Sturmgeklingelt – 15.000 € Schadensersatz?

25.08.2012 – In das auslaufende Sommerloch platzte die Mitteilung über eine Entscheidung des Amtsgerichts München (AG München, Urteil vom 06.03.2012 - 473 C 31187/11).

Für einen Vermieter hatte dessen Tochter im Juli 2011 an der Wohnungstür einer Mieterin geklingelt. Um Schreiben zu überreichen – nachdem die Tür geöffnet wurde. Die Frage, ob ihn das Klingeln 15.000 € kostet, musste das Amtsgericht München entscheiden.

Wieder einmal war die Mieterin einer Münchener Wohnung mit der Miete in Rückstand. Deswegen war sie bereits einmal gekündigt worden, glich aber noch rechtzeitig den Rückstand aus, so dass die Kündigung ins Leere lief.

Ende Oktober 2011 war es dann aber wieder soweit. Seit August 2011 hatte sie keine Miete mehr gezahlt. Erneut wurde sie gekündigt und Räumungsklage erhoben, da sie die Wohnung nicht verlies. Doch das Amtsgericht München erlebte eine außergewöhnliche Verteidigungsstrategie. Sie hätte einen Gegenanspruch gegen den Vermieter, behauptete die Mieterin. Auf Zahlung von mindestens 15.000 € Schmerzensgeld. Deshalb beständen gar keine Mietrückstände mehr, denn mit dieser Gegenforderung würde sie die Aufrechnung erklären.

Um in Deutschland 15.000 € Schmerzensgeld zu erhalten, muss an sich schon Schlimmes vorgefallen sein. Und Schlimmes sei geschehen, meinte die Mieterin. Die Tochter des Vermieters hätte sturmgeklingelt im Juli! Dadurch hätte ihre eigene Tochter Angstzustände bekommen und sei zu deren Vater gezogen. Dies und das Übergeben der Schreiben an der Tür sei ein Eingriff in ihre Privatsphäre gewesen. Ihre Gesundheit sei seitdem beschädigt und die elterliche Sorge beinträchtigt. Deshalb die Forderung nach 15.000 €.

Jetzt dürfen Sie raten, wie alt die Tochter war: drei? Oder vier? Oder vielleicht fünf Jahre? – Weder noch. 17 Jahre alt war sie! In Worten: siebzehn!

Wenn in Berlin eine Siebzehnjährige nach langem Klingeln die Tür öffnet, sind eher Bemerkungen zu erwarten, ob der Finger jetzt festgeklebt sei. Und wenn sie in dem Alter von der Mutter wegzieht, dann garantiert nicht, weil sie Angst vor der Türklingel hat. Auch in München ist das nicht anders – höchstens sind die Sprüche weniger forsch.

Der Münchener Amtsrichter urteilte lebensnah. Er wies die Forderung nach Schadensersatz zurück.


Dieser Beitrag ist im Blog „Bau-News“ erschienen.


Ihr Ansprechpartner: Claus Radziwill, Rechtsanwalt und
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Berlin

Radziwill ● Blidon ● Kleinspehn
Rechtsanwälte | Fachanwälte

Kontakt über Telefon
030 - 861 21 24

Kontakt über Fax
030 - 861 26 89

Kontakt über E-Mail
mail [at] radziwill.info