Die Abzockerszene und ihr Inkasso – was dürfen Inkasssobüros?

02.08.2017 – Rund 750 aktive und zugelassene Inkassounternehmen gibt es in Deutschland. Ihr Geschäftsmodell ist das gewerbsmäßige Einziehen fremder Forderungen. Ihr Mittel der Wahl: das Erzeugen von Ängsten im Kopfkino der Betroffenen. Weil den meisten nicht bekannt ist, was Inkassounternehmen eigentlich dürfen. Dabei ist die Antwort recht trivial. So gut wie nichts. Um einen einst von Mao Tse-tung in die Welt gesetzten Begriff zu gebrauchen: sie sind Papiertiger.

Einige dieser Inkassodienstleister fallen uns immer wieder besonders auf: als Geldeintreiber von Firmen, deren Geschäftsmodell so speziell ist, dass wir darüber in unserem Blog berichten. Dazu gehören:

Pseudo-Rumäne mit Kölner Masche: Wera Medienservice SRL zockt ab

21.07.2017 - Das ganz besondere Geschäft mit der „Kölner Masche“ boomt. Aus der im rumänischen Siebenbürgen, Transsilvanien heißt es in Rumänien, gelegenen Kleinstadt Medias ist schon wieder ein neuer Name aufgetaucht: die Wera Medienservice SRL.

Auch ihr Ziel ist es, von Gewerbetreibenden und Freiberuflern eine Unterschrift unter einem Formular zu ergattern. Damit sollen die sich verpflichten, Geld für eine Anzeige in einem „Bürger-Info“ zu zahlen. Viel Geld. Und auch bei der Wera Medienservice SRL gibt es, nach Art solcher Firmen, wenig an Gegenleistung.

Marktplatz-Deutschland.de GmbH verliert Prozess

10.07.2017 – Aus dem Baden-Württembergischen Ort 71144 Steinenbronn versucht eine Marktplatz-Deutschland.de GmbH mit ihrem aktuellem Geschäftsführer, dem 1952 geborenen Andreas Calov und dem 1980 geborenen Prokuristen Oliver Calov, an Unterschriften auf einem Vertragsformular zu kommen. Und danach – sonst gäbe es keinen Grund für einen Bericht in unserem Blog – an das Geld der Betroffenen. Für eine Eintragung eines Gewerbebetriebes oder Freiberuflers auf einer der Marktplatz-Deutschland.de-Seiten.

Doch das Berliner Amtsgericht Lichtenberg (AG Lichtenberg, Urteil vom 28.06.2017 – 7 C 203/16) entschied, dass die Marktplatz-Deutschland.de GmbH mit ihrem Formular keine Ansprüche geltend machen kann. Es sei mehrdeutig und unklar.

Conrad Media Ltd. aus London und Hamburg verschickt Rechnung für Regio Marketing SRL

08.07.2017 – Mit Kölner Masche, rumänischer Tarnadresse, türkischer Strohpuppe und deutschen Hinterleuten zu arbeiten, ist das Geschäftsmodell der Regio Marketing SRL. Jetzt ist auch noch eine Conrad Media Ltd. Druck & Marketing Agentur dazu gekommen. Sie verschickt neuerdings Rechnungen für die Regio Marketing SRL. Angeblich aus aus London und Hamburg. Doch wenn man genauer hinschaut, erkennt man die Mogelpackung, die sich hinter der Conrad Media Ltd. mit ihrem Director, dem im April 1972 geborenen Dean Anton Louw, verbirgt.

Mit Formular-Masche: die World Business List mit worldbusinesslist.net

05.07.2017 - Aus einem Postfach in Zeist, nahe der niederländischen Stadt Utrecht, ist der nächste Firmenname aufgetaucht. Eine Word Business List verschickt behördlich aussehende Formulare an Gewerbetreibende. Wenn die im Glauben unterschreiben, sie müssten Daten gegenüber einer offiziellen Stelle bestätigen, bekommen sie eine Rechnung. Versteckt im Kleingedruckten des Formulars findet sich, dass man mit der Unterschrift einen mehr oder minder nutzlosen Firmeneintrag auf der Internetseite worldbusinesslist.com bestellt habe.

Nur der Name der Firma ist neu, nicht der Rest. Wir hatten in unserem Blog am 31.10.2015 über die EU Business Services Ltd. mit ihrem Internetregister eubusinessregister.eu berichtet.

[Zum Blog-Beitrag vom 31.10.2015]

Die World Business List ist deren nahezu hundertprozentiger Klon.

Updates von Blog-Beiträgen im Mai und Juni 2017

03.07.2017 – Etwa alle zwei Wochen erhalten wir böse Schreiben von Firmen und ihren Betreibern, die sich in unserem Blog wiederfinden. Mal mit, häufig auch ohne Anwalt formuliert. Letzteres las sich dann kürzlich so: die „Internetschmierer“ - wir waren gemeint - werden aufgefordert, einen Blog-Beitrag zu löschen. Nur weil ein Richter aus „irgendeinem Kaff“, der ja sowieso von nichts eine Ahnung habe, gegen ihre Firma entschieden habe, dürfte darüber noch lange nicht berichtet werden. Es gäbe in ganz Deutschland nur zwei Anwaltsbüros, die es nötig hätten, so im Internet zu berichten. Und wir seien davon die Schlimmsten. Wenn wir unseren Bericht nicht löschen, werde man ein Strafverfahren gegen uns einleiten. Aber was für eins. Ein ganz Großes! Und außerdem verbiete man uns, weitere Mandate gegen sie anzunehmen.

