Wegen Mängeln der gekauften Eigentumswohnung – 215 Euro Entschädigung pro Tag

24.12.2011 – Der Erwerber eines Hauses oder einer Eigentumswohnung, die mit einem spürbaren Fehler behaftet ist, kann eine Nutzungsentschädigung für die deshalb nicht nutzbare Immobilie verlangen. Das stellte jetzt das Brandenburgische Oberlandesgericht (OLG Brandenburg, Urteil vom 23.11.2011 – 4 U 91/10) fest.

Geklagt hatten Erwerber, die in einer denkmalgeschützten Stadtvilla in Potsdam für 1,02 Mio EUR zwei Dachgeschosswohnungen gekauft hatten, die sie zu einer Wohnung mit einer Fläche von rund 300 m² zusammen legten. Die Verkäuferin hatte sich im Kaufvertrag verpflichtet, unter anderem die Dachhaut fachgerecht erneuern zu lassen.

Die vereinbarte Sanierung gelang der Verkäuferin nicht. Es kam über mehrere Monate immer wieder zu Wassereinbrüchen, die erheblichen Schaden anrichteten. 54 Tage war die Wohnung nicht nutzbar, da umfangreiche Bauarbeiten ausgeführt werden mussten. Dafür wollten die Käufer unter anderem auch eine Nutzungsentschädigung haben. Zu recht, entschied das Gericht. Es sprach 215 EUR für jeden Tag zu. Errechnet wurde dieser Betrag durch einen Sachverständigen aus den Vorhaltekosten anhand der Erwerbs- und Bewirtschaftungskosten der Immobilie, also dem Kaptaldienst, weiterlaufenden Aufwendungen und einem Alterungsminderungswert. In Anbetracht des deutlichen Wertes der Immobilie ergab sich dann diese recht hohe Entschädigungssumme.

Verspätungen beim Bauen waren schon häufiger ein Thema in unseren Bau News:

[Zum Bau News Beitrag vom 24.05.2012: Im Bauvertrag nichts geregelt – wann muss fertiggestellt sein?]

[Zum Bau News Beitrag vom 08.05.2013: Keine Vertragsstrafe möglich, wenn Baubeginn nicht klar geregelt war – „ca.“-Angabe reicht nicht]

[Zum Bau News Beitrag vom 05.07.2013: Neuer Fertigstellungstermin vereinbart – wird Vertragsstrafe ab dem Altem oder dem Neuen berechnet?]

[Zum Bau-News-Beitrag vom 28.03.2014: Baufirma gerät in Verzug mit Wohnungsübergabe – und muss Nutzungsausfallentschädigung zahlen]

Dieser Beitrag ist im Blog „Bau-News“ erschienen.

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