Betrugsversuch mit Trickformular: „FS24“ und „Onlinebranchenbuch“

08.11.2018 mit diversen Updates, zuletzt vom 07.12.2018 - Mit einem Trickformular versuchen Nachwuchs- Betrüger derzeit an Unterschriften für einen Eintrag in einem Onlinebranchenbuch zu gelangen. Per Fax nach Großbritannien zu übermitteln.

Mehr als dass sie sich FS24 nennt, ist von der Firma nicht bekannt. Alles bleibt im Dunkeln. Der Sprache nach zu schließen, stammen die Hinterleute aus der Schweiz.


[Vergrößerte Darstellung des Trickformulars der FS24]


Fax ohne Kennung

Gewerbetreibende und Freiberufler in Deutschland finden derzeit in ihrem Fax-Ausgang einen Ausdruck vor. Eine Kennung hat das Fax nicht und auch sonst sind keine Absenderangaben zu erkennen. Nur aus dem Kleingedruckten lässt sich ein Firmenname erahnen: FS24. Überschrieben ist es mit

„Branchenbuch“,

dann folgt der jeweilige Ortsname. Unterhalb der Anrede heißt es:

„[…] bitte prüfen Sie die untenstehenden Angaben auf ihre Richtigkeit, gegebenenfalls korrigieren oder ergänzen Sie ihre firmenrelevanten Daten für die korrekte Eintragung im Branchenbuch […]“

Die Empfängerdaten sind teilweise eingetragen. Es fehlen aber noch die Branchenangabe und die E-Mail-Angabe. Retour an Telefax steht fettgedruckt auf dem Formular. Eine britische Nummer ist angegeben.

Wer das Fax unterschrieb und zurücksandte, in der irrigen Annahme, es ginge im Rahmen einer laufenden Geschäftsverbindung nur um die Überprüfung von Bestandsdaten, tappte in eine Falle - jedenfalls nach Ansicht der Firma FS24. Heißt es doch im Kleingedruckten des Formulars:

“Leistungsbeschreibung und Geschäftsbedingungen der FS24 […] Mit Ihrer Unterschrift kommt dieser Vertrag zustande. Gegenstand des Vertrages ist die Veröffentlichung des Standard Plus Eintrages auf unserem Onlinebranchenbuch.“

Um welches Onlinebranchenbuch es überhaupt geht, lässt sich nicht erkennen – nach Art derartiger Betrüger dürfte es wahrscheinlich nicht existieren. Und dafür, dass es eine Firma FS24 überhaupt gibt, würden wir auch nicht die Hand ins Feuer legen wollen. Weiter heißt es:

“Die Bereitstellung Ihres Standard Plus Eintrages beträgt 984 € netto für 24 Monate und ist im Voraus, nach Rechnungserhalt innert 30 Tagen zur Zahlung fällig.“


"Innert" als Spur

Das Wort „innert“, das sich im Kleingedruckten auch ein zweites Mal findet, kennt man in Deutschland nicht. Und sicherlich auch kaum in Großbritannien. Wohl aber in der deutschsprachigen Schweiz. Was dafür spricht, dass die Hinterleute der ominösen Firma FS24 dort ihr Nest haben.

Ein aufschlussreicher Satz findet sich auch noch:

“Beachten Sie bitte, dass Sie mit uns gegenwärtig in keiner laufenden Geschäftsbeziehung stehen.“

Warum das wohl so betont wird? Doch wohl deshalb, weil dieser Eindruck erweckt wurde. Und erweckt werden sollte.


Nicht auf Rechnung und Mahnung reagieren

Das Branchenbuch-Formular der Firma FS24 wurde auch an unsere Kanzlei per Fax übersandt. Was zum einen von den beschränkten Verstandeskräften deren Hinterleute zeugt, uns zum anderen aber die Sache einfacher macht.

Wenn man irrtümlich das Formular unterschrieben hatte und eine Rechnung erhält, ist normaler Weise eine rasche Reaktion geboten. Doch nicht bei solch einfältig arbeitenden Betrügern, die anonym aus dem Dunkeln operieren. Wir empfehlen, auf Rechnungen, Mahnungen und ähnliches schlichtweg nicht zu reagieren. Anwaltliche Unterstützung brauchen Sie vorerst nicht.

Nur dann, wenn sich ein in Deutschland zugelassenes Inkassobüro meldet, muss reagiert werden. Es können sonst Nachteile bei Schufa & Co drohen. Und natürlich dann, wenn sich ein Gericht meldet. Doch diesen Fall halten wir für recht unwahrscheinlich.



Update vom 21.11.2018:
Fax-Versand zu 10.000en?

Die Häufigkeit, mit der ein Blog-Beitrag gelesen wird, ist ein Indikator für den Umfang der Aktivitäten der Firma, über die in ihm berichtet wird. Dieser Beitrag über die ominöse FS 24 wurde bis heute rund 4.000 Mal aufgerufen. Und das in weniger als 14 Tagen.

Wir gehen davon aus, dass die meisten Empfänger des Fax-Formular der FS24 dieses sofort in den einzig angemessenen Ort legen: den Papierkorb. Und keine Hintergrundrecherche mit Hilfe unseres Blog anstellen. Wenn dennoch unser Blog-Beitrag so häufig aufgerufen wurde, vermuten wir, dass das Trickformular zu Zehntausenden gefaxt wurde.



Update vom 07.12.2018:

Die FS24 verschickt immer noch Ihre Trickformulare. In dieser Woche lag der Schwerpunkt der Adressaten in Süddeutschland.

Die Zahl der Leser unseres Blog-Beitrages nähert sich mittlerweile der Sechstausender-Marke.

Es bleibt dabei. Wenn versehentlich das Formular unterschrieben und zurück gesandt wurde: nicht gegenüber der FS24 reagieren. In keiner Weise! Vor allem nicht zahlen. Schicken sie uns bitte eine Kopie eventueller Rechnungen; wir versuchen weiter zu recherchieren.





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