Zweifelhafte Anzeigenverträge: die ST Mediakonzept Werbeagentur e.K und ihre "Gesundheitsinfobroschüre"

14.12.2017 – Bad Kreuznach. Wer regelmäßig unseren Blog liest, weiß es: die rheinland-pfälzische Kleinstadt ist das El Dorado von Werbefirmen; auch die der besonderen Art. Weswegen ihr Name regelmäßig genannt wurde.

In diesem Blog-Beitrag berichten wir erstmals über die ST Mediakonzept Werbeagentur e.K. aus 55543 Bad Kreuznach. Deren Inhaber ist der laut Handelsregister 1970 geborene Dirk Steinhagen. Die Firma ist im Handelsregister des Amtsgericht Bad Kreuznach (HRA 3013) eingetragen.

Die ST Mediakonzept Werbeagentur versucht an Unterschriften unter einem Formular zu gelangen. Für Anzeigenschaltungen in einer Gesundheitsinfobroschüre. Doch darüber dürfte ein wirksamer Werbevertrag mit den Betroffenen aus rechtlichen Gründen kaum zustande kommen.


Ein Vertreterbesuch

Ein Mitarbeiter der ST Mediakonzept Werbeagentur e.K erscheint bei Freiberuflern und Gewerbetreibenden, so wurde uns berichtet. Am Schluss des Gespräches steht die Unterschrift unter einem Formular an. Es soll in diesem Betrag nicht darum gehen, mit welcher Legende man an die Unterschrift der Betroffenen gelangt. Sondern darum, was unterschrieben wird.

Es geht um einen Anzeigeneintrag in einer „Gesundheitsinfobroschüre für Bürger, Betroffene und Angehörige“. In dem im wahrsten Sinne des Wortes Kleingedruckten findet man weitere Informationen: „Die Auflagenhöhe beläuft sich beim ‚Gesundheitsinfobroschüre‘ auf 2.500 Exemplare je Veröffentlichung“, heißt es, grammatikalisch etwas holperig. „Die Verteilung bzw. Auslieferung der ‚Gesundheitsinfobroschüre‘ erfolgt über die Deutsche Post AG mit Tagespost an Haushalte.“ Doch wo sollen die Broschüren verteilt werden? Da wird man an anderer Stelle des Formulars fündig: „60.000-69.999 (PLZ gilt als Verteilungsgebiet)“ heißt es beispielweise links oben in einem uns vorliegenden Vertrag. Das Postleitzahlgebiet 6 hat eine Ausdehnung von mehr als 250 km. Die Broschüre mit der Anzeige einer Apotheke im bayerischen Aschaffenburg kann dann in Saarbrücken verteilt werden. Die Werbung des Heilpraktikers aus Wiesbaden im baden-württembergischen Heidelberg. Die des Zahnarztes aus Kaiserslautern in Frankfurt. Ein Werbeerfolg wird damit kaum zu erwarten sein.

Überhaupt: nach welchen Kriterien werden die Empfänger ausgesucht? Auf einer Fläche von über 10.000 Quadratkilometern!

Auch das Erscheinungsdatum bleibt vage. Aus den Auftragsbedingungen:

„Die ST Mediakonzept Werbeagentur e.K. behält sich das Recht vor […] über Auslieferungstermine frei zu entscheiden, spätestens jedoch sechs Monate nach Auftragserteilung.“

[Beispiel eines Vertragsformular der ST Mediakonzept Werbeagentur e.K.]


Die Rechnung

Einige Zeit nach ihrer Unterschriftsleistung später kommt bei den Betroffenen die erste Rechnung an. 877,86 EUR brutto sind es, die für eine 9 x 7 cm kleine Anzeige verlangt werden. Veröffentlichungszeitraum ist ein Jahr, dafür wurden 10% Rabatt bereits abgezogen. Zwei weitere Rechnungen folgen. Macht dann zusammen 2.633,58 EUR brutto. Gezahlt werden soll auf ein Konto bei der Deutschen Bank Bad Kreuznach. Oder der Commerzbank Bad Kreuznach. Sofort und ohne Abzug.

Ab der zweiten Rechnung wird bei Firmen in dieser speziellen Geschäfts-Szene gerne argumentiert, mit der Zahlung der ersten Rechnung hätte man in jedem Fall das Bestehen eines Vertrages anerkannt.


Mitarbeiter gesucht

Der Inhaber der ST Mediakonzept Werbeagentur e.K, Dirk Steinhagen, suchte heute über das Portal XING Mitarbeiter für den Vertrieb sowie neue Vertragspartner, in Berlin, München, Frankfurt und Hamburg.

Auch ein weiteres Standbein konnten wir feststellen. Eine Internetseite gesundheitsverzeichnis24.de. Auf ihr werden Arzt–, Pflegedienst–, bzw. Gesundheitsinserate eingestellt, lässt sich den dort veröffentlichten AGB-Allgemeinen Geschäftsbedingungen entnehmen. Für kostenpflichtige Einträge werden 18,99 EUR netto im Monat verlangt. Bei der dort angegebenen Mindestvertragslaufzeit von einem Jahr sind das 271,17 EUR brutto.

Auf der Internetseite st-mediakonzept.de ist auch die Rede davon, dass man unter anderem noch eine DIN A4-große Erste-Hilfe-Aushangtafel, Stadtpläne und personalisierte Werbemittel anbietet. Für unseren Blog wäre das aber ein anderes Thema.


Forderungsabwehr ist möglich

Solche Verträge, wie die der uns vorliegende über eine Veröffentlichung in der Gesundheitsinfobroschüre, sind angreifbar. Vor allem deshalb, weil kein wirksamer Vertrag zustande kommen kann, wenn die Gegenleistung so dürftig beschrieben ist. Um es im Juristenlatein zu formulieren: es mangelt dann an den essentialia negotii.

Wenn man eine Rechnung für einen angeblich auf diese Weise der ST Mediakonzept Werbeagentur e.K, Inhaber Dirk Steinhagen, erteilten Anzeigenauftrag erhält, ist nach unserer Erfahrung eine frühe Reaktion der sicherste Weg, um sich dagegen wehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns – unverbindlich – vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.




Eine weitere Firma, in der Dirk Steinhagen aktiv ist. Als Geschäftsführer der Komplementär-GmbH: die creaprint Medien GmbH & Co KG aus Hamburg.

[Zum Blog-Beitrag vom 14.01.2019: Problematische Anzeigenverträge der creaprint Medien GmbH & Co KG]





In Bad Kreuznach tummeln sich auch Firmen, die sich der "Kölner Masche" verschrieben haben. Mehr zu diesem Thema:
[Anzeigenbetrug mit der Kölner Masche]





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