A&M Marketing UG – Deutscher Firmenverlag: die 7. Firma mit MM Access Verdacht

11.09.2020 mit Update vom 19.09.2020 - Die Doppel-Anruf-Schweizer der Firma MM Access AG sind jetzt mit Ihrem nächsten Schmu unterwegs. Nicht offiziell. Aber alle Spuren führen zu ihr.

Deutscher Firmen Verlag nennt sich das Ganze. Mit der Doppelanrufmasche werden Freiberufler und Gewerbetreibende herein gelegt. Und zu einem „Ja“ für einen Eintrag auf eine Internetseite gedrängt, die den geradezu größenwahnsinnigen Namen „deutscherfirmenverlag.de“ trägt.

Deren Betreiberin ist eine A&M Marketing UG (haftungsbeschränkt) aus 86633 Neuburg/Donau.


Ein unerwarteter Anruf

Der Deutsche Firmen Verlag mittlerweile das siebente Branchenbuchprojekt aus dem Dunstkreis der MM Access AG. Deren Namen reichen von „gelb“ zu „blau“, „örtlich“ zu „regional“. Und jetzt zu „deutsch“.

Über die Methode, mit der man - an Aufträge für eine Eintragung in Branchenbücher, gelangt, hatten wir bereits in unserem Blog berichtet:

“Mit Cold Calls, auch Spam-Anrufe genannt, bei Gewerbetreibenden, Handwerkern oder Freiberuflern in Deutschland geht es los. Die Angerufenen gehen nach dem Verlauf des Gesprächs davon aus, es mit dem „echten“Telefonbuch zu tun zu haben, in dem sie eingetragen sind.

Ein zweites Telefonat oder ein zweiter Telefonteil folgen, in dem das „ja“ für einen Eintrag mitgeschnitten wird. „Der guten Ordnung halber“ oder „weil es so üblich ist“, wird erklärt. Die Legende im ersten Telefonat geht aus dem aufgezeichneten Telefonat nicht hervor. So kann man den Betroffenen später die Sprachaufzeichnung vorhalten und erklären, sie hätten doch ohne Wenn und Aber zugestimmt.“

[Mehr zu der Doppel-Anruf-Masche]


Rechnung und Mahnungen

Was Ihnen widerfahren ist, merken die Betroffenen einige Tage später, wenn sie eine Rechnung erhalten. Für einen Eintrag unter deutscherfirmenverlag.de und bei Google MyBusiness, liest man. Je nach Laufzeit und Verhandlungsgeschick des Trickanrufers werden zwischen 600 und 800 EUR verlangt. Zu zahlen binnen 7 Tagen. 3% Skonto kann man bei schnellerer Zahlung abziehen. Wenn die Betroffenen nicht zahlen, folgt ein Druckszenario. Mit Zahlungserinnerungen und etlichen frechen Mahnungen.

Wer zahlt, um seine Ruhe zu haben oder sich schämt, herein gelegt worden zu sein, wird später möglicherweise mit der nächsten Rechnung konfrontiert. Die AGB – Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf der Seite deutscherfirmverlag.de beinhalten in § 9 eine für Firmen dieser Art übliche Verlängerungsfalle:

“(9.1) Die Mindestlaufzeit des Vertrages beträgt 12 Monate und beginnt mit dem Vertragsabschluss. (9.2) Der Vertrag verlängert sich jeweils um weitere 12 Monate zum Standardpreis, falls er nicht spätestens 4-8 Wochen vor Ablauf des Vertrages schriftlich gekündigt wird.“


Das Geld nicht wert

Schaut man genauer hin, stellt man fest: die Seite deutscherfirmenverlag.de ist eine billig zusammengeschriebene Karikatur einer Branchensuchmaschine. In den Letzten Tagen funktionierte die Suche schlichtweg nicht. Kein einziges Ergebnis wurde angezeigt. Gleich, ob man die einfache Sache versuchte oder unter „Beliebteste Kategorien.“ Mit der Aussage auf der Eingangsseite

“Unternehmen finden und entdecken“,

“Werben Sie mit uns und erhöhen Sie Ihre Sichtbarkeit“ oder dem kryptischen

“Machen Sie Ihr Unternehmen zu einem Teil von Regionales Telefonbuch“

ist es damit nicht weit her.

Überhaupt hat man sich nicht viel Mühe bei der Erstellung der Seite gemacht. Und dadurch genügend Spuren zur Schweizer MM Access AG hinterlassen. In den AGB – Allgemeinen Geschäftsbedingungen wurde noch nicht einmal der Name A&M Marketing UG aufgenommen. Rund 25 mal findet sich stattdessen der Name MM Access AG.


