Strafverfahren in Sachen Cosmonova, Weka Design und AGR-Service/Allgemeines Gewerberegister AGR gehen voran

22.09.2012 - Das Verfahren gegen die Hinterleute der Betrugsfirmen Cosmonova GmbH und Weka Design Ltd geht langsam weiter. Wir berichteten in einem Blog-Beitrag am 10.05.2011, dass die Staatsanwaltschaft Frankenthal wegen 330fachen schweren Betruges Anklage gegen den 1957 geborenen Rudolf L. und den 1991 geborenen Tobias B. alias Tobias Brendel alias Tobias Wahl erhoben hatte. Der angeklagte Gesamtschaden beläuft sich auf über 135.000,00 EUR.

Am 29.08.2012 beschloss die Jugendkammer des Landgericht Frankenthal (Pfalz) die Anklage zuzulassen und eröffnete das Hauptverfahren. Die Hauptverhandlung soll vor der Jugendkammer in der Besetzung mit drei Berufsrichtern und zwei Schöffen stattfinden.

Auch gegen die Hintermänner der Firmen AGR-Service bzw. Allgemeines Gewerberegister AGR – Gewerbe Industrie-/Handelsveröffentlichungen geht das Strafverfahren voran. Der erste Hauptverhandlungstermin hat jetzt stattgefunden.

In Sachen der Cosmonova- und Weka-Ganoven ist die Jugendgerichtsbarkeit zuständig, weil einer der beiden, Tobias B., zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsender, also unter 21 Jahre alt, war. Eine Anklage zur Jugendkammer und noch dazu in dieser Besetzung lässt allerdings nichts Gutes erwarten – für die Angeklagten. Mit einem „Mach das aber nicht wieder“ dürfte das Verfahren kaum enden.

In Frankenthal kennt man sich mit dieser Art von Gaunerfirmen mittlerweile aus. Seit dem 17.09.2012 verhandelt dort die 6. Große Strafkammer des Landgerichts gegen die Hinterleute der AGR-Service bzw. Allgemeines Gewerberegister AGR – Gewerbe Industrie-/Handelsveröffentlichungen: den heute 64jährigen Dieter D., geboren 1948 in Waldsee und den heute 40jährigen Cosimo Damiano T., geboren 1971 in Oberhausen-Rheinhausen. Dieter D. ist angeklagt im Zeitraum vom 03.03.2009 bis 31.08.2010 in 921 Fällen gewerbsmäßigen Betrug begangen zu haben, davon in 604 Fällen gemeinsam mit dem Cosimo Damiano T. Zitieren wir dazu aus einer Pressemitteilung des Landgericht Frankenthal:

„Der 64-Jährige soll zunächst allein handelnd in 317 Fällen als Geschäftsführer einer Firma AGR, die ihren Geschäftsbetrieb in Schifferstadt abwickelte, Schreiben an Firmen und Unternehmer gesendet haben, die ihren Geschäftsbetrieb erst kurz zuvor aufgenommen hatten und ins Handelsregister eingetragen worden waren. Diese Schreiben sollen in ihrer Aufmachung auf den ersten Blick einer amtlichen Rechnung geglichen haben, in der vermeintlich von Gesetzes wegen entstandene Gebühren für die kurz zuvor erfolgte Eintragung ins Handelsregister geltend gemacht wurden und die typische Rechnungsmerkmale enthielten. Der Firmenzweck bestand im Aufbau eines abrufbaren Gewerberegisters, in das potentielle Kunden gegen ein Entgelt von knapp 500,00 € aufgenommen werden konnten. Dem Angeklagten soll bewusst gewesen sein, dass die Eintragung der Firmen in sein "Internet-Register" für diese mangels Werbeeffekt keinen merkantilen Wert hatte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Geschädigten, wenn sie sich bewusst gewesen wären, dass es sich bei den "Angebotsschreiben" dort um die Geltendmachung einer vermeintlich gesetzlichen Gebühr für eine kostenpflichtige Eintragung in das Internet-Register des Angeklagten gehandelt hatte, die Gelder nicht überwiesen hätten. Insgesamt soll es zu irrtumsbedingten Zahlungen in Höhe von knapp 140.000,00 € gekommen sein.

Hinsichtlich der weiteren 604 Fälle geht die Staatsanwaltschaft von einem gemeinschaftlichen Handeln der Angeklagten aus, nachdem der 40-jährige Angeklagte den 64-Jährigen als Geschäftsführer abgelöst, letzterer aber alle Geschäftsanteile der AGR erworben haben soll. In diesen Fällen erfolgten irrtumsbedingte Zahlungen in Höhe von knapp 300.000,00 €.“

In dieser Sache sind vorerst bis Mitte November etliche weitere Verhandlungstermine anberaumt.

Die in beiden Anklagen genannten Schadensbeträge von 135.000 EUR bzw. 440.000 EUR dürften nach unserer Einschätzung nur die Spitze des Eisberges darstellen. Viele Betrugsopfer erstatten keine Anzeige. Weil sie sich schämen, auf die Masche herein gefallen zu sein. Oder weil sie für sich den Aufwand als zu hoch einschätzen, das Geld wieder beizutreiben - wofür wegen der Verschleierungstaktik der Hinterleute solcher Firmen eine Strafanzeige aber häufig der erste Schritt sein wird.


Nachtrag

Das Landgericht Frankenthal (Pfalz) hat in beiden Fällen entschieden:

[Zum Blog-Beitrag vom 06.04.2013: Landgericht Frankenthal: Knast für Betrüger der Firma AGR UG]

[Zum Blog-Beitrag vom 22.04.2013: Noch ein Urteil aus Frankenthal - Freiheitsstrafe für Hintermänner von Cosmonova und Weka Design]


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