Stümperhafte Gauner: die Euro International Media L.t.d.

17.04.2012 – Mit der sogenannten „Kölner Masche“ treibt sich derzeit die Euro International Media L.t.d. um. Angeblich sitzt sie in der Schaffhausenerstraße 6 in CH-8006 Zürich, die angegebene Telefonnummer ++420731147476 führt aber nach Tschechien, die auch angegebene Fax-Nummer 03212/1041801 ist wiederum eine ortsunabhängige Rufnummer in Deutschland. Registriert ist sie in den Seychellen als Seychelles IBC (Seychelles International Business Company).

Die Gaunerei funktioniert so:

Unaufgefordert werden Geschäftsleute angerufen. Solche, die sonst Printanzeigen in einer Publikation eines seriösen Verlages schalten. Am Telefon wird so getan, als sei man von diesem Verlag und es müsse ganz kurzfristig für die nächste Ausgabe noch einmal die Druckfreigabe erfolgen. Die Vorlage werde man sofort per Fax übersenden, sie müsse nur unterschrieben und zurück gefaxt werden; ganz eilig sei alles. Selbst auf die Bemerkung, man könne sich gar nicht erinnern, noch einen Folgeauftrag erteilt zu haben, gibt es eine Antwort: es sei doch schon alles bezahlt.

Der Fax-Vordruck der Euro International Media L.t.d., mit dem "nur schnell" die Druckfreigabe erfolgen soll, zeigt tatsächlich das Anzeigenmotiv, mit dem man bisher warb. Auf den ersten Blick wirkt es so, als solle in der Tat nur eine Druckfreigabe für den bisherigen Auftrag erfolgen.

Doch das Anzeigenmotiv ist aus der bisherigen Publikation abgekupfert worden. Und das Formular hat es im Kleingedruckten in sich: 4 mal 534,00 € würden danach als Kosten entstehen. Zuzüglich Mehrwertsteuer: also 2.544,22 €. Wofür? Für eine Schwarz-Weiss-Anzeige in einer „Broschüre“. Welcher Art die ist, lässt sich nicht entnehmen. Oder für 100 „Tafeln“. Mit was? Oder: auf was? Keine Antwort. Wie die „Broschüren“ oder „Tafeln“ verteilt werden? Wenigsten dazu steht etwas im Kleingedruckten, Rechtschreibschwäche eingeschlossen:

„Diese werden durch die Post bzw. einer Verteileragentur verteilt“.

Irgendwo im Bundesland. Oder in zwei zusammen gelegten Bundesländern. Für den Aschaffenburger Friseur wird dann vielleicht in Oberammergau geworben.

Es muss noch nicht einmal bei der Euro International Media L.t.d. bleiben. Wieder wörtlich aus dem Kleingedruckten:

„Der Kunde erklärt sich einverstanden, dass der Verlag, notfalls diesen Druckauftrag an ein anderes Unternehmen weitergibt.“

Wenn man irrtümlich Formulare aus der Abzockerszene unterschrieben hat, ist normaler Weise eine frühestmögliche Reaktion geboten. Nicht aber bei jemandem, der so stümperhaft zu betrügen versucht wie die Euro International Media L.t.d. Derart kommt kein wirksamer Vertrag zustande. Deshalb: keinen Cent zahlen. Wenn die Firma nochmals anruft: kommentarlos auflegen! Man muss erst dann reagieren, wenn ein deutsches Inkasso-Unternehmen sich melden sollte – wegen der nicht auszuschließenden Gefahr eines negativen Schufa-Eintrages. Oder wenn Post vom Gericht kommt. Aber nicht vorher.

Mittlerweile hat sich Neues getan. Wir berichten darüber in einem Blog-Beitrag vom 05.09.2012.

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