Auszug aus AGBs auf der Seite deutscherfirmenverlag.de


Auch der szenetypische „Jubelperser“ fehlt nicht. Der den Internetauftritt als vermeintlicher Nutzer bejubelt. Auf deutscherfirmenverlag.de ist es „Anna“. Dumm nur, dass man vergessen hat, den Namen deutscherfirmenverlag.de zu ersetzen. So beklatscht sie noch DasBlaueBranchenbuch.de als großartige Website.



Auszug aus der Seite deutscherfirmenverlag.de


Über „Das blaue Branchenbuch“ der MM Access AG hatten wir bereits 2019 in einem Blog-Beitrag berichtet.

[Zum Blog-Beitrag vom 22.05.2019 - Mit Doppel-Anruf-Masche: die MM Access AG und dem Internetverzeichnis DasBlaueBranchenbuch.de]


Landgericht Wuppertal: sittenwidrig

Dass die Seite beworben wird, können wir nicht erkennen. Niemand kennt sie, keiner braucht sie. Etwas an die A&M Marketing UG für einen Eintrag auf der Seite deutscherfirmenverlag.de zu zahlen, ist heraus geworfenes Geld. In einem vergleichbaren Fall sah das Landgericht Wuppertal deshalb die vereinbarte Vergütung wegen eines objektiv auffälligen Missverhältnisses von Leistung und Gegenleistung als sittenwidrig an.

[Zum Blog-Beitrag vom 05.12.2014 - Landgericht Wuppertal: Aufnahme in ein Internet-Branchen-Verzeichnis kann quasi wertlos sein]


Wegwerf-Firma

Die A&M Marketing UG wurde am 24.06.2020 in das Handelsregister des Amtsgericht Ingolstadt (HRB 9627) eingetragen. Mit einem Stammkapital von gerade einmal 300 EUR gehört sie zu den sogenannten Wegwerf-Firmen. Solchen, derer man sich leicht entledigen kann, wenn es pressiert. Ohne dass der Verlust von Stammkapital allzu schmerzt.

Der 1992 geborene Geschäftsführer Dzenis Murselovic ist uns im Zusammenhang mit der Abzocker-Szene bislang nicht aufgefallen. Darauf, dass er wirklich die Hosen in der Firma anhat und kein williges Strohpüppchen seiner Hintermänner ist, würden wir nicht nur deshalb keine Wette eingehen.


Forderung abwehren

Die Erfahrung lehrt: viel zu viele zahlen. Wenn man irrtümlich telefonisch der A&M Marketing UG einen Auftrag für einen Eintrag auf der Seite deutscherfirmenverlag.de erteilt hat, ist nach unserer Erfahrung eine frühestmögliche Reaktion der sicherste Weg, um die Forderung abwehren zu können. Gerne können Sie uns ansprechen. Am besten mailen Sie uns – unverbindlich – vorab den kompletten Schriftwechsel; wir melden uns dann.



Update vom 19.09.2020

Ein Leser unseres Blogs hat unsere Vermutung bestätigt. "Anna" gibt es nicht. Es handelt sich um ein 517fach bei einer Gogglesuche anzutreffendes Foto aus der Rubrik "Business Women Pictures".






Ohne sie geht gar nichts:
[Callcenter - Maschinenräume der Abzockerszene]



Über die MM Access AG hatten wir schon öfter in unserem Blog berichtet:

[Zum Blog-Beitrag vom 22.05.2019 - Mit Doppel-Anruf-Masche: die MM Access AG und dem Internetverzeichnis DasBlaueBranchenbuch.de]

[Zum Blog-Beitrag vom 30.10.2019 - Der nächste Schmu aus der Schweiz: "Das Gelbe Verzeichnis" mit dasgelbeverzeichnis.de]

[Zum Blog-Beitrag vom 14.02.2020 – Nächste Branchenbuchabzocke aus der Schweiz: MM Access AG mit Regionales Telefonbuch]

[Zum Blog-Beitrag vom 18.02.2020 - Noch mehr Abzockschwindel aus der Schweiz: "Das Gelbe Verzeichnis" und "Ihr örtliches Telefonbuch"]

[Zum Blog-Beitrag vom 11.05.2020 - Einschlägige Masche: die (angebliche) SN Marketing AG mit Regionaler Bundes Verlag und regionalerbundesverlag.de]

[Zum Blog-Beitrag vom 30.05.2020: Mit Wind aus der Schweiz – die LS Marketing GmbH mit ihrregionalestelefonbuch.de]



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