Das mit dem Strafverfahren ist natürlich Unsinn. Aber das wir in den Augen der Abzockerszene die Schlimmsten sind, schmeichelt uns.

Das Ärgerliche für derartige Firmen ist, dass wir es nicht nötig haben, Mandate gegen sie anzunehmen. Sondern es uns leisten können. Weil wir unser Geld im Baurecht verdienen. Wer nicht mehr in unserem Blog erwähnt werden möchte, kann das nur auf einem Weg erreichen: durch Änderung des Geschäftsmodells. Nicht dadurch, dass man den Namen wechselt und da weiter macht, wo man mit der alten Firma aufgehört hat.

In der letzten Zeit sind wieder Firmen aufgetaucht, die zum Trick mit behördlich aussehenden Formularen gegenüber Gewerbetreibenden greifen. Wer dann im Glauben unterschreibt, man müsse nur die bereits voreingetragenen Daten gegenüber einer offiziellen Stelle bestätigen, bekommt eine Rechnung. Versteckt im Kleingedruckten des Formulars findet sich, dass man damit einen mehr oder minder nutzlosen Firmeneintrag in einem unbekannten Internetregister beauftragt. Eigentlich müsste diese Masche schon seit Jahren tot sein.

Unter anderem darüber informierten wir in zehn neuen Berichten im Mai und Juni 2017. Zwölf Blog-Beiträge aktualisierten wir seit Anfang Mai:

Mit Doppel-Anruf-Masche: Firma Branchencheck24 will ein „Ja“ für Branchencheck24.net

29.06.2017 mit Update vom 02.07.2017 – Seit Jahren werden Gewerbetreibende Opfer unseriöser Firmen, die mit erfundenen Legenden und zwei Anrufen an Vertragsabschlüsse, vor allem aber deren Geld kommen wollen.

Doch immer öfter zieht es die deutschen Hintermänner aus Deutschland weg, ins sichere Ausland. Zumindest auf dem Papier. Spanien ist eine belebte Tarnanschrift.

Im Frühjahr 2017 ist eine Firma Branchencheck24 aufgetaucht. Offiziell sitzt sie in Spanien, in der Stadt Vigo. Nach Art derartiger Unternehmungen dürfte man dort außer einem Briefkasten aber nicht viel von ihr finden.

Mit der Masche der zwei Anrufe versucht sie, Aufträge für einen Eintrag in ihrem privaten Firmenregister Branchencheck24 auf der Internetseite Branchencheck24.net zu ergattern.

Branchenbuchabzocke aus Rumänien: Gewerbeverzeichnis Regional SRL mit gewerbeverzeichnis-regional.net

27.06.2017 - Ein neuer Name der Branchenbuch-Abzocke ist aufgetaucht, wieder einmal mit rumänischer Anschrift. Angeblich aus Bukarest meldet sich eine Gewerbeverzeichnis Regional SRL. Mit einem Trickformular versucht sie an Aufträge für einen Eintrag auf ihrer privaten Internetseite gewerbeverzeichnis-regional.net zu gelangen. Und natürlich an das Geld der Betroffenen. An viel Geld, für kaum eine Leistung.

Mit Trickformularen: die Company Marketing und awr24.info

22.06.2017 mit Update vom 27.06.2017 - Der Versuch, mit Trickformularen an das Geld von Gewerbetreibenden zu gelangen, dürfte bald 20 Jahre alt werden. Er scheint immer noch zu funktionieren, denn sonst wäre die Masche mit der für Eintragungen in sinnlose, aber umso teurere Branchenverzeichnisse Unterschriften ergaunert werden, längst ausgestorben.

Jetzt ist die nächste Firma in Deutschland aktiv. Company Marketing nennt sie sich. Deren Anschriften wechseln rasch durch Mitteleuropa. Berlin, Wien, Winterthur werden genannt. Auch die Niederlande tauchen auf. Betroffene sollen viel Geld zahlen. Für eine Registrierung in den Branchenverzeichnissen company-Marketing.info bzw. awr24.info.

10. Teil zur Vendis GmbH: das Ende!

19.06.2017 – Fünf Jahre ist es jetzt her, seit wir zum ersten Mal über die Vendis GmbH und ihre offizielle Geschäftsführerin Eva R. berichteten. Mit Internetauftritten unter Großhandel-Angebote.de und Grosshandel-Produkte.de stellte sie eine Abofalle mit einer Spur von Branchenbuchabzocke dar. Knapp 600 Euro sollten Betroffene zahlen, die auf den trickreich gestalteten Internetauftritt herein gefallen waren.

Hunderte von Strafanzeigen waren wegen dieser Masche gestellt worden. Doch es kam zu keiner einzigen Anklage.

Wir wollen unsere Berichterstattung über die Vendis GmbH nach fünf Jahren zu Ende bringen. Und sahen uns dazu die Ermittlungsakten an.