weiter lesen. Ausgeliefert werden sollen diese 1.000 Exemplare von der Deutschen Post AG „an Haushalte per Postwurf“. Darüber, nach welchen Kriterien die 1000 Empfänger ausgesucht werden, schweigt das Kleingedruckte. Nur zum Verteilungsgebiet lässt sich etwas entnehmen. Zum Beispiel, das im Postleitzahlgebiet 2**** verteilt wird. Ein Gebiet, das weite Teile Norddeutschlands erfasst. Von der dänischen Grenze bis Celle und von Emden bis Wismar erstreckt. Dazwischen liegen 300 km.

[Muster eines Formulars der Wera Medienservice SRL]

Es steht auch noch folgende, kleingedruckte Formulierung im Formular der Wera Medienservice SRL:

„Behördenunabhängig - ohne öffentlichen Auftrag“

Warum das wohl so betont wird? Doch wohl deshalb, weil dieser Eindruck erweckt wurde. Und erweckt werden sollte.

So zustande gekommene Verträge sind angreifbar – nicht nur wegen der Art und Weise, wie sie zustande kommen, sondern schon wegen der mangelnden Bestimmtheit der von der Wera Medienservice SRL geschuldeten Leistung.


Wer zahlt, wird keine Ruhe haben

Zu viele der Betroffenen zahlen an solche Firmen. Häufig, um ihre Ruhe zu haben. Oder weil es ihnen unangenehm ist, auf die Masche herein gefallen zu sein. Sie tragen so dazu bei, dass dieses Geschäftsmodell weiter lebt.

Wer glaubt, nach Zahlung der Rechnung der Wera Medienservice SRL Ruhe zu haben, wird böse enttäuscht. Die nächste Rechnung kommt bald. Nach dem Vertragsformular entsteht der Rechnungsbetrag dreimal im Jahr. Über zwei Jahre lang. Das werden dann schon mal Gesamtkosten in Höhe von 4.700 EUR netto für eine kleine Anzeige. Es findet sich auch die für solche Firmen typische Verlängerungsklausel. Wenn man nicht rechtzeitig kündigt, werde sich der Vertrag um ein weiteres Jahr verlängern, heißt es.

Je nach Gespür des Anrufers wird auch schon mal eine Klausel aufgenommen:

„Läuft automatisch nach einem Werbejahr aus.“


Eine Wegwerf-Firma

Die Regio Marketing SRL wurde erst vor wenigen Wochen gegründet. Deren Rechtsform Societate cu răspundere limitată lässt sich mit Gesellschaft mit beschränkter Haftung übersetzen. Doch sie ist nicht vergleichbar mit einer deutschen GmbH. Um eine solche SRL zu gründen, benötigt man nur ein Stammkapital von 200 RON – Romanian leu. Bei heutigem Umtauschkurs sind das knapp 45 EUR. Eine SRL gehört zum Typ der Wegwerf-Firmen. Derer man sich schnell entledigen kann, wenn es brenzlig wird. Ohne dass der Verlust des Stammkapitals einen schmerzt.

Als Geschäftsführung hat man eine türkische Strohpuppe vorgeschoben. Die nach Art der Szene nicht viel entscheiden dürfte. Die Spuren der Firmen, die mit der Kölner Masche und ausländischen Call-Centern, arbeiten, führten in der Vergangenheit regelmäßig in die Gegend um Bad Kreuznach; dem deutschen El Dorado dieses speziellen Business-Modells.

In die Türkei führt auch die Homepage der Firma, weramedienservice.net. Eine whois-Abfrage ergab heute als Registrant einen Serkan Akcora, der eine Adresse im Istanbuler Stadtteil Beyoģlu angibt. Die Seite weramedienservice.net wurde erst am 31.05.2017 gegründet.

Überhaupt: mit dem rumänischen Städtchen Medias hat die Wera Medienservice SRL nichts viel zu tun. Sie benutzt einen alten Trick, um die Hintermänner zu verschleiern. Ein virtuelles Büro.

Wenn sie beim Lesen dieses Blog-Beitrages ein Déjà-vu-Erlebnis haben: sie täuschen sich nicht. Fast wortgleich berichteten wir im Oktober 2016 über eine Firma Regio Marketing SRL und eine Hansa Marketing SRL. Beide benutzten auch eine Anschrift in Medias.

[Zum Blog-Beitrag vom 07.10.2016 mit diversen Updates, zuletzt vom 18.07.2017 - Regio Marketing SRL: "Kölner Masche", rumänische Tarnadresse, türkische Strohpuppe und deutsche Hinterleute]

Doch bei dieser Übereinstimmung bleibt es nicht. Die Wera Medienservice SL ist geradezu ein Klon der Regio Marketing SRL.


Forderungsabwehr ist möglich

So kommen Verträge nicht wirksam zustande. Alleine schon deshalb, weil es, wie es im Juristenlatein heißt, an den essentialia negotii mangelt.

Wenn man eine Rechnung der Wera Medienservice SRL für ihren sogenannten Bürger-Info-Folder erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühest mögliche Reaktion der sicherste Weg, um sich zu wehren. Gerne können Sie uns dazu ansprechen, sofern Sie zu den in Deutschland ansässigen Betroffenen gehören. Am besten mailen Sie uns - unverbindlich - vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.


Update vom 05.06.2018:

Eine Arkadia Verlag GmbH mit ihrem Geschäftsführer Stefan Altmaier meldet sich bei denen, die das Trickformular der Wera Medienservice SRL unterschrieben hatten. "Wir haben die Verträge der Wera Medienservice SRL heißt es aus dem rheinland-pfälzischen 56379 Geilnau. Die Spur führt mal wieder zu der Kölner-Masche-Szene in Richtung Bad Kreuznach.

[Trick mit Kölner Masche: Arkadia Verlag GmbH übernimmt Verträge der Wera Medienservice SRL]

Mehr Informationen zum Thema "Kölner Masche" finden Sie in einem Spezial-Beitrag:
[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]

Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]

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